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Literatur / Archiv | Beitrag vom 09.06.2013

Dasein als Staffage

Zur literarischen Inszenierung der "Zigeuner"

Von Beate Ziegs

Brunnen in einer Roma-Siedlung in Rankovce bei Kosice, Slowakei ( picture alliance / Robert B. Fishman, ecomedia)
Brunnen in einer Roma-Siedlung in Rankovce bei Kosice, Slowakei ( picture alliance / Robert B. Fishman, ecomedia)

Sie sind faul und dreckig; sie stehlen und lügen; sie sind asozial und entführen kleine Kinder - das sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die sogenannten Zigeuner in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Vorurteile gegenüber Sinti und Roma finden sich bei Goethe genauso wie in aktuellen literarischen Texten.

Dabei beruhen diese (Feind-)Bilder selten auf persönlichen Erfahrungen. Aus der Luft gegriffen sind sie dennoch nicht, denn sie sind Bestandteil eines kulturellen Erbes, zu dem Dichtergrößen wie Goethe, Brentano, Hesse oder Hauptmann erheblich beigetragen haben. Ihre literarischen Konstruktionen von ›Zigeunern‹ kommen für den Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal nicht selten einer ›Lizenz zum Töten‹ gleich.

Obwohl die künstlerischen Imaginationen die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma mit vorbereitet und oft gerechtfertigt haben, werden sie bis heute nahezu unkritisch weitergegeben. Auch Günter Grass, der sich immer wieder gegen den Antiziganismus engagiert hat, oder Andrzej Stasiuk lassen sich in ihren Werken mehr von ihren Wunschvorstellungen inspirieren als vom wirklichen Leben der Sinti und Roma.


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