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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.09.2018

DAU-Veranstalter zur Absage"Keine Verschiebung, weder zeitlich noch räumlich"

Thomas Oberender im Gespräch mit Britta Bürger

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Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, eröffnet die Pressekonferenz zum diesjährigen Theatertreffen. Das 55. Theatertreffen zeigt vom 4. bis zum 21. Mai bemerkenswerte Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.  (dpa / picture alliance)
Thomas Oberender kämpft weiter für das Mauerbauprojekt "DAU". (dpa / picture alliance)

Hauptstadtposse oder Fehlplanung? Das DAU-Projekt in Berlin wurde heute abgesagt - ohne offizielles Schreiben. Dieses soll am Montag in der Post sein. Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, gibt sich aber noch lange nicht geschlagen.

Das in Berlin geplante Projekt "DAU Freiheit" des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky hält auch Fazit auf Trab. Die Bezirksverwaltung und die Senatsumweltbehörde haben heute früh vor der Presse das Projekt abgesagt. Die Veranstalter - darunter die Berliner Festspiele - hatten zu diesem Zeitpunkt nur eine abschlägige E-Mail der Verkehrslenkung Berlin erhalten, keine offizielle, schriftliche Absage.

Thomas Oberender erklärte im Deutschlandfunk Kultur, man prüfe noch alle Wege und Möglichkeiten, dieses Projekt zu realisieren, da die benannten Probleme lösbar seien. "Die, die das Projekt eingereicht haben, sind professionelle Veranstalter. Das ist alles so komplex und groß, dass das tatsächlich nicht nur für die Behörden eine Herausforderung ist, sondern auch für uns, aber es ist machbar. Jetzt schauen wir, wieviel Zeit man uns noch gibt und wieviel Überzeugungskraft wir noch aufbringen können."

"Offene Punkte sind lösbar"

Oberender erklärte zudem, dass die Absage "mit einem Hinweis auf sechs Punkte, die tatsächlich lösbar sind", angekündigt worden sei. Beim geplanten Projekt handle es sich nicht, wie immer wieder gesagt wird, um ein Großevent in der Dimension eines Kirchentages oder einer Fanmeile: "Wir haben ein Veranstaltungskonzept ursprünglich für 23.000 Besucher am Tag gemacht. Jetzt sind es 4.000 am Tag. Also keine Massenveranstaltung. Wenn eine Behörde einen Antrag annimmt, dann ist das eine Entscheidung für die Entscheidbarkeit eines Antrags, sonst nimmt man ihn nicht an."

Vertrauen zurückgewinnen

Die Frist war vereinbart bis zum 28. September. Ein bisschen versuchen wolle man es noch. Es seien einfach "zu tolle Künstler und ein zu außergewöhnliches Konzept", erklärte der Intendant der Berliner Festspiele. In dieser einen Woche wolle man auf Fragen der Behörden und der Friedrichwerderschen Kirchengemeinde reagieren und insgesamt "Vertrauen zurückgewinnen, das nicht durch unser Einwirken erschüttert wurde." Die wenige Zeit werde also noch gebraucht.

Der Mauerbau in Berlin im August 1961. (picture alliance / dpa)"Es gibt keine mildernden Umstände, wenn man in Berlin die Mauer wieder aufbauen will", erklärte Thomas Oberender. (picture alliance / dpa)

Oberender berichtete zudem, dass es von den zehn Ämtern, die sich mit dem Projekt beschäftigen, auch eine Menge Zusagen gegeben habe. "Nur vereinzelte Stimmen sagen: Es geht nicht." Dass es noch einzelne Fragen gebe, sei ganz normal bei einem Projekt dieser Größenordnung.

"Zur Geisel geworden"

Dabei könne es jedoch vorkommen, "dass man zur Geisel wird für Spannungen zwischen unterschiedlichen Behörden und sich dann auch was entlädt, was das Projekt nicht verursacht hat." Oberender ist sich bewusst, das "es keine mildernden Umstände gibt, wenn man in Berlin die Mauer wieder aufbauen will." Die Unterstützerliste sei aber länger als die der Gegner. "Die Ambivalenz, die das Projekt erzeugt, tut uns gut. Wir streiten über Geschichte und über Kunst. Das ist wertvoll für alle."

"Sagenhaftes künstlerisches Projekt"

Bei einer finalen Absage werde es jedoch keine Verschiebung geben, erklärte Oberender, weder zeitlich noch räumlich. "Für uns ist das ein großes Gastspiel, das wir einladen und in Berlin durchführbar machen." Es sei "keine Kleinigkeit und sehr schmerzhaft, wenn das jetzt ins Leere geht - nicht in der Dimension von finanziellem Verlust, sondern vor allen Dingen ist das dann ein großes Scheitern eines sagenhaften künstlerischen Projekts."

Kulturpresseschau

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