Seit 15:05 Uhr Tonart
Montag, 14.06.2021
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 24.03.2017

Debatte um Umformulierung des Pressekodex"Ich verstehe die Aufregung nicht"

Heribert Prantl im Gespräch mit Stephan Karkowsky

NorwegischeJournalisten sitzen in einem Großraum-Büro vor ihren Computern (Deutschlandradio / Jana Sinram)
Redaktion bei der Arbeit. Wann sie Täterherkunft und -religion in der Kriminalberichterstattung nennen darf, muss sie im Einzelfall abwägen. (Deutschlandradio / Jana Sinram)

Bei begründbarem öffentlichen Interesse darf die Herkunft eines Straftäters in der Berichterstattung genannt werden, so der umformulierte Pressekodex. Die Debatten laufen nun heiß. Unbegründet, meint der Journalist Heribert Prantl. An der Rechtslage habe sich nichts geändert.

Dürfen Nationalität und Religion von Straftätern in der Berichterstattung genannt werden? Laut Pressekodex des Deutschen Presserats war dies bislang nur im Fall eines "begründbaren Sachbezugs" gestattet. Doch jetzt wurde die Passage umformuliert: "Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden", heißt es nun, es sei denn, es bestehe "ein begründetes öffentliches Interesse."

Über diese Umformulierung wird nun rege diskutiert (mehr dazu hier): Der Presserat mache einen Kotau vor dem rechten Milieu, heißt es mitunter.

Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung". (Imago / Sven Simon)Im Gespräch: Heribert Prantl von der "Süddeutschen Zeitung" (Imago / Sven Simon)

An der Rechtslage hat sich nichts geändert

Der ehemalige Richter und SZ-Journalist Heribert Prantl hält diese Kritik im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur allerdings für überzeichnet. Die Aufregung sei unbegründet. Herkunft und Religion werden auch künfitg nur in absoluten und begründbaren Ausnahmefällen genannt, sagt er:

"Ich verstehe eigentlich die Aufregung gar nicht richtig. Der Presserat ist nicht der Gebrechlichkeitspfleger der Redaktionen. An der Rechtslage hat sich nichts geändert. Es wurde nur neu formuliert. … Nach wie vor bleibt es so, dass es keinen Schematismus gibt, dass man im Einzelfall abwägen muss."

Der Leser dürfe auch weiterhin nicht vor der Wahrheit beschützt werden, so Prantl. Dies erfordere aber redaktionelle Sorgfalt. Zur Wahrheit zähle schließlich auch, dass sich Straftaten nicht in erster Linie aus der Herkunft des Täters erklären lassen. Problematisch ist für Prantl eher das Verhalten der Polizei, die seit den Silvester-Ausschreitungen in Köln häufig die Nationalität nenne: "Das verstößt gegen das Grundgesetz", so Prantl im Deutschlandradio Kultur.

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

"Sweat"-Ausstellung in MünchenDer Schweiß der Revolte
Buntes Textibild, das vom Leben der Sexarbeiterinnen in Manila erzählt. (Pacita Abad Art Estate / Max McClure)

Die Ausstellung „Schweiß“ im Haus der Kunst in München thematisiert die Widerstandskraft von Körpern. Dabei wird vor allem die postkoloniale Perspektive in den Blick genommen, aber auch der Kampf der Körper in feministischer Kunst der 70er-Jahre.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur