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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.01.2019

"DAU"-Fan Thomas Oberender"Das ist kein vergebenes Geld"

Moderation: Andrea Gerk

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Nachbildung eines Schlafzimmers zur Zeit der Sowjetunion - Teil des Kunstevents "Dau" in Paris (Sabine Glaubitz/dpa)
Nachbildung eines Schlafzimmers zur Zeit der Sowjetunion - Teil des Kunstevents "Dau" in Paris (Sabine Glaubitz/dpa)

Erst in Berlin abgelehnt, jetzt in Paris bei der Kritik durchgefallen: Das Kunstprojekt "DAU" steht unter keinem guten Stern. Dennoch sei das Geld gut investiert, meint Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele − schon allein wegen der Filme.

Das vom Berliner Senat abgelehnte Kunstprojekt "DAU" muss nun auch in Paris mit Problemen kämpfen. Man warte noch auf eine Genehmigung der Präfektur, die es erlaube, das Théâtre du Châtelet als Spielort zu öffnen, teilten die Organisatoren am Montag mit. Die Entscheidung werde wohl in den nächsten Tagen fallen, hieß es. Darum finde vorerst das "DAU" im Théâtre de la Ville und dem Centre Pompidou statt.

Zuvor hatte in Paris schon die Weltpremiere des Events am vergangenen Donnerstag um einen Tag verschoben werden müssen, und zwar "aus technischen Gründen", wie es hieß . 

Bei dem Kunst-Event handelt es sich um ein Großprojekt des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky. Anhand von Filmen und mit aufwendigen Inszenierungen führt es Besucher in das Leben und Wirken des russischen Physik-Nobelpreisträger Lew Landau (1908-1968) und in die Stalin-Ära.

In Berlin keine Genehmigung durch die Behörden

Das Projekt "DAU" hatte im vergangenen Herbst auch in Berlin stattfinden sollen, dabei alledings mit einem anderen thematischen Schwerpunkt. Hier war der Nachbau eines Teils der Berliner Mauer geplant. Die Berliner Behörden verweigerten dem Vorhaben jedoch die Genehmigungen. 

Für den Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, Verfechter des Projekts und auch auch Streiter für die damals abgelehnte Aufführung des "DAU" in Berlin, war zwar die Eröffnung in Paris ein Fehlschlag, das gesamte Projekt aber keinesfalls.

Oberender begründet dies damit, dass er in Paris sehr gut hinter die Kulissen habe blicken können, sehr viele interessante Aspekte habe entdecken können, leider nur habe vieles nicht fertig gestellt werden können vor der Eröffnung oder habe auch nun noch keine Genehmigung der Behörden bekommen.

Auch verteidigt Oberender die Entscheidung gleich mehrerer Träger, Geld in das Projekt zu investieren:

"Viele der Partner haben ja ein Projekt in Aussicht, denn viele der Filme des Projekts sind fertig geschnitten, werden sicher auch in die Kinos kommen, das ist kein vergebenes Geld."  

Die Veranstaltungen des "DAU" dauern in Paris noch bis zum 17. Februar. Danach soll es dann in London zu sehen sein.

Probleme für die "Reise zurück in die Sowjetunion"

Für die Organisatoren geht es derzeit in Paris etwa noch um Genehmigung der Pariser Präfektur, das Théâtre du Châtelet für eine "Reise zurück in die Sowjetunion der Jahre 1938 bis 1968" zu öffnen. So lange findet das "DAU" im Théâtre de la Ville und dem Centre Pompidou statt.

Im Théâtre du Châletet sollen viele der Filme gezeigt werden, die ein wichtiger Teil des Projekts des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky sind. Ursprünglich wollte der 43-Jährige auch eine Brücke errichten, um die beiden Theaterhäuser miteinander zu verbinden, die sich am Place du Châtelet direkt gegenüberliegen. Doch dafür hatte er schon im Vorfeld nicht die Genehmigung erhalten.

Bislang können Besucher etwa Logen und Büros, die im Dekor der Sowjetunion gestaltet sind, begutachten, also etwa rot gestrichene Wände, Stalinporträts, sowjetische Pässe, die auf Arbeitstischen liegen, und Gefängnisbetten.

In einem der Räume des Théâtre de la Ville hängen Sadomaso-Peitschen an der Wand und steht eine aufblasbare Puppe in der Ecke. Dazwischen stößt man auf mit Silberfolien verdeckten Kabinen, in denen Rabbiner, Priester und Sexologen den Besuchern Beistand auf der Zeitreise leisten sollen.

(sru)

Reaktionen bei den Parisern auf die Eröffnung hat Eberhard Spreng gesammelt:

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