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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 21.08.2020

Der Biologe Guntram MeierArtenschützer mit Waffenschein

Moderation: Marco Schreyl

Guntram Meier sitzt im Gras. (Guntram Meier)
"Man muss emotional dazu fähig sein", sagt Guntram Meier über seinen Beitrag zum Artenschutz. (Guntram Meier)

Tiere bekämpfen, um andere zu schützen – das ist der Job des Biologen Guntram Meier. Er kommt, wenn Ratten oder Krähen in fremde Ökosysteme einwandern. Sein Arbeitsplatz ist die ganze Welt und sein Impfpass immer auf dem neuesten Stand.

"Tiere, die durch den Menschen aus ihrem Heimatgebiet irgendwo hingebracht werden, wo sie niemals alleine hingekommen wären, also auf andere Kontinente, über den Ozean, über eine Riesenwüste oder so, gelten erst mal als 'Aliens'. Wenn sie einen negativen Einfluss haben, werden sie zu invasiven Arten", sagt Guntram Meier.

Dieser Einfluss ist häufig fatal, wenn die neu eingeführten Tiere anderen heimischen Arten den Lebensraum nehmen oder sie gar zu vernichten drohen, erklärt der Biologe. Der Artenschützer reist seit knapp 20 Jahren rund um die Welt, um invasive Tierarten mit Gift, Schusswaffen oder Fallen außer Gefecht zu setzen.

"Man muss emotional dazu fähig sein, zu sagen: Ich setze jetzt diese Art über diese Art, helfe der Art, muss aber die andere bekämpfen", erklärt er.

Die Rettung der grünen Meeresschildkröte

So hat Meier auf einer Insel vor Borneo die grüne Meeresschildkröte gerettet, indem er dort eingeschleppte Ratten nach minutiösem Plan mit Giftködern bekämpft hat. Der Mensch als zerstörerischste Art überhaupt müsse so zumindest punktuell seine Fehler "korrigieren", sagt er: "Die Tiere sind letzten Endes die Leidtragenden des menschengemachten Verschleppens."

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Wenn eine Art sich über mehrere Generationen hinweg in einer eigentlich fremden Umgebung vermehrt hat, wird sie zur heimischen Art, erklärt er. "Zum Beispiel der Nandu in Mecklenburg-Vorpommern. Der Schaden, den er anrichten müsste, um invasiv zu sein, der ist noch nicht so richtig bewiesen." Der "deutliche Exot", wie Meier den Vogel bezeichnet, war ursprünglich aus einer Geflügelfarm entkommen. "Jetzt hat sich eine Population von über 200 Tieren aufgebaut."

Ein Faktor, der ebenfalls eine Rolle spiele, sei die Wirtschaftlichkeit: "Wenn Sie invasive Tiere haben, die andere Tiere bedrohen, dann ist das schwer messbar. Wenn dagegen die Zebramuschel alle Wasserleitungen an den großen Seen in Amerika verstopft, oder der asiatische Laubholzbockkäfer die Bäume zerstört und im Umkreis von 2000 Metern alle Bäume umgesägt werden müssen, dann haben Sie plötzlich einen richtigen wirtschaftlichen Schaden."

Vom Tierpfleger zum Artenschützer

Der erste Berufswunsch von Guntram Meier war Tierpsychologe, sein erster Job Zootierpfleger im Tierpark Berlin. Schon als Junge in Ostberlin interessierte sich Meier für Vögel, beobachtete diese vorzugsweise auf nahegelegenen Friedhöfen.

"Einmal auf einem Friedhof in der Nähe von der Grenze mit Fernglas hat mir eingebracht, dass ich am Ende im Streifenwagen der Volkspolizei saß", erzählt er. "Man dachte, ich spionier jetzt da aus, wie man abhaut. Aber es ging eigentlich ums Sommergoldhähnchen."

Seine Eltern unterstützten das Interesse ihres Sohnes, obwohl sie als Sprachwissenschaftler mit Biologie eigentlich gar nichts zu tun hatten. Durch sie weiß Meier die Bedeutung von Fremdsprachen zu schätzen und profitiert davon auf seinen vielen Reisen rund um die Welt.

"Bin immer komplett durchgeimpft"

"Das hat mir immer geholfen und war mir auch wichtig, und das kultiviere ich auch heute noch", so Guntram Meier. Sprachen und Weltoffenheit alleine reichen bei seinen Arbeitsgebieten allerdings nicht aus: "Ich bin immer komplett durchgeimpft", sagt er, um nicht erst drei Wochen warten zu müssen, wenn zum Beispiel ein Einsatz in einer Gelbfieber-Region ansteht.

Aktuell befasst sich der Artenschützer mit aggressiven Glanzkrähen in Kenia, Hunderttausenden von intelligenten Vögeln: "Die kommen zu fünfzigst ins Hotel und plündern das Buffet."

(mah)

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