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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.02.2013

Denkmal für eine längst untergegangene Welt

James Fenimore Cooper: "Der letzte Mohikaner", Carl Hanser Verlag, München 2013, 655 Seiten

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"Der letzte Mohikaner" - jenseits gängiger Klischees (US Library of Congress)
"Der letzte Mohikaner" - jenseits gängiger Klischees (US Library of Congress)

Der Carl Hanser Verlag hat den 1826 erstmals erschienen Roman "Der letzte Mohikaner" neu aufgelegt. Die Neufassung besticht nicht nur durch ihre gelungene Übertragung ins Deutsche, sondern auch durch die Dramatik und die ausführliche Schilderung der indianischen Kultur´.

Die jugendliche Lektüre ist lange her und doch täuscht die Erinnerung nicht: Es ist tatsächlich eine Abenteuergeschichte voll dramatischer Ereignisse, pittoresker Schauplätze und exotischer Gestalten. Immerhin geht es um Indianer, Trapper und die Kämpfe zwischen den Soldaten des englischen und französischen Königs in Nordamerika 1757. Die historischen Ereignisse der Kolonialkriege bilden den Rahmen für James Fenimore Coopers 1826 erschienenen Roman "Der letzte Mohikaner".

Wenn der Rückblick nicht trügt, dann unterscheidet sich die neue Übersetzung allerdings stark vom damaligen Buch. Dessen Sprache war umgangssprachlich eingedeutscht, zudem drastisch gekürzt und offenkundig auf die dramatischen Ereignisse zugespitzt. Der Roman ist jetzt von Karen Lauer mit 553 Seiten vollständig und zudem, wie man am Originaltext vergleichen kann, ausgesprochen gelungen ins Deutsche übertragen worden. Ein ausführliches Nachwort erklärt seine Erstehungsgeschichte, umfangreiche Anmerkungen erläutern die Hintergründe. Die Sprache schwelgt in romantisch angehauchten Beschreibungen der Natur, freut sich an wortreichen, oftmals blumigen Dialogen, liebt Metaphern. Man muss sich in diese schwelgerische Sprache erst einfinden, bevor man sich von den Ereignissen gefangen nehmen lässt.

Auf dem Weg zu ihrem Vater, dem Kommandanten des englischen Forts William Henry werden seine beiden Töchter sowie ihre Begleiter, der englische Offizier Heyward und der Prediger David Gamut von einem indianischen Führer bewusst in die Irre geleitet. Das stellt sich heraus, als sie weit ab vom Weg auf den weißen Kundschafter Lederstrumpf, auch Falkenauge genannt, sowie den Mohikaner Uncas und dessen Vater Chingachgook treffen. Als ihr Führer, der Hurone Magua begreift, dass seine Täuschung durchschaut ist, flüchtet er, nur um kurz darauf mit einer großen Schar Krieger seines Stammes zurückzukehren. Sie nehmen die Frauen, den Offizier und den Sänger gefangen. Von den Mohikanern und dem Kundschafter wieder befreit, gelangen sie zum Fort, das von französischen Truppen belagert wird. Es kann der Übermacht nicht standhalten und kapituliert. Indianische Hilfstruppen der Franzosen brechen das zugesicherte freie Geleit und richten ein entsetzliches Massaker unter den Abziehenden an. Dabei werden die beiden Töchter erneut von dem Huronen Magua entführt. Nach einer langen und aufreibenden Verfolgungsjagd, Gefangennahmen, listigen Befreiungen, einem erbittert geführten Krieg zwischen zwei Indianerstämmen gelingt es den Verfolgern schließlich, den Huronen zu besiegen. Doch das kostet den jungen Mohikaner und die ältere Tochter des Kommandanten das Leben.

Die ungebrochene Faszination der Geschichte liegt nicht nur in der geschickt gesteigerten Dramatik, die es mit jedem Krimi aufnehmen kann, sondern auch in der Schilderung der indianischen Kultur, ihrer Denkweise, ihrer Moralvorstellungen und Bräuche. Cooper stellt sie als den weißen Kolonisatoren durchaus gleichberechtigt vor. Er setzt damit einer Welt ein Denkmal, die längst untergegangen ist.

Besprochen von Johannes Kaiser

James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner
Aus dem Amerikanischen Karen Lauer
Carl Hanser Verlag München 2013
655 Seiten, 34,90 Euro

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