Seit 05:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 13.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 16.10.2019

Debütantin auf der Frankfurter BuchmesseVerwirrende Beschilderung, weite Wege

Dana von Suffrin im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Beitrag hören Podcast abonnieren
Installation " Wittgensteins Boot " der Kuenstlerin Marianne Heske im norwegischen Ehrengastpavillon auf der Frankfurter Buchmesse 2019 (picture alliance / dpa / Sven Simon)
Im Norwegen-Pavillon von Frankfurt: Wo geht's lang und wie weit ist es noch? Der erste Tag auf der Buchmesse diente der Orientierung, sagt die Autorin Dana von Suffrin. (picture alliance / dpa / Sven Simon)

Die Autorin Dana von Suffrin hat jüngst ihren ersten Roman veröffentlicht und nimmt zum ersten Mal an der Frankfurter Buchmesse teil. Vom Ausmaß des Trubels war sie überwältigt, ihr Stundenplan mit Interviewterminen habe aber noch angenehme Lücken.

In ihrem ersten Roman mit dem schlichten Titel "Otto" erzählt Dana von Suffrin davon, was es bedeutet, wenn ein starrköpfiger jüdischer Familienpatriarch zum Pflegefall wird. An ihrem ersten Tag als geladene Autorin auf der Frankfurter Buchmesse sei diese Geschichte in den Interviews und eine Verbindung zum Anschlag in Halle allerdings kein Thema gewesen, sagt die 34-jährige Autorin.

"Ich habe das Gefühl, dass gerade das politische Gespräch von der Nobelpreisverleihung dominiert wird. Das scheint gerade das große Thema zu sein. Ich persönlich würde mir eher wünschen, dass wir über gesellschaftliche Strukturen sprechen, dass wir auch über die politische Situation sprechen. Wenn mein Roman dazu einen kleinen Beitrag leisten könnte, wäre das natürlich schön, über das Thema Juden in Deutschland zu sprechen. Allerdings glaube ich, dass das eine Diskussion ist, die erst mal von oben geführt werden sollte." 

Gefühl von Verlorenheit

Darauf, dass der erste Tag in den Messehallen sehr anstrengend werden würde, hätte sie ihr Verlag schon vorbereitet. Und genau so sei es dann auch gewesen: tausende Menschen, die die eigene Bewegungsfreiheit einschränkten und unzähliges Händeschütteln.

"Ich habe mich zuerst vor allem sehr lange verlaufen, bis ich kapiert hatte, wie die Hallen nummeriert sind und was die merkwürdigen Buchstaben bedeuten. Das erste Gefühl war eine große Verlorenheit, ein großes Chaos, eine große Verwirrung."

Sie schätze, dass sie mehrere Kilometer Fußweg zurückgelegt habe, sagt Dana von Suffrin. Eigene Buchentdeckungen seien ihr am ersten Tag in Frankfurt in dieser Orientierungsphase unmöglich gewesen. Der vom Verlag vorgegebene Stundenplan mit Interview-Verpflichtungen habe aber bisher noch angenehme zeitliche Lücken und sie wolle persönliche Kontakte mit anderen Autoren in den kommenden Tagen ausweiten.

Dana von Suffrin: "Otto"
Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2019
240 Seiten, 20 Euro

(mle)

Mehr zum Thema

Eröffnung der Frankfurter Buchmesse - Appell an gesellschaftliches Engagement
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 15.10.2019)

Gastland der Frankfurter Buchmesse 2019 - Ein Ökosystem für die Literatur
(Deutschlandfunk, Büchermarkt, 15.10.2019)

Anschlag in Halle - Orte des Terrors, Orte des Mitgefühls
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 15.10.2019)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsAus für das Männerballett?
Das Männerballett "Männerchor Einigkeit Finsterwalde" tanzt während der 2. Ostdeutschen Meisterschaften der Männerballette. (Robert Schlesinger/dpa)

Olaf Scholz plant, Vereinen, die Frauen ohne triftigen Grund ausschließen, die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die "taz" ist begeistert und hofft so, "toxische, eingeschränkte Männlichkeit" einzudämmen. Das könnte weitreichende Folgen haben.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur