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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 18.11.2011

Der "deutscheste aller Musiker"

Vor 225 Jahren wurde der Komponist Carl Maria von Weber geboren

Von Albrecht Dümling

Carl Maria von Weber, nach einer Lithographie von Gustav Peckert, mit einem Notenbild seiner Romantischen Oper der "Freischuetz." (AP Archiv)
Carl Maria von Weber, nach einer Lithographie von Gustav Peckert, mit einem Notenbild seiner Romantischen Oper der "Freischuetz." (AP Archiv)

Richard Wagner bezeichnete ihn als den deutschesten aller Musiker. Carl Maria von Webers "Freischütz" durchbrach die damalige Vorherrschaft der italienischen Oper und galt als die deutsche Volksoper. Aber auch im Ausland wurde Weber bewundert und als Vater der romantischen Schule in der Musik anerkannt.

Ganz Berlin sang damals den "Jungfernkranz". Auf allen Straßen konnte man diesen Ohrwurm hören. Die Uraufführung der "Freischütz"-Oper am 18. Juni 1821 war der größte Triumph im Leben Carl Maria von Webers. Diesen Erfolg hatte er sich in einem unruhigen Wanderleben hart erkämpft.

Der genaue Tag seiner Geburt ist nicht überliefert. War es der 18. oder der 19. November 1786? Belegt ist nur die Taufe am 20. November in Eutin in Schleswig-Holstein. Der Vater, ein Kapellmeister, Komponist und Theaterdirektor, war Carl Maria von Webers erster Musiklehrer. Mit dessen Theatertruppe zog er durch ganz Deutschland und übernahm schon früh Kinderrollen. So wurde das Musiktheater ein selbstverständlicher Teil seines Lebens. Da der Vater den Sohn als Wunderkind präsentieren wollte, schickte er ihn zu bekannten Kompositionslehrern wie Michael Haydn und Abbé Vogler.

Achtzehnjährig erhielt Carl Maria von Weber in Breslau sein erstes Engagement als Kapellmeister. Schon hier zeigte er sich als fähiger Orchesterreformer. Er fand eine neue Sitzordnung, verbesserte die Musikergehälter und erweiterte das Repertoire.

"Ich hielt nichts für Nebensache, denn in der Kunst gibt es keine Kleinigkeit."

Auch am Prager Ständetheater, wo Weber nach vielen Stationen ab 1813 als Kapellmeister wirkte, verbesserte er die Bedingungen für das Orchester und die Qualität der Konzerte. Aber erst 1817 erhielt er in Dresden eine dauerhafte Position als Hofkapellmeister. Nun konnte er sich wieder verstärkt dem Komponieren widmen. In seiner Musik war Weber durch die deutsche Vorklassik geprägt, ebenso durch den Franzosen Etienne Méhul und den Italiener Luigi Cherubini, die er aber nie bloß imitierte.

"Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer, sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden."

Als Gegenpol zu der in Deutschland damals dominierenden italienischen Oper entwickelte Weber eine spezifisch deutsche Oper. Gestützt auf das Volkslied und die literarische Romantik E.T.A. Hoffmanns und Ludwig Tiecks begründete er die romantische Schule in der Musik. Wesentlich wurde dabei die Klangfarbe. Während Weber im "Freischütz" die Volksszenen durch einfache, helle Farben charakterisierte, tauchte er die dämonische Welt der Wolfsschlucht in geheimnisvolles Dunkel.

Als Komponist, Operndirektor, Schauspieler, Pianist, Dirigent, Orchesterreformer und Schriftsteller war Carl Maria von Weber so vielseitig wie nur wenige Kollegen. Allein die Werke, die er für den Klarinettisten Heinrich Joseph Baermann schuf, hätten ausgereicht, ihn unsterblich zu machen.

Seit dem "Freischütz" war Weber als der führende deutsche Opernkomponist seiner Zeit anerkannt. Kein Wunder, dass es nun auch Anfragen aus dem Ausland gab. Für London schrieb er seine romantische Oper "Oberon", die er dort schon todkrank zur Uraufführung brachte.

Die "Oberon"-Premiere am 12. April 1826 war ein überwältigender Erfolg. Nur wenige Monate später erlag der Komponist kaum vierzigjährig einer Tuberkulose. Erst vierzehn Jahre später wurden seine Gebeine auf Initiative Richard Wagners von London nach Dresden überführt. Wie Wagner beriefen sich danach auch Peter Tschaikowsky, Gustav Mahler und Igor Strawinsky auf Carl Maria von Weber. Und Claude Debussy bestätigte dankbar:

"Weber ist der Vater der romantischen Schule geworden, der wir unseren Berlioz verdanken, dann Wagner, den großen Schöpfer von Symbolen. Weber kann auf eine solche Linie stolz sein."

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