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Im Gespräch | Beitrag vom 08.08.2018

Demetrios Karamintzas"Meine Muttersprache ist die Musik"

Moderation: Britta Bürger

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Der Oboist Demetrios Karamintzas bei einem Konzert (Copyright: Peter C. Theis)
Oboist Demetrios Karamintzas: Flüchtlingen über die Musik eine neue Perspektive für ihr Leben aufzeigen. (Copyright: Peter C. Theis)

Für den Oboisten Demetrios Karamintzas ist Musik Kunstgenuss, aber auch Vehikel für Verständigung und neue Perspektiven. Sein Projekt "MitMachMusik" begann mit einem Sack voller Blockflöten – mit dem er in eine Flüchtlingsunterkunft hineinspazierte.

350 Euro bezahlt er für ein Kilo Arundo Donax. Nein, es sei keine Droge, sagt Demetrios Karamintzas amüsiert, und auch um Missverständnissen wegen des hohen Preises vorzubeugen: "Sondern eine Art Riesenschilf, aus dem ich Oboenrohre baue. Eine Beschäftigung, die ungefähr die Hälfte meines Berufs ausmacht."

Demetrios Karamintzas ist Musiker und wurde an der berühmten Juilliard School in New York ausgebildet, erst auf dem Klavier, später an der Oboe. Heute lebt er in Berlin und bringt mit seinem Projekt "MitMachMusik" Farbe in den Alltag von Flüchtlingskindern.

Eine Karriere als Musiker war in seiner Familie eigentlich nicht vorgesehen. "Ich bin quasi im Diners Restaurant aufgewachsen, ich kann kellnern, kochen, abrechnen – alles." Denn der Vater, ein Einwanderer aus Griechenland, betrieb in New York ein Restaurant. Er empfahl seinem Sohn, lieber Fußball zu spielen statt ein Instrument zu lernen.

Palästina, Libanon, Afghanistan

Doch der Sohn geht seinen eigenen Weg: Mehr als sieben Jahre lang spielt Demetrios Karamintzas später die Solo-Oboe im Jerusalem Symphony Orchestra, baut das erste palästinensische Jugendorchester mit auf, bringt Instrumente nach Palästina, in den Libanon und nach Afghanistan.

Er erlebt Terrorangriffe. Irgendwann hält er es nicht mehr aus: "Es änderte sich nichts. Als der letzte Gaza-Krieg anfing, ging es nicht mehr. Ich hatte Freunde auf beiden Seiten, in Israel und Palästina, und jeden Angriff auf eine der Seiten nahm ich fast persönlich."

2011 gibt der Oboist seine feste Stelle im Jerusalem Symphony Orchestra auf und kommt nach Berlin.

Demetrios Karamantzis, heute 37 Jahre alt, orientiert sich neu. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise findet er eine neue Aufgabe. "Ich bin einfach mal mit einem Sack voller Blockflöten in eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Alt-Moabit reinmarschiert und habe dort mit ein paar Kindern im Foyer ein bisschen Musik gemacht."

Langfristig und nachhaltig

So entsteht sein Projekt "MitMachMusik". Sein Anliegen: Jungen Menschen über die Musik eine neue Perspektive für ihr Leben aufzeigen.

"Ich wollte das langfristig und nachhaltig machen," sagt Demetrios Karamantzis, der neben seinen Muttersprachen Englisch und Griechisch fünf weitere Sprachen spricht. Und auch die Musik zu seinen Muttersprachen zählt.

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