Seit 05:05 Uhr Studio 9
Mittwoch, 02.12.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.11.2011

Das Leben ändern - aber wie?

Gast: Roland Kopp-Wichmann, Psychologe und Coach

Moderation: Dieter Kassel

Podcast abonnieren
Beim Burnout ist es eigentlich schon zu spät für Veränderungen. (picture alliance / dpa)
Beim Burnout ist es eigentlich schon zu spät für Veränderungen. (picture alliance / dpa)

Stress, Multitasking, Burnout – sie sind längst zu Modeworten geworden. Immer mehr Menschen fühlen sich überfordert, klagen über Zeitnot, Probleme in der Arbeit oder Schuldgefühle, weil sie sich zu wenig um ihre Familie kümmern können. Oft fällt dann der Satz: "Ich muss mein Leben ändern."

Wie können wir unser Leben ändern?
Warum fällt es uns so schwer, es tatsächlich zu tun?


"Die meisten Menschen wollen sich gar nicht verändern. Sie wollen sich nur besser fühlen", sagt der Heidelberger Psychologe und Coach Roland Kopp-Wichmann. In seinen Seminaren und Gesprächen trifft er oft auf Menschen, die zu perfektionistisch sind, schlecht "nein" sagen oder Grenzen setzen können. Sie seien auf dem sicheren Weg in den Burnout.

"Ich sage dann immer ketzerisch: Ihr Burnout ist nicht Ihr Problem, er ist die Lösung."

Die meisten Menschen kämen erst, wenn alle alten Bewältigungsstrategien nicht mehr fruchteten.

"Der Burnout zieht dermaßen den Stecker, da geht nichts mehr."

Er zeige den Menschen, dass sich die Welt auch ohne sie dreht und verweise auf die Chance:

"Es geht auch anders."

Diese Chance müsse man nutzen. Aber:

"Sich zu ändern, erfordert jede Menge Mut. Das ist kein Zuckerschlecken, das macht auch Angst."

Jeder Mensch habe seine eigene "innere Landkarte": Erfahrungen und Strategien, das Leben mit all seinen Herausforderungen zu bewältigen, aber eben auch Probleme zu verdrängen. Die meisten Menschen seien sich dieser Landkarte aber nicht bewusst und könnten so auch keine neuen Wege beschreiten.

Roland Kopp-Wichmann konfrontiert die Ratsuchenden mit provokanten Fragen und Übungen. Beispiel:

"Was wäre wichtig, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte?"

Seine Erkenntnis:

"Was die Menschen angesichts der Übung bedauern, ist das, was sie nicht getan haben."

Seine Erfahrungen hat er in einem Buch zusammengefasst, sein Titel: "Ich kann auch anders. Psychofallen im Beruf erkennen." (Kreuz-Verlag)

Auch hier provoziert er seine Leser:

"Hören Sie auf zu jammern. Sie können wählen und Sie tragen die Konsequenzen."

In seinem Persönlichkeits-Blog im Internet gibt er Tipps, wie man Änderungen anpacken kann:

"Erstens: Ihr Entschluss, dass Sie etwas ändern wollen. Ein Entschluss ist mehr als eine Absicht. Es ist eine Entscheidung, die Sie für sich selbst treffen. Zweitens ein klar formuliertes Ziel, was Sie ändern wollen. Als drittes brauchen Sie Ausdauer. Durchhaltevermögen. Das hängt mit unserem Gehirn zusammen. Alle Gewohnheiten sind dort über neuronale Verschaltungen tief eingegraben. Wenn Sie jetzt etwas verändern wollen, müssen Sie das neue Verhalten eine Weile durchhalten, bis es sich neuronal in Ihrem Gehirn eingenistet hat."

Das Leben ändern – aber wie?
Darüber diskutiert Dieter Kassel heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit dem Psychologen Roland Kopp-Wichmann. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 - 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Literaturhinweis:
Roland Kopp-Wichmann: "Ich kann auch anders: Psychofallen im Beruf erkennen", Kreuz-Verlag, 2. Auflage 2010

Im Gespräch

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur