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Literatur | Beitrag vom 21.02.2021

Der Erzähler Uwe Johnson in seinen Briefen„Mit herzlichen Grüßen, euer Ossian“

Von Michael Opitz

Schriftsteller Uwe Johnson mit Hornbrille und einer Pfeife im Mund bei einer Lesung, ca. Mitte der 70er-Jahre. (picture alliance / Keystone / Röhnert)
"Was Du schreibst, wäre egal" schrieb Martin Walser an den Schriftsteller Uwe Johnson, hier bei einer Lesung. (picture alliance / Keystone / Röhnert)

Uwe Johnson, einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhundert, war auch ein begnadeter Briefeschreiber. Er schrieb sie als Literatur, mit verweisungsreicher Sprache und wiederkehrenden Motiven. Noch am Tag seines Todes war er auf der Post.

Der 1934 in Pommern geborene Uwe Johnson ist einer der großen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Als Mitglied der Gruppe 47, befreundet mit Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Max Frisch und vielen anderen Intellektuellen seiner Zeit, blieb Johnson aber immer auch ein Einzelgänger und Unangepasster. Er wuchs in der DDR auf, wo er früh staatliche Willkür zu spüren bekam – jedoch ohne sich unterkriegen zu lassen.
 
1959 zog Uwe Johnson nach West-Berlin und debütierte im selben Jahr als Romanautor: "Mutmassungen über Jakob" erschien im Suhrkamp Verlag und machte Johnson zu einem der wichtigen zeitgenössischen Autoren.
Geschätzt wurde er aber nicht nur wegen seines ganz eigenen Sounds und präzisen Sprachgefühls als Schriftsteller, sondern auch als Briefeschreiber.

Keine leeren Worte

"Lieber Uwe, hätt ich viel Geld, dann würde ich dich anstellen als meinen Briefeschreiber. Du müßtest mir wöchentlich zwei schreiben, es ist angenehm, sich von Dir mit Deiner Sprache so vor der Nase herumfuchteln lassen, man muß beim Lesen andauernd hin-und her schauen. Was Du schreibst, wäre egal", schreibt ihm 1960 Martin Walser. Und einige Jahre später ist auch die politische Philosophin Hannah Arendt, mit der sich Johnson in New York angefreundet hat, von seinen Briefen angetan: "Ihr Brief – sehr entzückend, sehr charmant, …lieber Uwe, wenn Sie weiter so schöne Briefe schreiben, werden sich die Grenzen dessen, was sie dürfen, erheblich erweitern."

Nicht nur aus den Briefen, die Uwe Johnson mit Hannah Arendt wechselt, spricht Zuneigung, Vertrautheit, Freundschaft. Für Johnson waren das keine leeren Worte, das spiegeln auch seine Briefe an Walter Kempowski, Fritz J. Raddatz, Ingeborg Bachmann oder den Jugendfreund Jochen Ziem, in denen der Autor sich verständnisvoll und kritisch, humorvoll und verletzbar zeigt. Uwe Johnson entwarf, kopierte und sortierte seine Briefe. Er schrieb sie als Literatur, mit verweisungsreicher Sprache und wiederkehrenden Motiven. Sie sind Teil seines schriftstellerischen Werkes. Und noch an seinem Todestag ist Uwe Johnson auf der Post gewesen.

"Mit herzlichen Grüßen, euer Ossian"
Der Erzähler Uwe Johnson in seinen Briefen.
Von Michael Opitz
Es sprachen: Max-Volkert Martens, Wolfgang Condrus, Joachim                        
Schönfeld und Carola Regnier                                                  
Regie: Beatrix Ackers
Ton: Andreas Narr                               
Redaktion: Sigried Wesener

Das Manuskript können Sie hier (59 kB) herunterladen.

(huk)

Die Erstausstrahlung war am 22.2.2009. 

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