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Neue Musik | Beitrag vom 20.10.2020

Das Kölner IGNM-WeltmusikfestNeue Musik als Institution

Von Stefan Fricke

Die Buchstaben i g n m auf farbigem Grund im Originalplakat der Weltmusiktage 1960 (Stefan Fricke)
Ein Ausschnitt aus dem Originalplakat der Weltmusiktage 1960 in Köln (Stefan Fricke)

Es gehörte zu den spannendsten Veranstaltungen zeitgenössischer Musik in der kulturellen Institutionsgeschichte der noch jungen Bundesrepublik - das 34. Weltmusikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1960 in Köln.

Köln, Juni 1960: Beim 34. Weltmusikfest der 1922 in Salzburg gegründeten Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) - einem Völkerbund der arrivierter Neutöner - gibt es 16 Uraufführungen, sechs Europäische und neun Deutsche Erstaufführungen, zudem zehn weitere Kompositionen, die allesamt zwischen 1909 und 1960 entstanden sind und aus über damals zwanzig nationalen IGNM-Sektionen stammen, heute sind es über 40.

Klangvolle Namen

Neben Gastgeberstädten wie Prag, Venedig, Zürich, Oxford, Wien, Florenz, Paris, Warschau, New York, San Francisco und Athen waren die Weltmusiktage bis 1960 drei Mal in Deutschland ausgerichtet worden: 1927 und 1951 in Frankfurt/Main und 1955 in Baden-Baden.

Mit Spannung war der Jahrgang 1960 erwartet worden. Nicht nur, weil die ambitionierte internationale Jury von drei großen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten unterstützt wurde, sondern auch, weil die Gastgeberstadt Köln längst zum internationalen Zentrum der musikalischen Nachkriegsavantgarde aufgestiegen war.

Who is Who der musikalischen Avantgarde

Unter den aufgeführten Komponisten – mit der 1939 aus Hamburg nach Chile emigrierten Leni Alexander allerdings nur eine Frau – finden sich 1960 viele prominente Namen, die fleißig das damals aktuelle und künftige Geschehen der avancierten Neuen Musik mitschreiben: Bengt Hambraeus, Henri Pousseur, Luciano Berio, Pierre Boulez, Wlodimierz Kotonski, Luigi Nono, Klaus Huber und Isang Yun.

Künftige Klassiker

Überdies gibt es Uraufführungen von György Ligeti ("Apparitions"), Karlheinz Stockhausen ("Kontakte") und Mauricio Kagel ("Anagrama"). Deren jüngste Arbeiten – State-of-the-Art der damaligen Kunstklangproduktion – wirken weit hinein in die Musikgeschichte.

Heute sind sie längst Klassiker der Avantgarde – dank der IGNM, die ihre fortschrittliche Programmatik von damals kaum je wieder erreichte.

Zeitgleich zum IGNM-Weltmusikfest traf sich eine andere Avantgarde im Atelier der Kölner Künstlerin Mary Bauermeister zum Contre-Festival, das wir in einer Woche vorstellen.

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