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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 16.10.2016

Das Leben opfernJózsef Mindszenty und der Ungarnaufstand

Von Gunnar Lammert-Türk, Berlin

Der Kopf eines gestürzten Stalin-Denkmals auf der Straße. Am 23. Oktober 1956 fielen bei einer zunächst friedlichen Kundgebung in Budapest erste Schüsse. Arbeiter, Studenten und Jugendliche bewaffneten sich und nahmen den Kampf gegen die einrückenden sowjetischen Truppen auf. (picture-alliance / dpa / UPI)
Ungarn-Aufstand im Herbst des Jahres 1956 (picture-alliance / dpa / UPI)

Beim Volksaufstand 1956 in Budapest protestierten die Bevölkerung gegen die Einparteiendiktatur. Die Demonstranten schöpften kurzfristig Hoffnung, als eine Mehrparteienregierung eingesetzt wurde. Auch das Oberhaupt der Katholischen Kirche Ungarns, Kardinal József Mindszenty, wurde aus dem Gefängnis befreit.

Ein Reporter des RIAS meldet am 1. November  1956 Aktuelles zur Situation in Ungarn:

"Hier, an einer Ecke Budapests, ich weiß den Namen nicht mehr, es ist ein ungarischer Name, den man schwer behalten kann, hier haben sie die Reste des Stalindenkmals hergeschleppt, und da sind die Budapester Bürger dabei, mit Sägen und mit Feilen das, was von diesem Stalindenkmal übrig geblieben ist, zu zersägen und zu zerschlagen."

1. November 1956 in Budapest. Wenige Tage zuvor ist in Ungarns Hauptstadt die fast zehn Meter hohe Stalinfigur von ihrem Sockel geholt worden. Indem sie Stalins Skulptur zerstören, machen die Menschen deutlich, dass sie das bisherige System ablehnen. Ihre Erbitterung gilt auch dem geflohenen Mátyás Rákosi, dem langjährigen Regierungschef, der sich selbst als "Stalins besten ungarischen Schüler" bezeichnet hat.

"Niemandem gegenüber habe ich Hass im Herzen"

Ihre Hoffnung setzen sie auf den Reformkommunisten Imre Nagy, der auf Druck des Volkes in der Nacht vom 23. zum 24. Oktober als Ministerpräsident eingesetzt wurde. Am 30. Oktober hat er eine neue, eine Mehrparteienregierung, eingesetzt. Am selben Tag wurde das Oberhaupt der Katholischen Kirche Ungarns, der in großen Teilen des Volkes verehrte Kardinal József Mindszenty, befreit. Nach sieben Jahren Gefängnisaufenthalt und Hausarrest kehrt er wieder an seinen Amtssitz, das Erzbischöfliche Palais in Budapest, zurück. Dort wendet er sich am 1. November im Rundfunk an Ungarn und die Welt:

"Nach langer Gefangenschaft spreche ich zu sämtlichen Kindern des ungarischen Vaterlandes. Niemandem gegenüber habe ich Hass im Herzen. Ein wunderbarer Heldenmut befreit jetzt das Vaterland. Unser Freiheitskampf ist beispiellos in der Weltgeschichte. Jede Ehre gebührt unserer Jugend. Dank und Gebet für die Opfer. Unsere Soldaten, unsere Arbeiter, unsere Landwirte zeigten Beispiele der Vaterlandsliebe."

Zwei Tage darauf spricht Mindszenty wieder im Rundfunk. Er verlangt die Wiedereinführung des Religionsunterrichts und die Rückgabe katholischer Einrichtungen sowie die Wiederzulassung der katholischen Presse. Er fordert die Bestrafung der Schuldigen des alten Regimes durch unabhängige Gerichte sowie freie Wahlen unter internationaler Kontrolle. Und er fragt:

"Was beabsichtigt das Zweihundertmillionenvolk der Russen innerhalb unserer Grenzen mit seiner militärischen Macht? Sind die Führer des russischen Reiches noch nicht auf den Gedanken gekommen, dass wir das russische Volk weit mehr achten würden, wenn es uns nicht unterjochte? Wir hoffen fest auf den baldigen Abzug der russischen Streitkräfte aus unserem Lande. Das bisherige Regime, das durch seine eigenen Kinder mit dem heißen Stempel der Verneinung, der Verachtung, des Ekels und der Verurteilung gebrandmarkt ist, wurde 1945 nach einem verlorenen, für uns zweck- und sinnlosen Krieg mit Gewalt aufgebaut. Nun ist es durch die Gesamtheit der ungarischen Nation hinweggefegt worden."

