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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 17.05.2019

Debatte um Kopftuchverbot an Grundschulen"Ein Gesetz ist die falsche Herangehensweise"

Jenni Zylka im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Grundschülerinnen arbeiten am Computer im Computerraum. (picture alliance / imageBROKER / Siegfried Kuttig)
Grundschülerinnen arbeiten am Computer im Computerraum. (picture alliance / imageBROKER / Siegfried Kuttig)

Ein Kopftuchverbot für Grundschülerinnen hält die Autorin Jenni Zylka für wenig sinnvoll. Ein solches Gesetz würde eine notwendige gesellschaftliche Debatte beenden und zudem das Kopftuch-Tragen kriminalisieren.

In Deutschland gibt es kein generelles Verbot für muslimische Schülerinnen, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Wiedmann-Mauz, CDU, will ein solches nun prüfen lassen.

Betroffen wären mehrere im Grundgesetz verankerte Schutzbereiche. Auf der einen Seite haben die Mädchen ein Recht auf Glaubensfreiheit. Zudem dürfen Eltern die Erziehung ihrer Kinder in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht bestimmen. Dem gegenüber steht das Recht des Staates, den Unterricht inhaltlich und didaktisch zu gestalten.

Nach Ansicht des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages wäre ein generelles Kopftuchverbot für Schülerinnen wohl nicht gerechtfertigt.

Kippa ja - Kopftuch nein?

"Ein Gesetz ist in dieser Diskussion eine falsche Herangehensweise", sagte die Autorin Jenni Zylka im Deutschlandfunk Kultur. Sie befürchtet, dass ein Verbot die Diskussion über das Thema beendet - anstatt sie zu öffnen. Zylka sagte, sie selbst würde gern verstehen, warum das Kopftuch getragen wird: "Das hat mir noch keiner erklären können.

Problematisch sei ein Verbot auch im Hinblick auf den Umgang mit anderen religiösen Symbolen - etwa wenn diese erlaubt blieben. Bei dem Kopftuch-Verbot, das gerade in Österreich verabschiedet wurde, sei die Kippa ausgenommen worden.

Verbot kriminalisiert das Kopftuch

Mit einem Verbot gehe zudem einher, dass das Kopftuch-Tragen kriminalisiert wird, beklagte Zylka. Das Thema müsse hingegen gesamtgesellschaftlich angegangen werden und im Diskurs bleiben: "Ich würde, wenn ich Lehrerin wäre und in meine Grundschulklasse ein Mädchen mit Kopftuch käme, das Thema sofort in meinen Unterricht aufnehmen", sagte die Journalistin. 

(huc)

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