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Lesart | Beitrag vom 10.03.2021

Debatte um Gorman-ÜbersetzungDie Welt weiten

Patricia Klobusiczky im Gespräch mit Joachim Scholl

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Eine schwarze junge Frau in einem weißen Pullover, ihr Gesicht wird von schwarzen Flechtzöpfen gerahmt. Sie hat beide Zeigfinger erhoben und schaut entschlossen. (ZUMA Wire)
Amanda Gorman: Als ihre Texte von einer weißen Niederländerin übersetzt werden sollten, rief das Widerstand hervor. (ZUMA Wire)

Darf eine schwarze Literatin von einer weißen Übersetzerin in eine andere Sprache übertragen werden? Die Übersetzerin Patricia Klobusiczky über die Gorman-Debatte, Teilhabe und verschiedene Lebenswelten.

Seit vergangener Woche beschäftigen sich die Feuilletons intensiv mit der Übersetzung von Lyrik. Die niederländische Übersetzerin Marieke Lucas Rijneveld war davon abgerückt, das Aufsehen erregende Inaugurations-Gedicht der US-Amerikanerin Amanda Gorman – vorgetragen bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden – aus dem amerikanischen Englisch zu übertragen. Eine schwarze Aktivistin hatte zuvor moniert, dass eine weiße Übersetzerin hier fehl am Platz sei.

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Für Patricia Klobusiczky, die unter anderem die simbabwische Autorin Petina Gappah übersetzt, kommt die Aufregung eher überraschend: "Es ist eine kleine Ironie, dass ausgerechnet in einem Bereich, wo die Akteure unterbezahlt und unsichtbar sind, die Frage nach Teilhabe und Repräsentation plötzlich so laut wird. Aber ich glaube, das ist gerade doppelt gut."

Welt weitet sich durch Literatur

Sie selbst sei sich nicht sicher, ob Fragen der Herkunft in der Literatur eine so große Rolle spielten, so Klobusiczky. Literatur sei Berufung und Übersetzen so etwas wie ein Akt der Empathie. Das Übersetzen der Werke von Petina Gappah habe ihr "ein Universum" eröffnet, betont Klobusiczky.

Mit jeder Übersetzung weite sich ihre Welt – und das gebe sie an die Leserschaft weiter: "Bei der Vorstellung, ich dürfte künftig nicht mehr Autorinnen und Autoren übersetzen, die ganz anderen Lebenswelten entstammen und eine ganz andere Geschichte in sich tragen – da könnte ich diesen Beruf gar nicht mehr ausüben."

(huc)

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