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Tonart | Beitrag vom 12.11.2019

Debütalbum "Calico Soul" von FarafiMusik, ähnlich wie Baumwolle

Joy Tyson und Darlini Singh Kaul im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Darlini Singh Kaul und Joy Tyson von der Band Farafi posieren nebeneinander. (Tal Alkalay)
Die Musikerinnen von Farafi, Darlini Singh Kaul (l.) und Joy Tyson, kommen aus Europa und singen in afrikanischen Dialekten. Ihre Musik vergleichen sie mit einer Pflanze. (Tal Alkalay)

Das Debütalbum "Calico Soul" klingt afrikanisch, die beiden Musikerinnen Joy Tyson und Darlini Singh Kaul stammen aber aus Europa. Ihre Musik verwebe verschiedene Kulturen, sagen sie, und ähnele Baumwolle in einem bestimmten Verarbeitungsstadium.

Matthias Mauersberger: Wenn man Ihre neue CD "Calico Soul" hört, könnte man meinen, Sie kommen aus Afrika. Sie benutzen afrikanische Instrumente, Sie singen auf verschiedenen afrikanischen Dialekten – Zulu, Swahili, Yoruba. Aber Sie kommen beide aus Europa: Joy Tyson, Sie kommen aus Osteuropa, zogen mit 17 in eine kalifornische Community. Darlini Singh Kaul, Sie sind in London aufgewachsen, haben indisch-französische Wurzeln. Wie und wann haben Sie denn die afrikanische Musikkultur für sich entdeckt?

Darlini Singh Kaul: Ich habe afrikanische Musik in Frankreich entdeckt, als ich noch sehr jung war. Dort gibt es eine sehr starke afrikanische Kultur, durch Musik und Tanz.

Joy Tyson: Ich bin in den USA mit Hip-Hop und R&B aufgewachsen, was afroamerikanisch ist. Auf die traditionelle afrikanische Musik bin ich aber durch Capoeira gekommen. Das ist eine afro-brasilianische Kampfkunst, die auch eine musikalische Disziplin enthält. Außerdem ist Capoeira sehr gruppenorientiert, jeder muss singen und Instrumente spielen. Mir hat dieser gemeinschaftliche Ansatz sehr gefallen. Danach habe ich dann meinen ersten Lehrer für afrikanische Musik kennengelernt. Ich habe mit ihm und anderen Westafrikanern in einem Ensemble gespielt. So bin ich das erste Mal mit afrikanischer Musik in Berührung gekommen und danach hat sie mich nicht mehr losgelassen.

Mauersberger: Sie singen zum Teil in einer Fantasiesprache, zum Teil aber auch in verschiedenen afrikanischen Dialekten. Die lernt man ja nicht eben mal im Vorbeigehen – wie haben Sie Dialekte wie Zulu, Swahili, Yoruba gelernt?

Kaul: Wir haben die Dialekte durchs Zuhören gelernt, aber nur, um sie punktuell in unseren Songs einzusetzen. Ich kann diese Sprachen nicht fließend sprechen. Außerdem haben Frankreich und Afrika eine sehr lange gemeinsame Geschichte. Frankreich hatte viele Kolonien in Afrika. Deswegen sprechen auch viele Westafrikaner Französisch. Es gibt also viele Dialekte, die Ähnlichkeiten mit dem Französischen haben. Dadurch war es für mich einfacher, mir diese Töne und Rhythmen anzueignen.

"Multiethnische Stimmung rüberbringen"

Mauersberger: Um die Sache noch ein wenig komplizierter zu machen: Kennengelernt haben Sie sich im indischen Bundesstaat Goa, der ja so ein wenig als Aussteiger- und Hippie-Paradies gilt oder galt. In einem Ort namens Arambol, den Sie beide als "magisch" bezeichnen. Was ist das für ein Ort?