Sowjetische Panzer stehen kurz vor Budapest

In seiner Rundfunkansprache vom 3. November 1956 betont Kardinal Mindszenty, dass die zivilisierte Welt Ungarn in seinem Freiheitskampf unterstützt. Es sind damit die westlichen Länder gemeint. Er warnt die Erben des vorigen Regimes, wie er die neue Regierung unter Imre Nagy nennt, den politischen Wechsel ernst zu nehmen. Er belehrt die sowjetische Führung, Ungarn nicht wieder zu unterdrücken. Zwei Tage zuvor hat Imre Nagy den Austritt aus dem Warschauer Pakt erklärt und an die UNO und die Großmächte appelliert, Ungarns Neutralität zu garantieren. Sowjetische Panzer stehen kurz vor Budapest. Ist da nicht Zurückhaltung am Platz, statt Öl ins Feuer zu gießen und Forderungen im Ton eines Regierungsprogramms zu stellen? Mindszenty fühlt sich durchaus dazu berechtigt, steht er doch in der Tradition der österreichisch-ungarischen Monarchie mit ihrem Zusammenwirken von

"Herrscherkönig und Fürstprimas, also der weltliche Herrscherkönig und der geistliche Herrscher, der Fürstprimas, der neben ihm steht. Querliegend dazu geschieht nach 1918 in Ungarn folgendes: Das nationale Ungarntum wird definiert als ein katholisches Ungarntum. Beides wird wichtig dann auch für sein Verhalten, weil er sich natürlich als katholischer Repräsentant empfindet, im Sinne des alten Ideals der Stephanskrone, der großen ungarischen Monarchie. Aber er empfindet sich gleichzeitig auch als Repräsentant dieses neuen katholischen Nationalideals. Er hat dann durchaus das Bewusstsein, dass er auch politisch sozusagen für diese neue Nation sprechen kann",

erklärt der Historiker Thomas Brechenmacher. In dieser Tradition hat sich Mindszenty als Oberhaupt der Katholischen Kirche Ungarns gleich nach dem Zweiten Weltkrieg mit den ungarischen Kommunisten angelegt. 1947/48 organisiert er ein Marianisches Jahr, in dem Ungarns Katholiken im Zeichen Marias gegen kirchenfeindliche Maßnahmen protestieren. Darauf verhaften die Kommunisten Mindszenty und verurteilen ihn im Februar 1949 in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft. Zuvor wird er unter Einsatz von Psychopharmaka 82 Stunden lang verhört.

"Mindszenty hat das schon antizipiert. Und noch wenige Tage vor seiner Verhaftung hat er also ein Schriftstück hinterlegt, indem er eidesstattlich versichert, alles, was ich in der Haft sagen werde, gilt nicht. Wenn die Regierung kommen wird und behaupten wird, ich hätte etwas unterschrieben, ich widerrufe es schon jetzt. Wenn die Regierung behauptet, ich hätte etwas gestanden, ich widerrufe es schon jetzt und ich sage schon jetzt, das ist dann unter der Folter eben erpresst.

Gegen die Verurteilung Mindszentys protestierte damals Papst Pius XII. äußerst engagiert: Zunächst in einer Ansprache vor den versammelten Kardinälen, sodann in einer Ansprache vor dem diplomatischen Corps, schließlich sprach er im Angesicht der Weltöffentlichkeit zu den auf dem Petersplatz Versammelten. Ebenso ablehnend in seiner Haltung gegenüber den kommunistischen Regimen wie Mindszenty, hatte er ihn und alle anderen katholischen Bischöfe und Kirchenoberen in ihrem Widerstand bestärkt. Seine Haltung fand sich immer wieder bestätigt durch schwerwiegende antikirchliche Maßnahmen der Kommunisten seit dem Ende des zweiten Weltkrieges, erläutert Brechenmacher:

"Diese Auseinandersetzungen mit den kommunistischen Regimen beginnen ja schon unmittelbar 45 mit der Festsetzung des griechisch-unierten Patriarchen der Ukraine, Jossyf Slipyj, durch die Sowjets, sie ziehen sich weiter mit der Festsetzung und Verhaftung des Bischofs von Zagreb, Alois Stepinac, ziehen sich weiter über Mindszenty Richtung Prag, Festsetzung von Josef Beran."

