Seit 18:00 Uhr Nachrichten

Dienstag, 23.07.2019
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.12.2015

Demokratie und DemokratisierungIn welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Gäste: Zafer Senocak und Wolfgang Merkel

Podcast abonnieren
Flüchtlinge, darunter viele Frauen und Kinder, kommen am Hauptbahnhof in München an und gehen von Polizisten begleitet durch den Bahnhof. (picture alliance / dpa/ Andreas Gebert)
Wie wollen wir als Gemeinschaft auf die globale Flüchtlingsbewegung reagieren? (picture alliance / dpa/ Andreas Gebert)

Die globale Flüchtlingsbewegung und die Bedrohung durch Terror - das sind beherrschende Themen dieses Jahres. Beide sind aber auch eine Herausforderung für die westlichen Gesellschaften. Wir müssen reagieren. Nur wie?

In diesem Jahr gab es aber auch andere wichtige Themen: Die europäische Krise, Griechenland, das Erstarken der Rechtspopulisten in Europa – auch in Deutschland mit Pegida und der AFD.

Auf dies alles müssen wir als Gesellschaft reagieren – nur wie? Wie offen können und wollen wir all dem gegenüber sein? In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Der Schriftsteller Zafer Senocak, Foto: Januar 2003. (picture-alliance / akg-images / Bruni Meya)Der Schriftsteller Zafer Senocak (picture-alliance / akg-images / Bruni Meya)

Diese Themen beschäftigen auch Zafer Senocak. Der türkischstämmige Autor lebt seit seinem achten Lebensjahr in Deutschland; seit 1979 veröffentlicht er Gedichte, Essays und Prosa in deutscher Sprache und schreibt regelmäßig für Tageszeitungen. Dabei widmet er sich auch der Frage, was Deutschsein überhaupt bedeutet – besonders auch im Hinblick auf die Einwanderung. Wer gehört dazu, wer nicht? Wie gehen wir mit der Vielfalt in unserem Land um?

Neukölln muss Pegida aushalten

"Wir können nicht verhindern, dass Menschen sich in die moderne, offene, pluralistische Gesellschaft schlecht einordnen."

Das sei auch in anderen Ländern Europas und bei den Muslimen so.

"Wichtig ist, dass die Demokraten und diejenigen, die die offene Gesellschaft befürworten, zusammenstehen und auch ein Gespräch suchen."

Auch mit Rechtspopulisten müsse man immer wieder diskutieren: "Die müssen lernen, Neukölln auszuhalten – und Neukölln muss Pegida aushalten."

Demokratie muss flexibel sein

"Demokratie darf nichts Statisches sein", sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel, Direktor der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

"Demokratie muss sich anpassen können, flexibel sein, offen für die Herausforderungen."

(Foto: WZB / David Ausserhofer)Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel (Foto: WZB / David Ausserhofer)

Es reiche nicht, sie in Sonntagsreden zu beschwören; sie müsse gelebt werden – von allen. Und die Politik müsse die entsprechenden Rahmenbedingungen stellen. Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte dürfe man die hausgemachten Probleme nicht vergessen:

"Es gibt einen Teil der Gesellschaft, der sich nicht mehr repräsentiert fühlt – oder die sagen: Wir wollen in einer anderen Gemeinschaft leben. Es gibt leider die unangenehme Empirie: Je heterogener eine Gesellschaft ist, desto geringer ist das Vertrauen von Bürger zu Bürger."

Die Herausforderung bestehe darin, dieses Vertrauen zu schaffen – vonseiten der Gesellschaft und jedes Einzelnen.

 

Informationen im Internet:
Über Wolfgang Merkel

Literaturhinweis:

Zafer Senocak: "Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift", Edition Körberstiftung, 2011

Zafer Zenocak: "In deinen Worten. Mutmaßungen über den Glauben meines Vaters", Babel Verlag Tulay München, es erscheint Anfang Januar 2016

Mehr zum Thema

Bewährungsprobe durch Terror und Flucht - Die Renaissance der "offenen Gesellschaft"
(Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 17.12.2015)

CDU-Parteitag - "Es gibt nur eine richtige oder falsche Flüchtlingspolitik"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 14.12.2015)

Prägung durch Einwanderung - Auch Deutschland wird sich ändern!
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 11.12.2015)

Merkels Willkommenskultur - Die Grenze zählt nichts mehr; das Staatsvolk auch nicht
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 28.11.2015)

Im Gespräch

Archäologe Harald MellerDer „Herr der Scheibe“
Der Archäologe Harald Meller steht in einem Museumsraum, im Hintergrund sind Teile eines Tierskeletts zu sehen. (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/ Mark Ritchie)

Den Fund seines Lebens machte der Archäologe Harald Meller nicht an einer Grabungsstätte, sondern in einem Schweizer Hotel: Dort boten ihm Hehler die Himmelsscheibe von Nebra an. Ein 3600 Jahre altes Stück Metall - als Zeuge einer uralten, vergessenen Hochkultur.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur