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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.12.2017

"Den Schlächtern ist kalt..." in ZürichTheaterautorin Katja Brunner zeigt sich als Sprachfantastin

Michael Laages im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Die Dramatikerin Katja Brunner. (image stock&people / DRAMA-Berlin.de)
Die Dramatikerin Katja Brunner (image stock&people / DRAMA-Berlin.de)

Barbara Falter hat das Stück "Den Schlächtern ist kalt oder Ohlalahelvetia?" der Nachwuchsautorin Katja Brunner am Schauspielhaus Zürich inszeniert. Geht es darin um die Rolle der Schweiz im Holocaust? Unser Kritiker ist zwar sehr animiert - aber auch etwas ratlos.

Die Autorin Katja Brunner ist 26 Jahre alt. Sie wurde für ihr Debüt mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet und von "Thaeter heute" zur besten Nachwuchsautorin gewählt. Ihr aktuelles Stück "Den Schlächtern ist kalt oder Ohlalahelvetia" ist ein Feuerwerk an Wortfantasie, findet unser Kritiker Michael Laages. Aber er verläßt das Schauspielhaus Zürich ohne eine neue Erkenntnis.  

Es geht nicht um Botschaften

Es geht der Autorin nicht um Botschaften und sie erklärt auch nicht gerne, was sie gemeint hat. "Den Schlächtern ist kalt oder Ohlalahelvetia" handelt wahrscheinlich von der Rolle der Schweiz im Holocaust, vermutet unser Kritiker. Denn:

"Es wird von einem Raum erzählt, der auch ein Land sein könnte, wo alles unfassbar sauber ist. Wo alle bösen Erinnerungen weggeräumt sind."

Das Stück dauert eine Stunde. Brunners Text hat die Funktion einer "Art Vorhang". Es ist eine Wortpartitur. Vor allem geht es um das immerwährende Sprechen.

Zurückhaltende Regie und Bühnenbild

Die Regiesseurin Barbara Falter hat sich nicht verführen lassen, Spielräume hinzuzuerfinden. Sie hält sich zurück und belässt das Stück in "der Partitur einer musikalischen Konstruktion". Das Bühnenbild von Dominik Freynschlag erklärt nichts, aber bietet einen immensen Augenreiz, findet Michael Laages.

Brunner entzieht sich offenkundigen Interpreationen

Katja Brunner sei eine Sprachfantastin von außerordentlichen Gnaden, sagt Laages. In ihrem Stück hört der Theaterbesucher auch Menschen, die sich über sich selbst klarzuwerden versuchen: "Ich wäre wirklich viel lieber als Einkaufsgutschein auf die Welt gekommen." 

Dem Kritiker Michael Laages gefällt Brunners Idee von einem Leben ohne Last, nur mit der Aufgabe, einmalig glücklich zu machen.

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