Freitag, 19.07.2019
 

Tonart | Beitrag vom 11.03.2019

Das muss man gehört haben - oder auch nichtMusikalische Kostbarkeiten - wiederveröffentlicht

Von Uwe Wohlmacher

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Der Musiker Ian Hunter & The Rant Band im Berliner Quasimodo (imago / Heinrich Popeye)
Auch "You're Never Alone With a Schizophrenic" von Ian Hunter wird neu aufgelegt. (imago / Heinrich Popeye)

50 Jahre nach Erstveröffentlichung erlischt das Copyright, wenn ein Werk nicht neu aufgelegt wird. Deshalb werden nun einige Platten neu herausgebracht - wie von Barbara Howard, Ian Hunter und David Sylvian.

Barbara Howard "On The Rise"

Für die Soulsängerin Barbara Howard begann ihre kurze Karriere mit Steven Reece, der in in den späten 1960er-Jahren in Cincinnati aufstrebenden Künstlern Starthilfe gab und in diesem Zusammenhang die junge Sängerin entdeckte. Stimmlich zwischen Diane Warwick und Diana Ross angesiedelt, nahm er Barbara Howard unter Vertrag, schrieb ihr einige Songs und stellte ein paar Coverversionen zusammen. Um ihre Platte 1969 veröffentlichen zu können, gründete er sogar ein kleines Label, presste 500 Platten und wartetet auf Reaktionen. Doch weder die drei ausgekoppelten Singles noch das Album "On the Rise" verkauften sich nennenswert. Und dabei blieb es.

"On the Rise" ist die einzige Veröffentlichung einer hochtalentierten Soulsängerin, die anstatt einer Karriere ihren Produzenten heiratete und drei Kinder großzog. Die Platte von Barbara Howard wird seitdem zurecht als Kleinod des Soul gesucht und versiegelte Originalpressungen gingen in den USA schon mal für lockere 250 Dollar über den Tisch. Jetzt wurde die Platte in farbigem Vinyl wiederveröffentlicht und damit endlich für jeden Soulfan preiswert zugänglich. Reinhören, es lohnt sich!

Ian Hunter "You're Never Alone With a Schizophrenic"

Ian Hunter war von 1969 bis 1974 Sänger der englischen Rock-Band Mott The Hoople, der mit dem David Bowie Song "All The Young Dudes" der internationale Durchbruch gelang. Dennoch startete Hunter 1975 mit Unterstützung des ehemaligen Bowie-Gitarristen Mick Ronson eine Solokarriere, die allerdings erst schleppend in Gang kam. Doch als er im April 1980 die Bühne der sechsten WDR-"Rockpalast"-Nacht enterte, eroberte er das deutsche Publikum im Sturm. Kurz zuvor hatte er sein erstes Album "You’re Never Alone With A Schizophrenic" veröffentlicht, das jetzt, 40 Jahre später, wiederveröffentlicht wird.

Das Album, das jetzt in einer Anniversary Edition als Doppel-CD erscheint, enthält 28 Songs, darunter vier Bonus-Titel und ein komplettes Live-Album, dessen Aufnahmen aus Konzerten im Londoner Hammersmith Odeon, dem kalifornischen Berkeley und Cleveland zusammengestellt wurden. Ein Grund für diese Wiederveröffentlichung könnte eine geplante Mott The Hoople-Comeback-Tour im April durch die USA sein. Das Gesamtwerk der Gruppe wurde bereits im vergangenen Jahr in einer aufwändigen Box in die Läden gestellt. "You’re Never Alone With A Schizophrenic", das beste und bis heute erfolgreichste Soloalbum von Ian Hunter, ist dazu eine sehr hörenswerte Ergänzung.

David Sylvian "Brilliant Tree", "Alchemy", "Gone To Earth" und "Secrets of The Beehive" 

David Sylvians Name steht seit Mitte der Achtzigerjahre für sensible Musik, die in ihrer Mischung aus Jazz, New Age, experimentellem Pop und fernöstlichen Einflüssen einzigartig ist. Meditativ und schwebend verliert sich der Hörer in der subtilen musikalischen Welt Sylvians, der mit wunderschönen Arrangements fernab von jeder Format-Radiotauglichkeit zeitlos schöne Musik von meditativer Sinnlichkeit entwickelt hat.

Nach der Trennung von Japan 1982 sorgte David Sylvian durch seine Zusammenarbeit mit dem Soundkünstler Ryuichi Sakamoto, dem deutschen Avantgardemusiker Holger Czukay sowie dem englischen Experimentalgitarristen Robert Fripp bei Kritikern und Musik-Gourmets auf seinen Soloplatten für Furore. Jetzt werden die ersten vier Alben von David Sylvian zum ersten Mal auf 180 Gramm schwerem Vinyl veröffentlicht. Die Musik hat auch Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung nichts von ihrer sinnlichen Strahlkraft verloren. Alle vier Alben gehören zum Besten, was die englische Musikszene bis heute zu bieten hat.
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