"Von den Gebäuden rundherum wurde runter geschossen"

Mit dem Aufstand in Ungarn ergibt sich für kurze Zeit die Möglichkeit, antikirchliche Maßnahmen rückgängig zu machen. Mindszenty setzt die vom alten Regime eingesetzten Priester ab und erreicht die Auflösung des verhassten Amtes für kirchliche Angelegenheiten. Die Ziele des Aufstands sind aber vor allem die nationale Unabhängigkeit Ungarns, die Absetzung des alten Regimes und der Wechsel zu einem Mehrparteiensystem mit der Garantie bürgerlicher Freiheitsrechte. Noch bevor sie von den Arbeitern durch einen landesweiten Generalstreik unterstützt wurden, haben die Studenten des Landes den Aufstand mit ihren Demonstrationen und Forderungen ins Rollen gebracht.

Einer, der damals dabei war, aber nicht namentlich genannt werden möchte, erzählt von seinen Erlebnissen. Am Parlamentsplatz in Budapest erlebte der heute Achtzigjährige folgendes:

"Von den Gebäuden rundherum wurde runter geschossen, und also wir versteckten uns dann in Hauseingängen irgendwie und anschließend, als sie aufgehört haben zu schießen, kamen Lastwagen, drei volle Lastwagen Leichen haben sie dort weggebracht. Und da habe ich gesagt, du gehst wieder zurück und bin losgezogen. Ungefähr hundert Meter vom Parlament entfernt wurde ich auf der Straße verhaftet. Wurde ich also in den Keller runtergebracht. Ja, da war eine Riesenmenge Leute. Stunden saß ich dort, bis ich also vernommen wurde und in ein klein Zimmerchen reingebracht wurde. Und da war jemand in Militäruniform als Leutnant, wurde ich von ihm ausgefragt, was machst du, was hast du oben gesucht, und was hast du gemacht? »

Das widerfuhr dem 19-jährigen Studenten der Technischen Universität von Budapest am 25. Oktober 1956. Geschossen hatten wohl Angehörige des Staatssicherheitsdienstes AVO. Noch schwiegen die Waffen der sowjetischen Armee. Und auch, als sie ab dem 1. November sich anschickten, den Aufstand zu unterdrücken, hofften die Ungarn noch auf Hilfe aus dem westlichen Ausland.

"In den ersten zehn Tagen wurde darüber geredet, dass also die Amerikaner kommen werden, die können das nicht lassen, die haben versprochen und so weiter. Ich hab keine Ahnung, ob sie das tatsächlich versprochen haben. Auf jeden Fall in der Bevölkerung gab es viele, die daran glaubten."

Genährt wurde die Hoffnung unter anderem durch den Sender Freies Europa. Dort wurde den Aufständischen militärische Unterstützung durch den Westen versprochen. Sie war nie ernsthaft beabsichtigt. So blieb es bei Worten. Am vierten November setzten die sowjetischen Truppen zum Generalangriff an. Mitte November war der Aufstand im Grunde besiegt. Von da an stieg die Fluchtbewegung der Ungarn nach Westen sprunghaft an. Mehr als 200.000 verließen ihre Heimat. Auch der Student der TU Budapest. Er ging über Österreich nach Westberlin, studierte hier an der Technischen Universität zu Ende und wurde Bauingenieur.

"Man müsse eine Koalition des Guten bilden"

In der Nacht nach Mindszentys Rundfunkansprache vom 3. November beginnen die sowjetischen Truppen anzugreifen. Der Kardinal flieht in die amerikanische Gesandtschaft in Budapest. 

