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Kompressor | Beitrag vom 16.08.2017

#DeineWahl - YouTuber fragen die KanzlerinMerkel im Neuland

Von Nadine Lindner

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(picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Die CDU-Vorsitzende spricht mit YouTubern im Livestream (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Knapp fünf Wochen vor der Bundestagswahl stellte sich Kanzlerin Angela Merkel heute eine Stunde lang den Fragen von vier YouTubern. Nadine Lindner aus unserem Hauptstadtstudio findet: "Es war eine unterhaltsame Stunde."

Zugegeben. Ich bin positiv überrascht. Denn es war eine unterhaltsame Stunde, in der viele Themen der politischen Agenda abgehandelt wurden: von sozialer Ungerechtigkeit, über die schlechte Bezahlung von Pflegekräften, bis hin zu High-Speed-Internet oder Außenpolitik.

So unterschiedlich wie die Schwerpunkte der vier YouTuber sind, so vielfältig waren auch ihre Fragen. Nacheinander, im Zehn-Minuten-Rhythmus konnten sie ihre Fragen und die Fragen ihrer Fans unterbringen. Die Unterhaltung wurde online als Livestream übertragen.

Zu Beginn bohrte Lisa-Sophie, die als ItsColeslaw Videos produziert, nach, wann Schüler endlich mit einem einheitlichen Schulsystem in Deutschland rechnen können und warum Pfleger so fürchterlich schlecht bezahlt werden. Das passte zu ihrem Profil, denn die Politik-Studentin greift oft die Alltagssorgen ihrer Abonnenten auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 16.08.2017 in Berlin mit YouTubern zusammen, nachdem sie in einem Livestream interviewt wurde. L-r.: Lisa Sophie, Mirko Drotschmann, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Moderatorin Lisa Ruhfus und Alexander Böhm.  (dpa / Wolfgang Kumm)Vier Youtuber durften Bundeskanzlerin Angela Merkel (3.v.l.) interviewen: Lisa Sophie (l.), Mirko Drotschmann (2.v.l.), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Moderatorin Lisa Ruhfus (3.v.r.) und Alexander Böhm (r.). (dpa / Wolfgang Kumm)

Merkel ließ sich nicht in die Karten schauen

Danach wollte Alexi Bexi wissen, warum es so schleppend mit der Umstellung auf Elektromobilität vorangeht.

Mirko Drotschmann, alias MrWissen2Go hat sich wie angekündigt auf Außenpolitik konzentriert. Doch auf seine Frage, was die Kanzlerin wirklich denkt, wenn sie Tweets von Trump liest, bekam er nur eine ausweichende Antwort. Auch beim zweiten Versuch. Da ließ sich die CDU-Spitzenkandidatin doch nicht in die Karten schauen.

Hören Sie zum Thema auch die Einschätzung unseres Autors Matthias Dell aus der Sendung "Fazit" vom 16.8.

Ischtar Isik - größte Überraschung

Eine der größten Überraschungen war dabei die 21-Jährige Ischtar Isik, die sich in ihren Videos eigentlich über Kosmetik oder Alltagsangelegenheiten Gedanken macht. Sie fragte, warum so viele junge Wähler, die eigentlich nur Merkel als Kanzlerin kennen, das Gefühl haben, unterzugehen, weil die Älteren alles entscheiden.

Auch die SPD will internet-affine, junge Wähler erreichen. Heute Nachmittag wird Vize-Kanzler Sigmar Gabriel um 16 Uhr im BuzzFeed-Büro zu Gast sein. Das voraussichtlich gut halbstündige Interview mit Gabriel wird auf der Facebook-Seite von BuzzFeed News live übertragen. Das US-Online-Magazin hat auch eine deutsche Präsenz und will neben Lifestyle-Themen die politische Berichterstattung ausbauen. Bei der letzten Bundestagswahl 2013 gingen nur 60 Prozent der 21-bis 25-Jährigen wählen. Der Kampf um die Zielgruppe ist also wichtig.

Zusammen um die drei Millionen Abonnenten

Die Internet-Stars MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik sind Betreiber populärer Kanäle bei der Google-Videoplattform. Zusammen haben die vier um die drei Millionen AbonnenteMrWissen2Gon im Netz. 

Für Merkel war es das zweite YouTube-Interview. Vor zwei Jahren hatte die CDU-Vorsitzende mit Videostar LeFloid gesprochen. Das Video wurde allein bei YouTube mehr als fünf Millionen Mal abgerufen.

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Polit-Blogger Tilo Jung ist skeptisch, was dabei herauskommen wird. "Ich habe da nicht so große Erwartungen", sagte der Polit-Blogger Tilo Jung, der für sein Portal Jung und Naiv regelmäßig Politiker-Interviews führt und seit Jahren bei Anfragen nach einem Merkel-Interview nur Absagen kassiert.

Der Reporter Tilo Jung posiert am 18.09.2014 in Berlin bei der Vorstellung der Nominierten für den Deutschen Fernsehpreis 2014. Jung wurde in der Kategorie "Beste Information" für "Jung & Naiv - Politik für Desinteressierte" nominiert. Der Deutsche Fernsehpreis wurde am 03.10.2014 zum 16. Mal verliehen. (dpa / Jörg Carstensen)Reporter Tilo Jung (dpa / Jörg Carstensen)

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