Tyson: In Arambol – und generell in Goa – gibt es schon seit den 60er-Jahren eine Hippie-Szene. Für uns ist der magische Teil an diesem Ort, dass Arambol ein Treffpunkt für Menschen mit unterschiedlichen Abstammungen ist. Dort gibt es ein sehr inspirierendes Umfeld, in dem man mit Leuten aus aller Welt zusammenkommt. In Arambol konnte ich das erste Mal Musik teilen, für die ich mich so begeistert habe. Ich habe viel Unterstützung von der Gemeinschaft bekommen und ähnlich denkende Künstler kennengelernt, wie Darlini. Und noch mehr Künstler, die jetzt auch auf unserem Album sind.

Kaul: Unser erstes Zusammentreffen war ein sehr besonderer Moment. Damals habe ich schon eine Weile in Goa verbracht und kannte Joy noch nicht. Ich habe in verschiedenen Bands gespielt. Aber irgendwann habe ich mich dafür entschieden, alles loszulassen und einfach ich selbst zu sein. Ich habe Rasseln gespielt und alleine afrikanische Lieder gesungen. Mir wurde dann von diesem Mädchen erzählt, das auch afrikanische Lieder singt. Jedoch kam es nicht dazu, dass ich Joy da schon kennenlernen konnte. Sie war neu und noch kein Teil unserer Gemeinschaft. Als ich dann aber realisiert habe, dass sie in meiner Straße wohnt, war das die perfekte Gelegenheit, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Mauersberger: Jetzt ist Ihr erstes Album entstanden: Calico Soul. Und das ist benannt nach einem Stoff aus Südwestindien. Was ist damit gemeint?

Kaul: Kaliko ist eine nicht vollständig verarbeitete Baumwolle. Unsere Musik hat ähnliche Eigenschaften. Wir versuchen, so authentisch und einfach zu sein, wie möglich. Außerdem verweben wir verschiedene Kulturen miteinander. Joy und mir war es sehr wichtig, diese multiethnische Stimmung rüberzubringen. Natürlich kann man auf dem Album afrikanische Musik hören, aber genauso gut westliche Musik oder indische Rhythmen. Es gibt einfach dieses multikulturelle Gefühl.

Mauersberger: Die Songs leben sehr von Ihrem zweistimmigen Gesang, der sich wunderbar ergänzt und harmonisch verzahnt. Aber Sie werden auch von einer Band begleitet – Schlagzeug, Bass, Gitarre. Ist Farafi trotzdem ein Duo, oder sind Sie zu einer Band geworden?

Tyson: Wir sind beides. Ohne uns würde es keine Band geben, wir sind also das entscheidende Element. Die Band hat aber eine große Rolle in unserer Geschichte gespielt – wenn es ums Komponieren geht oder allgemein darum, als Duo und Band zu wachsen.

"Zusammen sind wir mutig"

Kaul: Wir haben zu zweit angefangen, als Joy und Darlini. Es war wunderschön, wenn unsere Stimmen zusammentrafen. Und das hat andere Leute dazu motiviert, sich uns anzuschließen und uns zu unterstützen. Wir haben so eine Familie erschaffen. Es geht nicht nur um Musik und ein Album, es geht darum, auf einer tiefen Ebene Verbindungen mit anderen Menschen aufzubauen.

Mauersberger: Auf dem Album "Calico Soul" finden sich ja rein perkussive Stücke, aber auch Akustik-Balladen wie "Sembere" und "Djana Wofu", ein "female warrior chant", ein Gesang der Kriegerinnen. Was ist das für ein Stück?

Kaul: Es geht um eine Situation, die Frauen betrifft, aber nicht nur. Es ist vielmehr eine allgemeine Situation in unserer Gesellschaft, in der sich Menschen wehren. Und das passiert gerade auf der ganzen Welt. Die Leute halten zusammen. Dieser Song sagt genau das aus: Zusammen sind wir mutig, zusammen können wir uns wehren. Wir müssen keine Angst haben vor bestimmten Regierungen oder Gesellschaften, die uns Meinungen aufdrücken wollen.

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