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Kompressor | Beitrag vom 02.01.2019

Das letzte Bundesarchiv-Kopierwerk vor dem AusDigitalisierung ist nicht immer die Lösung

Dirk Alt im Gespräch mit Timo Grampes

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Film, Filmrolle, Kino, Filmprojektor, Zelluloid (dpa / picture alliance )
Es gibt kein vergleichbar haltbares digitales Speichermedium für Film, sagt der Filmhistoriker Dirk Alt, der für den Erhalt des analogen Rohfilms kämpft. (dpa / picture alliance )

2019 schließt das letzte Kopierwerk des Bundesarchivs für analoges Filmmaterial. Für den Historiker Dirk Alt ist das Ausdruck eines "verhängnisvollen Trends" zur Digitalisierung - obwohl es kein Modell zur Langzeitspeicherung digitaler Daten gebe.

Alles, was digitalisiert werden kann, soll auch digitalisiert werden. So will es die Bundeskanzlerin. Aber ist Digitalisierung wirklich immer die beste Lösung? Im Archivwesen könnte sie sich auch als "verhängnisvoller Trend" erweisen. Das meint zumindest der Filmhistoriker Dirk Alt.

Denn digitale Speichermedien hätten eine wesentlich kürzere Lebensdauer.

Zum Beispiel bei Filmmaterial:"Die Probleme, und das werden Ihnen auch die IT-Spezialisten vom Fraunhofer-Institut bestätigen, besteht darin, dass wir zurzeit eben noch kein Langzeitmodell für die Speicherung digitaler Daten haben, das auch nur ansatzweise so verlässlich wäre wie der jetzige Kino-Rohfilm mit Polyesterunterlage, der seit den 1990er-Jahren gebräuchlich ist", sagt Alt.

"Der hält unter unklimatisierten Bedingungen 100 Jahre. Diese Haltbarkeit können Sie dann unter Archivbedingungen je nach Quelle auf 300 bis 1000 Jahre erhöhen."

Letztes Kopierwerk des Bundesarchivs vor dem Aus

Dennnoch will das deutsche Bundesarchiv im Laufe des Jahres auch sein letztes Kopierwerk für analoges Filmmaterial in Berlin-Hoppegarten schließen. Dagegen kämpft Alt gemeinsam mit anderen Filmexperten und erfährt dabei auch Unterstützung von der Politik, , wie er sagt. Namentlich von den medienpolitischen Sprechern der Grünen und der Linken, neuerdings auch von der AfD.

Grenzen und Unwägbarkeiten des Digitalen

Doch auch die Opposition im Bundestag habe bisher keine "breite öffentliche Diskussion über die Grenzen und die Unwägbarkeiten des Digitalen" angestoßen, bedauert der Filmhistoriker. "Denn das betrifft letztlich nicht nur das Filmerbe, sondern die Gesamtheit unserer kulturellen Überlieferung, soweit diese entweder in digitale Formate überführt wird oder genuin digital vorliegt."

Natürlich verbessere die Digitalisierung der Archivbestände deren Zugänglichkeit für die Benutzer, räumt Alt ein. "Die Frage ist nur: Was ist wichtiger – komfortabler Zugang zu Kulturdokumenten oder deren dauerhafte Erhaltung?"

(uko)

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