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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 25.04.2012

"Das Leben gehört uns"

Der Kampf um den eigenen Sohn inszeniert als Kammerspiel

Von Hannelore Heider

Jeremie Elkaim und Valerie Donzelli mit Sohn in einer Szene des Films "Das Leben gehört uns". (picture alliance / dpa / Prokino Filmverleih)
Jeremie Elkaim und Valerie Donzelli mit Sohn in einer Szene des Films "Das Leben gehört uns". (picture alliance / dpa / Prokino Filmverleih)

Valérie Donzelli stellt ihre eigene Geschichte dar: Mit ihrem Ehemann zusammen spielt sie Romeo und Juliette, die um ihren an einem Gehirntumor erkrankten Sohn kämpfen. Sie zeigen, wie die Krankheit Eltern und Freunde mitnimmt - ein kräftezehrender, glaubhaft dargestellter Marathon.

Der Film ging ins Oscarrennen um den besten nicht-englischsprachigen Film, und er ist in der Tat außergewöhnlich: Die Schauspielerin und Regisseurin Valérie Donzelli hat mit ihrem Ehe- und Leinwandpartner, dem Schauspieler Jérémie Elkaim, die wahre Geschichte ihrer Liebe in ein Drehbuch geschrieben und mit ihnen beiden in den Hauptrollen und einem sehr kleinen Drehstab in wenigen Wochen inszeniert. Der Originaltitel drückt präzise aus, worum es geht: "La guerre est déclarée" - "Der Krieg ist erklärt" und zwar der Krieg gegen die tödliche Erkrankung ihres Babys Adam, der einen Gehirntumor hat.

Der Weg bis zur Genesung ist lang und verwandelt die junge Liebe der Eltern in ein Kampffeld. Dass diese autobiografische Geschichte als Film die klassischen Formen sprengt, ist verständlich. Uns erwartet ein leidenschaftliches, kreatives Kinoerlebnis, das die heftigen Emotionen der Helden adäquat auszudrücken weiß, womit er den Zuschauer freilich durch ein wechselndes Bad der Gefühle treibt.

Wir sehen tragisch grundierte Kammerspielszenen, wobei die Kamera schmerzhaft nah bei den Protagonisten ist, fast dokumentarische und mit den realen Ärzten und Schwestern gedrehte Momente der Krankengeschichte, wir erleben Juliette (Valérie Donzelli) und Romeo (Jérémie Elkaim) in verzweifeltem Sarkasmus oder mit gemeinsam gesungenen Liebesballaden, die sprachlose Momente der Hilflosigkeit abrupt abbrechen. Zur gar nicht untermalend eingesetzten Filmmusik gehören Vivaldi ebenso wie Punkrock.

Das passt oft überhaupt nicht aneinander, aber die Glaubwürdigkeit der Geschichte leidet nicht darunter - im Gegenteil. Dabei haben die beiden Filmemacher und Hauptdarsteller keinen Film über den Krebs gemacht, dass ihr Sohn Adam den Kampf gegen den Tod gewinnt, ist von Anfang an klar. Die Spannung resultiert aus dem glaubhaft dargestellten, kräftezehrenden Marathon, der alles was überhaupt zum Leben gehört, aufzehrt. Wie man das aushalten kann, oder eben nicht, wie Eltern und Freunde betroffen sind und natürlich ihre junge Liebe, darüber erzählt der Film. "Das Leben gehört uns" ist ein wilder, in seinen Gefühlsschwankungen auch exzentrischer Aufschrei gegen den Tod und für das Leben!

Frankreich 2011; Regie: Valérie Donzelli; Darsteller: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaim, Gabriel Elkaim, Brigitte Sy; 100 Minuten; ab 6 Jahren

Weiterführende Informationen:

Filmhomepage "Das Leben gehört uns"

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Filmhomepage "Das Leben gehört uns"

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