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Zeitfragen | Beitrag vom 12.08.2020

DDR-Tondokumente von 1990Ein Land bricht auf

Zusammengestellt von Winfried Sträter

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Grossmutter und Enkel essen Eis in einem als Sitzbank hergerichteten ausrangierten Trabant. (akg-images / Matthias Lüdecke)
1990, das Jahr, in dem in der DDR alles anders wurde. Für ein Eis blieb aber auch damals im Trubel noch Zeit. (akg-images / Matthias Lüdecke)

Sommer 1990: Die Währungsunion ist da. Ost und West lernen einander kennen. Ein DDR-DJ legt Westplatten auf, Westdeutsche besichtigen marode Gebäude im Osten. Es herrscht Aufbruchstimmung - und man diskutiert: Wie geht es jetzt weiter?

Die DDR ist ein Land im Umbruch. Die D-Mark ist eingeführt, der Westen kann bereist werden und umgekehrt. Westdeutsche können die fremde Welt hinter dem ehemals Eisernen Vorhang kennenlernen. Die alte und die neue Zeit vermischen sich.

Keine Ost-Quote mehr für den DJ

Ein Discjockey legt im Operncafé Unter den Linden in Berlin Platten auf. Jetzt muss er keine Ost-West-Quote mehr beachten, er kann spielen, was er will. Aber sein Job ist noch ein anderer als der seiner Kollegen im Westen, erfahren wir in einer DLF-Reportage von Andrej Grabowski aus dem Jahr 1990.

Verfallene Bauten

Wenige Meter weiter steht im Zentrum Berlins der Palast der Republik, der ums Publikum und schon 1990 um seine Zukunft kämpft. In unserer Reportage hören wir einen Veranstalter, der sich sicher ist: Als Kulturzentrum habe dieser Ort eine große Zukunft. Wie wir heute wissen, kommt alles anders.

Und wer 1990 durch die DDR reist, sieht fortschreitenden Verfall. In Städten und Dörfern sind die Bauten in einem oftmals katastrophalen Zustand. Ein Beispiel: die alte Stadt Görlitz an der polnischen Grenze, die Uwe-Eckart Böttger 1990 für den Deutschlandfunk besucht hat.

Ein Land diskutiert – wie geht es weiter?

Die DDR 1990 – ein Land im Umbruch. Seit dem Winter 1989/90 ist zuvor Unvorstellbares Alltag geworden. Bürgerinnen und Bürger verhandeln an Runden Tischen auf Augenhöhe mit den Vertretern des Staates politische Fragen. Es ist ein Vorgeschmack auf den demokratischen Alltag nach den Wahlen – die Mühen der Ebene haben begonnen. Der Deutschlandfunk-Reporter Hans-Jürgen Fink verfolgt in der DDR-Provinz, in Quedlinburg, wie der Alltag eines Runden Tisches 1990 aussieht.

Außerdem blickt in diesem Sommer 1990 der Schriftsteller Erich Loest schon mal in die nahe Zukunft: Im Herbst sollen die ersten Landtage gewählt werden. Wer wird kandidieren? Loest misstraut den Westimporten.


Die weiteren Beiträge unserer Reihe "Tondokumente aus dem Jahr der deutschen Einheit":

05.08.2020, ab 19:30 Uhr
"Dieser Aufbruch kam wohl um Jahre zu spät" - Wie Literaten und Feuilleton diskutierten
Zusammengestellt von Winfried Sträter - hier zum Nachhören

19.8.2020, ab 19:30 Uhr
Das Finale in der Volkskammer – Wie das DDR-Parlament das Ende der DDR besiegelte
Zusammengestellt von Susanne Arlt

26.08.2020, ab 19:30 Uhr
Ein Toast auf alle Frauen! – Wie in der DDR 1990 über Gleichberechtigung diskutiert wurde
Zusammengestellt von Constanze Lehmann

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