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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 17.04.2013

"Das Leben ist nichts für Feiglinge"

Ein Film über eine Familie, die lernt, mit dem Tod umzugehen und das Leben hinzunehmen

Von Hannelore Heider

Paula (Rosalie Thomass, links), die sich auf ihre ganz eigene Art um Gerlinde (Christine Schorn, rechts) kümmert. (NFP / Bernd Spauke)
Paula (Rosalie Thomass, links), die sich auf ihre ganz eigene Art um Gerlinde (Christine Schorn, rechts) kümmert. (NFP / Bernd Spauke)

Auf den Tod reagiert jeder anders und muss für sich lernen, damit umzugehen. Das ist die Ausgangslage dieses Familiendramas, in dem Ehemann, Schwiegermutter und Tochter ihre Trauer bewältigen. Romanautor Gernot Gricksch hat selbst das Drehbuch geschrieben.

Das Leben ist nichts für Feiglinge - das gilt wohl für alle Altersgruppen. Auch wenn sich der Titel dieses neuen deutschen Filmes mehr nach einem Jugendfilm anhört, erzählt er doch eine Familiengeschichte über drei Generationen. Mit einem Begräbnis beginnt der Film und er endet auch so.

Am Anfang stehen Markus, Kim und Gerlinde Färber am Grab der Mutter, Ehefrau und Schwiegertochter, am Ende kommt Großmutter Gerlinde unter die Erde. Bis dahin hat man den drei vom Tod der noch jungen Frau Getroffenen zugesehen, wie sie die Trauer übermannt, wie sie den Kummer in Kurzschlussreaktionen ausleben und doch wieder zurückfinden ins Leben.

Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) hört den Anrufbeantworter der Familie ab, um die Stimme seiner verstorbenen Frau zu hören; im Hintergrund sein Tochter Kim (Helen Woigk). (NFP / Bernd Spauke)Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) hört den Anrufbeantworter der Familie ab, um die Stimme seiner verstorbenen Frau zu hören; im Hintergrund sein Tochter Kim (Helen Woigk). (NFP / Bernd Spauke)André Erkaus Verfilmung des Romans von Gernot Gricksch, der selbst das Drehbuch für den Film schrieb, überzeugt mit hervorragenden Darstellern in Rollen, die mit ihrer Exzentrik die Trauergemeinde sehr lebendig machen. In diesem deutschen Film, der einmal mit Recht als Tragikkomödie zu benennen wäre, ist nichts von tiefsinniger Verinnerlichung zu spüren. Die seelische Verwundung der Filmhelden wird in wunderbar komischen Situationen aufgelöst und die Spielorte, Hamburg und die weiten Nordseelandschaften, lassen das Drama auch optisch reizvoll erscheinen. Vor allem die Schauspieler aber machen diese doch gewagte Mischung zum Filmerlebnis.

Wotan Wilke Möhring als Witwer und Christine Schorn als seine resolute Mutter, bemühen sich, das Leben vor allem für die halbwüchsige Kim normal weiterlaufen zu lassen. Doch alle sind in ihrem eigenen Ausnahmezustand, was vor allem die Umwelt nicht versteht. Die Komik, die daraus resultiert, wird auch durchgehalten, als ein neuer Schicksalsschlag die Familie trifft. Bei Oma Gerlinde wird Krebs diagnostiziert und so kommt die junge, unkonventionelle Paula (Rosalie Thomass) als Pflegerin in die Familie. Sie geht auch mit auf Reisen, als Kim (Helen Woigk) mit ihrem Freund Alex (Frederick Lau) durchbrennt.

Ob drastisch oder mit melancholischem Humor - der Film findet einen ganz eigenen und immer glaubwürdigen Ton, über dieses "Das Leben geht ja weiter" zu erzählen und nicht nur mit Worten. Wenn Kellner Markus eine ganze Busladung von Rentnern mit feinstem Proviant versorgt, nur um nicht allein zu Hause zu sitzen, wirkt die Komik des Augenblicks, die der Film auch in hochemotionalen Szenen beibehält.


BRD 2012. Regie: André Erkau. Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Christine Schorn, Helen Woigk, Rosalie Thomass, Frederick Lau. 97 Minuten, ab 12 Jahren.


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