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Tonart | Beitrag vom 09.08.2016

Der brasilianische Sound der 70erMusik für die Volksmasse

Von Thorsten Bednarz

Der Jazz-Trompeter Miles Davis eröffnete am 11.07.1988 den Jazz-Gipfel in Stuttgart. (picture alliance / dpa / Dominik Obertreis)
Miles Davis (hier 1988) war ein großer Fan des brasilianischen Jazzmusikers Hermeto Pascoal. (picture alliance / dpa / Dominik Obertreis)

MPB, kurz für Música Popular Brasileira, war in den 70er-Jahren mit der angesagteste Sound in Brasilien. Aber auch die Rock- und Jazzszene entwickelte sich. Ed Motta erzählt wie die brasilianische Musik Künstler wie Stevie Wonder, Miles Davis und Co. beeinflusste.

Die 70er-Jahre waren geprägt von einem neuen Sound: Der Música Popular Brasileira. Spätestens mit der Rückkehr von Gilberto Gil und Caetano Veloso aus ihrem Londoner Zwangsexil 1972 begann der Siegeszug dieser neuen brasilianischen Popmusik. Die Basis war, wie so oft, der Samba. Doch in ihrem Exil hatten die beiden Sänger auch Zugang zum Reggae und zu afrikanischer Musik. Daraus entstanden auch einige Welthits.

Die Música Popular Brasileira, kurz MPB genannt, war eine neue Musik für die afro-brasilianische Volksmasse. Kein Schlager, aber auch nicht ganz so intellektuell wie der Tropicalismo kurz zuvor. Und diese Musik war weniger offensiv in ihrer politischen Aussage, auch wenn die vier Hauptakteure Gilberto Gil, Caetano Veloso, Maria Bethania und Gal Costa in gemeinsamen Konzerten schon mal als die süßen Barbaren auftraten. Sie feierten einfach das Volk und seine Musik, gingen zurück zu deren Wurzeln. Und in ganz Brasilien tat man das, immer wieder ein wenig anders in der regionalen Vielfalt der verschiedenen Musikstile des Landes. Neben den Hauptakteuren aus Rio war dabei die Gruppe aus dem Landesteil Minas Gerais um Milton Nascimento besonders erfolgreich.

"Für viele radikale Anhänger der MPB war diese Musik aus Minas Gerais die eigentliche MPB, weil diese weniger von der internationalen Musik beeinflusst war. Das ist sehr radikal, da kann ich nicht zustimmen", so der brasilianische Musiker und Plattensammler Ed Motta.

Einfluß auf Stevie Wonder und Miles Davis

Doch neben der Música Popular Brasileira gab es in den 70er-Jahren auch eine ungemein erfolgreiche Rockszene, auch diese war stark von Soul und Funk beeinflusst.

Ed Motta: "In dieser Zeit hatte die brasilianische Musik starken Einfluß auf die amerikanische Szene, auf die Musik von Stevie Wonder oder Earth, Wind and Fire. Miles Davis war ein großer Fan von Hermeto Pascoal. Oder Deodato, der wurde außerhalb Brasiliens in den 70ern berühmt, aber seine Karriere begann schon in den 60ern."

Deodato ist auch, wie der schon kurz angesprochene Jazzmusiker Hermeto Pascoal, ein nahezu perfektes Beispiel für eine brasilianische Musik, die sich eher in den USA oder auch in Europa weiterentwickelte, denn noch immer herrschte die Militärdiktatur in Brasilien und zwang viele Intellektuelle ins Ausland. Im Falle der Jazzmusiker Brasiliens stand vielen eine großartige Karriere in den USA bevor.

Als "Land der Musik" sieht sich Brasilien selbst und meint damit bei weitem nicht nur Samba, Bossa Nova oder Choro. In einer fünfteiligen Reihe blicken wir mit dem brasilianischen Musiker Ed Motta auf die Entwicklung der letzten 50 Jahre.

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