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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.08.2015

Debatte um Zuwanderung "Integration ist ein zweiseitiger Prozess"

Andreas Zick im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Der Konfliktforscher Andreas Zick ist Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)
Der Konfliktforscher Andreas Zick ist Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

Integration bedeute heute nicht mehr nur Anpassung an eine deutsche Leitkultur, sagt der Konfliktforscher Andreas Zick. Es handele sich vielmehr um einen zweiseitigen Prozess. Doch es fehlten die nötigen Konzepte für eine große Zuwanderung von Flüchtlingen.

Für die große Zuwanderung von Flüchtlingen gebe es in Deutschland bisher keine Konzepte, kritisierte Andreas Zick im Deutschlandradio Kultur. Er ist  Sozialpsychologe und Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt und Gewaltforschung der Universität Bielefeld:

"Das hießt, es kommt zu vielen Konflikten an Unterkünften, in Unterkünften, drum herum. Da brauchen wir bessere Konzepte. Wir kapieren jetzt, dass konzentrierte Unterbringung die Integration wenig befördert. Dezentrale Unterbringung verbessert die Integrationsprozesse: Schnell in die Arbeit, schnell in die Schulen und so weiter. Das lernen wir erst langsam."  

Zick verwies auf einen Zugewinn an Wissen und Erfahrung der letzten 40 Jahren. Beim Thema Flucht und Asyl habe man inzwischen verstanden, dass Integrationsprozesse schon an der Grenze stattfinden würden. So wollten etwa alle nach Deutschland kommenden Migranten schnell die deutsche Sprache lernen.

Das Bild von "Dunkel-Deutschland" hilft nicht weiter

 Mittlerweile habe man auch erkannt, dass Integration nicht als Einbahnstraße zu verstehen sei, meinte Zick, auch Vorstandsmitglied im Rat für Migration:

"Unser altes Assimilationskonzept, was wir 35 Jahre lang hatten - also Integration ist Anpassung an eine deutsche Leitkultur, an so etwas wie eine homogene Gesellschaft -  da haben wir gelernt: Nein, das ist ein zweiseitiger Prozess."

Das Bild vom ausländerfeindlichen "Dunkel-Deutschland helfe in der Diskussion nicht weiter, sagte Zick. Man müsse vielmehr definieren, was genau in diesem Teil Deutschlands verdunkelt werde:

"Dort, wo die Vorurteile  stark sind, bremst das unmittelbar Integration aus. Das Problem ist: Wenn Sie daran glauben, dass Zuwanderer eine Belastung sind, dass wir jetzt Fluten und Massen haben, wenn Sie glauben, dass die Zuwanderer kommen, um uns wirtschaftlich auszunutzen, dann erzeugt das Vorurteil die Handlung. Dann werden Sie sich abschotten."

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