Kirchenführer und einfache Gläubige äußern sich empört und entsetzt über das Vorgehen der Sowjetunion. Papst Pius XII. reagiert ähnlich massiv wie 1949 bei der Verurteilung Mindszentys:

In Rundschreiben an die katholischen Bischöfe der Welt und noch dramatischer in seiner Rundfunkansprache vom 10. November 1956. Er verurteilt nicht nur das Geschehen und beklagt das Elend der Ungarn, er geht noch weiter, erläutert der Historiker Thomas Brechenmacher:

"Sein Appell geht dahin aufzufordern, man müsse eine Koalition des Guten bilden. Die Mächte, ja des Westens, ich interpretiere das im Grunde als Weg Pius’ XII. nach Westen, die Mächte des Westens, der Freiheit, der Demokratie, müssen zusammenstehen gegen die kommunistische Bedrohung. Das ist etwas, was so aus dem Vatikan während der 1940er Jahre noch nicht so deutlich zu hören gewesen ist."

Wie der Papst sehen sich auch die deutschen Bischöfe durch die Ereignisse in Ungarn darin bestätigt, dem Kommunismus gegenüber kompromisslos zu bleiben. Im Petrusblatt, der katholischen Wochenzeitung für den Westberliner Teil des Bistums Berlin, werden die Äußerungen des Papstes ausführlich zitiert. In der DDR können sich die Bischöfe nicht in derselben Weise äußern. Umso bemerkenswerter ist der Mut des Bischofs von Meißen, Otto Spülbeck. In seinem Hirtenbrief vom 14. November 1956 ruft er die Gläubigen seines Bistums für den kommenden Sonntag zum Gebet angesichts der schrecklichen Ereignisse der letzten Tage. Er schreibt unter anderem:

"Der Heilige Vater sagt in seiner Enzyklika Datis nuperrime vom 6.11. 1956: "So befiehlt Uns Unser Pflichtgefühl, gegen diese schmerzlichen Tatsachen zu protestieren, die nicht nur die erbitterte Trauer und Empörung der katholischen Welt, sondern auch aller freien Völker hervorgerufen haben. Jene, auf die die Verantwortung für diese traurigen Ereignisse fällt, müssten sich endlich klar werden, dass die gerechte Freiheit der Völker nicht durch Blut unterdrückt werden kann. Die Worte Gottes an Kain: ‚Die Stimme des Blutes deines Bruders ruft von der Erde zu mir‘ haben auch heute ihren vollen Wert. Es ist heute das Blut des ungarischen Volkes."

Auf der einen Seite der freie Westen, auf der anderen der tyrannische Osten. War es so einfach? Ein wesentlicher Impuls für die Erhebung in Ungarn ging vom 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Februar 1956 aus, der den Personenkult um Stalin verurteilte. Im Oktober deutete der amerikanische Außenminister John Foster Dulles an, die USA seien bereit, mit den sozialistischen Ländern zu kooperieren, ohne dies an einen Wechsel des politischen Systems zu binden. Die Sowjetunion reagierte mit dem Eingeständnis schwerer Fehler im Umgang mit den übrigen sozialistischen Ländern, sagte ihnen für die Zukunft volle Gleichberechtigung, territoriale Integrität, staatliche Unabhängigkeit und Nichteinmischung in die inneren Verhältnisse zu.

Angesichts der Tatsache, dass sie wegen der Bedrohung, die sie im zweiten Weltkrieg erfahren hatte, auf ihre Sicherheit bedacht sein musste und angesichts der wirtschaftlichen Not, in der sie sich nach wie vor befand, war das eine erstaunliche Verlautbarung. Auf dieser Basis wollte sie auch der ungarischen Regierung weite Zugeständnisse machen. Nur eine Finte? In der angespannten Lage, nachdem Imre Nagy den Ausstieg aus dem Warschauer Pakt verkündet hatte, forderte Kardinal Mindszenty in seiner Rundfunkansprache mehr oder weniger deutlich, daß Ungarn sich vom Kommunismus löse. Ob dies zur Niederwerfung des Aufstands führte, lässt sich nicht mehr herausfinden. Deeskalierend wirkte es gewiss nicht. An einer Entspannung aber waren die Sowjetunion und die USA zunehmend interessiert. Zu gefährlich war die dauerhafte Konfrontation. Auch der Vatikan verließ nach dem Tod Pius' XII. 1958 seinen harten antikommunistischen Kurs, erläutert Brechenmacher:

