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Tonart | Beitrag vom 12.09.2019

Debütalbum von Sampa The GreatAufregende Reise mit Rap, Gesang und Flüchen

Von Kerstin Poppendieck

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Im Musikvideo zu ihrem Song "OMG" sitzt Sampa The Great im Auto und schaut herausfordernd in die Kamera. (Screenshot Youtube-Kanal von Sampa The Great, Copyright: Sampa The Great)
In ihren Songs lässt Sampa The Great auch ihren Frust über Rassismus raus - nicht unbedingt mit höflichen Worten. (Screenshot Youtube-Kanal von Sampa The Great, Copyright: Sampa The Great)

Der Künstlername Sampa The Great weckt Erwartungen - und tatsächlich gehört die 26-Jährige zu den spannendsten jungen Musikerinnen derzeit. Auf ihrem Debütalbum mischt sie virtuos elektronische und traditionelle Klänge aus Sambia.

Sampa The Great: "Ich wollte einen Künstlernamen haben, der gleichzeitig auch ein Ziel ist: nämlich großartig, außergewöhnlich zu sein. Jedes Mal, wenn ich meinen Namen höre, erinnere ich mich an dieses Ziel. Ich hatte nie daran gedacht, dass Menschen diesen Namen auch anderes, arrogant interpretieren könnten. Ich wollte einfach einen Namen mit einer Vision."

Wenn es um Selbstvermarktung geht, hat Sampa The Great mit ihrem Namen schon mal alles richtig gemacht. Denn egal, ob gewollt oder nicht, bei solch einem Künstlernamen erwartet man eine selbstbewusste Musikerin, die etwas zu bieten hat. Und Sampa The Great enttäuscht nicht.

Kein wirrer Soundeintopf

Geboren vor 26 Jahren in Sambia, aufgewachsen in Botswana, Studium in den USA, jetzt wohnhaft in Australien. Auf ihrem Debüt "The Return" kehrt Sampa Tembo zu ihren Wurzeln zurück nach Sambia und erkundet die Traditionen ihres Geburtslandes. Dabei überbrückt sie die Kluft zwischen den traditionellen Klängen ihrer Heimat und der modernen Jugendkultur mit elektronischen Samples, Beats und Rhymes. Darunter gibt es auch eine Interpretation von Heimweh.

"Das war es, was mich ursprünglich zu diesem Album inspiriert hat: dieses Gefühl von Heimweh, obwohl meine Karriere so super lief. Mal hat mich dieses Gefühl fast gelähmt. Dann hatte ich die Idee, Dinge oder Elemente, die mich an zu Hause erinnern, in mein jetziges Leben zu integrieren. Das hat mir geholfen, meine Karriere überall auf der Welt voranzubringen."

19 Tracks, fast anderthalb Stunden lang wird gerappt, gesungen, gesprochen, geflucht. Die musikalische Spannbreite reicht von Hip-Hop über Soul bis zu traditionellen Einflüssen Ostafrikas.

Afrika ist gerade der musikalisch spannendste Kontinent

Afrika sei gerade der musikalisch spannendste Kontinent, hört man immer wieder. Sampa The Great zeigt warum: Stilistische Grenzen gibt es bei ihr nicht, traditionelle afrikanische Instrumente hört man in einem Track mit elektronischen Samples vermischt mit Feldaufnahmen aus Ostafrika.

Diese vielen unterschiedlichen Teile so in einen Song zu packen, dass am Ende kein wirrer Soundeintopf daraus wird, schafft Sampa the Great auf beeindruckende Weise. Kein Wunder, dass Stars wie Kendrick Lamar, Lauryn Hill oder Ineyi mit ihr zusammen arbeiten wollen.

Eine aufregende Reise durch Stimmen, Sprachen und Sounds. Kein Album, das man nebenbei laufen lässt, sondern eines, das fesselt und durch seine Vielseitigkeit immer wieder überrascht.

Unterstützung hat sich Sampa The Great von befreundeten Musikern geholt, die wie sie irgendwann nach Australien immigriert sind. Sie teilen die Liebe zur Musik und die Erfahrungen als People of Color in Australien:

"Für People of Color ist es kein leichtes Leben. Es gibt hier nur wenige Afrikaner, vor allem in der Musikindustrie. Möglichkeiten, hier groß rauskommen, als schwarze Musikerin, gibt es kaum. Deshalb haben wir uns zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Wir unterstützen uns gegenseitig, arbeiten zusammen. Aber Australien ist definitiv ein schwieriger Ort für eine Person of Color, nach oben zu kommen."

Selbstbewusstsein, Meinungsstärke und inhaltsschwere Texte

Natürlich frustriert Sampa Tembo diese Situation, was man ihren Texten deutlich anhört. Nicht selten hört man das F-Wort. Aber aus ihrem Frust und ihrer Wut entstehen so eindringliche wie nachvollziehbare Textzeilen wie: "Manchmal passiert es einfach, dass man sein eigenes Ich vergisst, weil man so damit beschäftigt ist, für Menschlichkeit zu kämpfen."

Und auch die Musikindustrie kriegt ordentlich ihr Fett weg, etwa im Song "Freedom":

Sich anderthalb Stunden mit den inhaltsschweren Texten auf Sampa The Greats Debütalbum auseinanderzusetzen - darunter auch der der bereits vorab veröffentlichten Single "OMG" -, ist nicht immer einfach. Aber die Mühe lohnt sich. Die gerade mal 26 Jahre alte Frau ist Poetin, Rapperin, Botschafterin und Identifikationsfigur. Ihr Selbstbewusstsein, die Meinungsstärke in ihren Liedern und dieser knallbunte musikalische Mix machen Sampa The Great zu einer der spannendsten jungen Musikerinnen aktuell.

(abr)

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