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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 19.01.2015

DemonstrationenImmer wieder montags

Von Axel Rahmlow

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Montagsdemonstration gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Foto: Bernd Weißbrod)
Montagsdemonstration gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Foto: Bernd Weißbrod)

Nach dem Wochenende hat der Spaß ein Ende. Dann nehmen Zigtausende ein Transparent in die Hand, sie protestieren gegen Hartz IV, Stuttgart 21 oder die Islamisierung. Es gibt montags also mehr als nur Pegida, manche demonstrieren zum 508. Mal. Ein Überblick.

"Es liegen uns konkrete Anhaltspunkte vor das auch Menschenleben in Gefahr sind und deshalb haben wir uns dazu entschlossen."

Auf der Stamm-Spaziergangsroute in Dresden wird es heute menschenleer bleiben. Keine schwarz-rot-goldenen abendländischen Kreuze, keine Fahnen, keine Beschwerden gegen die Lügenpresse.

"Wir werden eine Möglichkeit finden um unser Recht wahrzunehmen. Wir sind dabei eine Lösung zu finden."

Bis dahin gibt es für Pegida-Anhänger in Dresden genügend andere Möglichkeiten heute Abend noch gegen Überfremdung besorgt zu sein. Entweder mit Kerze im Fenster und Flagge auf dem Dach. Oder in anderen Städten, wo es im Gegensatz zu Dresden tatsächlich einen sichtbaren Anteil von Migranten gibt. Zum Beispiel in Berlin auf der Bärgida, da waren letzte Woche schließlich nur ein paar hundert Anhänger gekommen. Das ist von Dresden in 2 Stunden zu schaffen. Ein bisschen länger dauert es bin München wo die Baygida gegen Islamisierung demonstriert, und auch die Mügida hat dazu aufgerufen.

"Wir sind das Volk."

Das wird heute auch in Düsseldorf gerufen, auf der Dügida, dazu will die Bogida aus Bonn anreisen.

Es gibt die Bragida – Braunschweig / Magida – Magdeburg / Saargida – Saarland / oder Wügida in Würzburg.

Monothematische Einheitsdemonstrationsdikatur in Deutschland?

Dazu kommen noch einige mehr quer durch Deutschland. Mindestens genauso viele Gegendemonstrationen gibt es heute Abend in den gerade aufgezählten Städten und auch in einigen anderen, in denen gar kein gida-Spaziergänge stattfinden. Die Unterzeile lautet oft "Bunt statt braun" oder "Weltoffen und Tolerant".

Es dreht sich alles um Pegida? Monothematische Einheitsdemonstrationsdikatur in Deutschland? Nicht ganz. Es gibt noch ein paar andere Themen für die heute Menschen auf die Straße gehen. Immer wieder Montags. Bei einigen fast schon aus Tradition heraus. Und viele nutzen, zumindest in ihren Ankündigungen, auch das Wort Montagsdemonstration.

Beispiel Frankfurt: Zum 123. Mal kommen heute die Gegner des Flughafenausbaus in Frankfurt zusammen, direkt am Terminal. Es geht auch um ein Nachtflugverbot. "Stop Ausbauwahn" oder "Schlafentzug verkürzt das Leben" steht auf den Plakaten.

Beispiel Stuttgart: Zum 256. Mal gibt es heute eine Montagsdemonstration gegen den Umbau des Hauptbahnhofs. Motto: "S21 zerstört die Stadt und ruiniert das Land." Unter dem Aufruf steht noch: "Der Versuch, Stuttgart 21 zu verbessern, entspricht dem Versuch, das Licht mit Eimern in ein Haus zu tragen, bei dem die Fenster vergessen worden sind."

Beispiel Zwickau: In Sachsen wird heute, nach eigenen Angaben, zum 508. Mal gegen die Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder protestiert, gegen "die Agenda 2010 und Sozialkahlschlag".

Allerdings nicht nur in Zwickau, sondern in vielen Städten in ganz Deutschland wird heute traditionell gegen Sozialabbau protestiert, wobei die Proteste im Laufe der Jahre doch ziemlich eingeebbt sind. Aber die Organisatoren und der harte Kern nicht weniger leidenschaftlich. Und viele kündigen ausdrücklich an, dass sie gleichzeitig auch gegen Pegida auf die Straße gehen.

Mehr zum Thema:

Skandinavien - Erste Nachahmer von Pegida
(Deutschlandfunk, Europa heute, 19.01.2015)

Pegida-Studie - "Höhepunkt ist überschritten"
(Deutschlandfunk, Deutschland heute, 19.01.2015)

Schriftsteller Ingo Schulze - "Pegida-Demonstrationen stehen für Entpolitisierung"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 12.01.2015)

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