"Das Stichwort ist eigentlich modus vivendi: Wie kommt Heiliger Stuhl, Kirche, Regime zusammen in einem Kompromiss, mit dem es sich leben lässt. Der wird 1964 eben für Ungarn zum ersten Mal, mustergültig für die weitere Ostpolitik, ausgearbeitet. Und da geht es im Wesentlichen um die Frage der Bischofsbesetzungen. Also ein komplettes Bischofstableau in Ungarn, das als Ergebnis eines Aushandlungsprozesses entsteht und sowohl den Vatikan befriedigt als auch die ungarische Regierung, entsteht eigentlich erst in Folge dieses Vertrags von 64."

Der Vertrag zwischen dem Vatikan und Ungarn kam unter Papst Paul VI. zustande. Kardinal Mindszenty lehnte die Annäherung Roms an die kommunistischen Regime ab. Um diese zu befördern, nötigte Paul VI. Mindszenty, die amerikanische Gesandtschaft in Budapest zu verlassen und im Oktober 1971 ins Exil nach Wien zu gehen. Schließlich verlangte der Papst von Mindszenty seinen Rücktritt als Erzbischof von Esztergom. Als Mindszenty ablehnte, wurde er seines Amtes enthoben, ein höchst fragwürdiger kirchenrechtlicher Akt, zugleich eine schwere Demütigung.

Ein unerbittlicher Gegner kommunistischer Regime

Enttäuscht und zutiefst uneins mit der päpstlichen Politik starb Kardinal Mindszenty am 6. Mai 1975 in Wien. Der unerbittliche Gegner kommunistischer Regime hatte als stolzer Streiter für seine Kirche schwere Opfer gebracht. Schon unter den faschistischen Pfeilkreuzlern inhaftiert, verbachte er sieben Jahre in Haft und Hausarrest unter der kommunistischen Regierung, fünfzehn Jahre in der amerikanischen Botschaft, von der Umwelt isoliert, und vier Jahre im österreichischen Exil. Aber das Oberhaupt der katholischen Ungarn war fest davon überzeugt, dass er eines Tages in seine Heimat und in seine Bischofskirche, den Dom von Esztergom, zurückkehren würde. Am 4. Mai 1991 fand seine Leiche dort in der Krypta ihre dauernde Ruhestätte. Thomas Brechenmacher:

"Im übrigen hat Mindszenty ja auch sehr deutlich gesagt, ich werde als Toter irgendwann dahin zurückkehren, denn die Herrschaft der Sowjets wird irgendwann in sich zusammenbrechen. Zusätzlich zu dieser postumen persönlichen Gerechtigkeit hat Mindszenty dadurch auch noch also eine, sagen wir mal, historische Gerechtigkeit erfahren: Der Kommunismus ist zusammengebrochen, und sein Leichnam konnte zurückkehren an den Ort dort, wo er legitimer Weise bestattet sein sollte und musste."

Mindszentys Rückkehr nach Ungarn geschah lange nach den dramatischen Ereignissen im Herbst 1956, an denen seine Kompromisslosigkeit und auch sein noch so habsburgisches und nationalkatholisches Selbstverständnis als Kirchenfürst möglicher Weise einen gewissen Anteil haben, auch wenn er sich dessen sicher nicht bewusst war. Die bittere Bilanz, die er in seinem Memoirenbuch "Erinnerungen" zog, lautete:

"Ungarn war in den Jahren zwischen 1944 und dem 23. Oktober 1956 ein Kerker-Ungarn. Wir durften elf Tage lang (ich selbst nur vier Tage) frei atmen. Nach dem 4. November ist das Land wieder ein Gefängnis geworden."

Eine Sendung der Katholischen Kirche, Quelle RIAS-Tonaufnahmen: Archiv Deutschlandradio Kultur

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