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Kompressor | Beitrag vom 21.06.2018

Der "Fix und Foxi"-Schöpfer Rolf Kauka Eine Schau über den deutschen Comic-Pionier

Moderation: Shanli Anwar

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Der populäre deutsche Zeichner und Herausgeber der beliebten "Fix und Foxi"-Comics, Rolf Kauka (picture-alliance / dpa)
Der populäre deutsche Zeichner und Herausgeber der beliebten "Fix und Foxi"-Comics, Rolf Kauka (picture-alliance / dpa)

Beliebt, aber angefeindet: Mit den "Fix und Foxi"-Comics wurde Verleger Rolf Kauka reich. Eine Ausstellung im Schloss Oberhausen setzt sich nun mit Widersprüchen in Kaukas Vita auseinander, wie der Kauka-Kenner Martin Budde erklärt.

Sie startete Mitte der 50er: Die Erfolgsgeschichte des Rolf Kauka und seiner Comicfiguren "Fix und Foxi". Schon nach wenigen Jahren erreichten die Wochengeschichten eine Auflage von wöchentlich rund 100.000 Heften: ein verlegerisches Großprodukt. Kauka war ursprünglich Drogeriehelfer, versuchte sich nach dem Krieg aber dann als Verleger und Publizist, allerdings zunächst ohne Erfolg.

Dann fasste der den Entschluss, mit Comics Geld zu verdienen und hauchte seinen Figuren die Kraft der deutschen Literaturgeschichte und Sagenwelt ein: Till Eulenspiegel und Münchhausen. In der fünften Ausgabe von "Till Eulenspiegel" dann traten Fuchs und Wolf als Widersacher auf, womit Kauka Goethes Epos "Reineke Fuchs" zitierte. Daraus entwickelte er die anfänglichen Nebenfiguren "Fix und Foxi" zu seinen Haupthelden - der Beginn eines Millionen-Erfolgs.

Als Comics noch was Neues waren

Vor 18 Jahren starb Rolf Kauka. Ihm und seinem Schaffen ist nun in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen eine Ausstellung gewidmet: "Fix und Foxi - der deutsche Walt Disney und seine Kultur-Füchse", in der sich alles um Kaukas bekannteste Figuren Fix und Foxi dreht. Bis 1994 waren die Hefte regelmäßig erschienen, also mehr als 40 Jahre.

Zwei Spielfiguren der Comicreihe "Fix und Foxi" stehen neben der Verpackung eines Kinderspiels (picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)Fix und Foxi-Figuren von Rolf Kauka, zu sehen im Rahmen der Ausstellung "Fix & Foxi" (Juni 2018) in der Ludwigsgalerie Schloss Oberhausen. (picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)

Nach Einschätzung des Kauka-Kenners und Redakteurs beim Splitter-Verlag, Martin Budde, hätte es "Fix und Foxi" ohne Kauka kaum gegeben: "Er war der Initiator. Wie genau es dazu gekommen ist, lässt sich gar nicht mehr eruieren." Kauka habe zu Beginn der 50er-Jahre mit dem Beginn seiner verlegerischen Tätigkeit für Comics einen günstigen Zeitpunkt genutzt, weil Comics damals in der Bundesrepublik noch etwas ganz Neues gewesen seien. "Es gab bis dahin sehr wenig, vorwiegend aus dem Ausland importiert, und erst nach dem Start von 'Fix und Foxi' kam plötzlich eine Reihe von anderen Produzenten auf den Markt und dann entwickelte es sich das in einer großen Welle", so Budde.

Plagiatsvorwürfe, trotz starker Unterschiede zu Disney

Kaukas Comics bezogen sich auf die deutschen Volkssagen und die Tierfabeln, wie Budde erklärt. Und hier liege der Unterschied zu "Micky Maus": Walt Disney hatte seine Comics in die 30er Jahre und die Zeit der großen Depression verlegt. Und noch entscheidender für den Erfolg in Deutschland sei auch die Wahl der Helden: "Fix und Foxi verkörpern erstmal jugendliche Figuren. Und bei ihnen geht es immer um diesen Konflikt zwischen dem gewitzten Kleineren und dem großen Starken in der Person des bösen Wolfs Lupo."

Umstritten allerdings war Kauka zeit seines Lebens, unter anderem wurde gefragt, inwieweit er sich mit der Schaffung siner Comics an Disney angelehnt hatte, Disney sogar kopierte oder plagiierte, wie Budde betont. "Der Vorwurf, der immer im Raum stand: Die Kauka-Comics wären zumindest bieder, eventuell aber auch reaktionär, wenn nicht stockkonversativ." Dies aber sei sehr strittig, so Budde. 

Ein weiteres Konfliktfeld im Schaffen Kaukas wird auch in der Ausstellung in Schloss Oberhausen thematisiert: Inwieweit sind Kaukas Comics antisemitisch? Unreflektiert wiederholten und bedienten Kauka und einige Mitarbeiter in den Comics antisemitische Klischees, und das 1965, zwanzig Jahre nach Kriegsende, was man ihm zu Recht vorhalten kann, so Budde.*

Die Ausstellung in der Ludwiggalerie in Schloss Oberhausen läuft noch bis 9. September. 

*Der Name des Museums sowie die Berufsbezeichnung des Interviewpartners wurden geändert. Die Aussage des Interviewpartners zu antisemitischen Klischees wurde präzisiert.

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