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Tonart | Beitrag vom 17.09.2019

Debütalbum "Taxi Galaxi" von Frank SchätzingDer Bestseller-Autor macht jetzt Musik

Von Laf Überland

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Frank Schätzing vor bunter Wand im Deutschlandfunk (Kerstin Janse)
Wollte ursprünglich Musiker werden: Der Bestseller-Autor Frank Schätzing (Kerstin Janse)

Bestseller-Autor Frank Schätzing hat mit seinen Science-Fiction-Romanen und Öko-Thrillern wie „Der Schwarm“ weltweit Erfolge gefeiert. Nun hat er mit 62 Jahren sein erstes Musikalbum veröffentlicht. Das Hörerhirn wird gewaltig gedopt.

"Klar, also früher – in der Zeit, als das noch Progrock oder Artrock hieß, hat man immer gesagt, das ist Musik für Abiturienten", sagt Frank Schätzing. Abiturientenmusik. Genau! Aber wieso bringt ein Erfolgsschriftsteller mit 62 Jahren plötzlich sein Debutalbum raus – "Taxi Galaxi" mit genau solcher Musik? Hat ihn die Schriftstellerei unterfordert?

"Nein, unterfordert nicht. Ich hatte da einfach Bock drauf", sagt Schätzing. "Ich hab mein Leben lang Musik gemacht, das ist das erste, was ich gelernt habe. Bis Mitte 20 war mein Plan eigentlich, Berufsmusiker zu werden. Das hat dann nicht so geklappt, dann habe ich andere Dinge gemacht."

Die Geburtsstunde von "Taxi Galaxi"

Und diese anderen Dinge bestanden eben, außer dem Führen einer Werbeagentur, vor allem darin, Bestseller zu schreiben. Allerdings hatte er nebenbei stets, sagt er, eine Parallelexistenz als Musikproduzent und Soundtrackbastler für Fernsehen und Hörspiele. Vor fünf Jahren richtete er sich im Keller dann ein Studio ein.

"Eigentlich nur, weil ich endlich mal einen Proberaum haben wollte, in dem ich richtig Krach machen kann. Mein bester Freund ist Drummer und die sind nicht so sozialverträglich, vor allem in Mehrfamilienhäusern", erinnert sich Schätzing. "Und da war der Plan einfach: Jetzt machst du dir mal einen Keller frei, dämmst den schön ab, wie man das früher gemacht hat, mit Eierkartons. Daraus wurde aber dann ein richtiges Studio. Das war im Prinzip die Geburtsstunde des Albums."

Und dann tauchte Frank Schätzing in die Möglichkeiten des modernen Studios ein, bastelte mit digitalen Samples und analogen Effektgeräten, mit Loops und Synthesizern, karrte Bläser und Streicher in den Keller – und machte voller Freude Lärm auf der Gitarre.

Hochkarätige Musiker

Für die schnellen Gitarrenparts holte er einen weiteren Freund ins Boot: Markus Reuter. Der ist Komponist, Gitarrist und war Gitarrenschüler von Robert Fripp, dem Geist von King Crimson. Und er hat doch tatsächlich eine Band zusammen mit dem legendären King-Crimson-Bassisten Tony Levin.

So kommt es, dass Tony Levin auf fünf Stücken des Debütalbums "Taxi Galaxi" von Frank Schätzing mitspielt, was der Autor durchaus zu schätzen weiß: "Natürlich war das wie ein Ritterschlag, ich bin ein großer Tony-Levin-Fan." 

Nun wurde Schätzing übermütig: Weil er für ein paar Stücke auch einen Flügel brauchte, rief er noch den Pianisten an, der immer wieder für David Bowie am Klavier gesessen hatte.

"Mike saß in Los Angeles an seinem Flügel und spielte also zu meinen Songs und klimperte immer dazu rum und sagte: ‚Was meinst du, soll ich das mehr so machen? Oder soll ich’s mehr so machen?‘ Und irgendwann saß ich neben mir und dachte: ‚Was geht denn hier ab? Hier sitzt der kleine Frank aus Köln und sagt dem großen Mike Garson in Los Angeles, wie er zu spielen hat? Wie abgefahren ist das denn?‘" 

Zwischen David Bowie, Artrock und der Gegenwart

Natürlich klingt "Taxi Galaxi" deftig nach David Bowies Berlin-Phase und nach Brian Eno, nach King Crimson und dem Siebziger-Artrock-Plattenschrank – aber eben auch nach heute!

Überflüssig zu sagen, dass Frank Schätzing keine inhaltsleere Tapetenmusik für die Spotify-Playlist spielen will. Eine Botschaft will er mit seiner Musik aber nicht vermitteln: "Nein. Nie. Ich hasse Botschaften! Kunst ist ja kein Klassenzimmer, sondern Kunst ist Braindoping."

Und das Gehirn wird gewaltig gedopt bei diesem Album. Allein schon von den schwindelerregenden Harmoniewechseln, den endlos verschraubten Melodien und der Detailverliebtheit, die man auch dem Science Fiction- und Thriller-Autoren Schätzing nachsagt.

Musik als Herzensprojekt

So knallt einem aus dem Titelstück zum Beispiel ein bunter Teppich aus Star-Trek-Musik und Mellotron-Fetzen, Talking-Heads-Riffs und Loops entgegen – und die Namen Stephen Hawking, Kim Kardashian, Donald Trump und Instagram.

"Es ist ein Herzensprojekt", betont Schätzing noch einmal. "Es ist auch nicht entstanden, um damit Geld zu verdienen oder als zweites Karrierestandbein, sondern ich bin in der glücklichen Situation gewesen, dass ich mir das erlauben konnte, das auf diesem Niveau zu produzieren."

Und dieses Niveau hat Schätzing kompromisslos und mit erstaunlicher Reife für ein Erstlingsalbum kreativ ausgereizt.

Tonart

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