Seit 01:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 13.12.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 25.11.2012

Das himmlische Jerusalem

Von Pfarrerin Lucie Panzer und Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann, Stuttgart

Die Erlöserkirche in Jerusalem
Die Erlöserkirche in Jerusalem

Jerusalem: Seit Jahrtausenden verbindet sich mit diesem Namen die Sehnsucht nach einer idealen Welt und Gesellschaft. Lucie Panzer und Wolf-Dieter Steinmann zeigen, wie diese Verheißung und Hoffnung sich durch die Zeiten entwickelt und verändert. Und wie sie Menschen immer neu beflügelt.

Panzer: "An den Tagen des Totengedenkens im November fragen viele Menschen nach Hoffnung. Was wird sein, wenn das Leben auf dieser Welt zu Ende ist? Was wird mit mir, was ist mit denen, die ich verloren habe und um die ich weinen muss?"

Steinmann: "Wir Christen nennen diesen Sonntag "Ewigkeitssonntag", denn wir hoffen auf eine Zukunft, die weiter reicht und über dieses Leben und sein Ende hinaus geht."

Panzer: "Ja, unsere Hoffnung geht sogar über das Ende der Welt hinaus, das irgendwann einmal kommen wird. Ein Visionär der ersten Christen, Johannes hat von dieser Zukunft geschrieben."

"(1) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
(2) Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
(3) Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
(4) und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
(10) Und ein Engel führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott,
(21) Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jedes Tor war aus einer einzigen Perle, und der Marktplatz der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas.
(23) Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.
(24) Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen.
(25) Und ihre Tore werden nicht verschlossen am Tage; denn da wird keine Nacht sein."

(Verse aus Offb 21)

Steinmann: "Johannes malt den Christen das himmlische Jerusalem vor Augen als künftige Stadt. Gott selbst wird in ihr wohnen, bei seinen Menschen. Dann wird es kein Leid mehr geben und auch keinen Tod. Dann wird Gott ganz nah sein. Mitten unter seinen Geschöpfen. Wie ein guter Nachbar, stelle ich mir vor, wie einer, den man fragen kann. Dann wird es keine ungelösten Fragen mehr geben."

Panzer: "Immer nur warten. Nur Sehnsucht auf die "ideale Stadt", das reicht Menschen nicht. Entsprechend hat das "Himmlische Jerusalem" Menschen immer auch inspiriert, anzufangen mit seinem Bau. Die "Hütte Gottes" auf Erden zu errichten."

Steinmann: "Ein großartiges Zeugnis dieser Inspiration steht in Hildesheim: Die Kirche St Michael. Gebaut vor 1000 Jahren, unter den Ottonischen Kaisern. Die Schönheit von St. Michael beeindruckt sofort. Aber das tun viele Kirchen. St. Michael in Hildesheim aber will mit seiner Geometrie mehr sein: Die Baumeister haben die Proportionen des "Himmlischen Jerusalems" mit St. Michael kopiert, so wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben sind."

"Die Stadt ist viereckig angelegt... Und der Engel maß die Stadt mit dem Rohr: Zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich." (Offb 21,16)

Panzer: "Darum ist St. Michael innen ein Kubus: je 1200 Zoll lang, breit und hoch. Aus der Vision des Johannes wurde Mathematik. "Sakrale Mathematik", nennt der Historiker Manfred Overesch das."

Steinmann: "Die Baumeister der Kaiser haben "Gottes Hütte" nachgebaut und die Menschen um das Jahr 1000 konnten beides erleben: Die Nähe Gottes hier und jetzt und die Sehnsucht nach der endgültigen Stadt, in der sie Wohnrecht haben würden, nach dem Tod."

Panzer: "700 Jahre später, zu Anfang des 18. Jahrhunderts entschloss sich Markgraf Karl-Wilhelm, die mittelalterliche Enge seiner damaligen Residenz Durlach durch den Bau einer neuen, in Anlage und Geist offenen Stadt zu ersetzen. Er ließ Karlsruhe auf dem Reißbrett entwerfen und bauen. Ein prächtiges Schloss im Mittelpunkt wie die Sonne und davon ausgehend strahlenförmig angelegt die Stadt mit ihren Straßen und Gebäuden. Bis heute nennt sich Karlsruhe die "Fächerstadt"."

Steinmann: "Anscheinend wusste Karl-Wilhelm aber auch: Architektur und Grundriss allein genügen nicht für ein Leben in Frieden und Sicherheit. Seine Vorstellungen von dieser Modellstadt fasste er in einem sogenannten Privilegienbrief zusammen. Damit sicherte er den Bewohnern für die damalige Zeit ungewöhnlich liberale Lebensbedingungen zu. Alles abhängig natürlich von der Einsicht eines absolutistischen Herrschers."

Panzer: "Manche Versuche, die Stadt Gottes auf Erden zu errichten, haben aber auch in Katastrophen geendet. 1534 zB. im westfälischen Münster: Über Jahre hatten sich die Konflikte zwischen Kirche und Bürgertum, reich und arm, Einheimischen und Zuwandern massiv zugespitzt."

Steinmann: "Schließlich übernimmt die Täuferbewegung das Regiment in der Stadt. Sie wollen Reformation nicht nur auf der Kanzel, sondern überall: Politisch, wirtschaftlich und sozial: Gütergemeinschaft wird eingeführt. Eine durch und durch gerechte Stadt will man. Jan van Leiden, der Anführer, lässt sich zum "König David" ausrufen. Münster, das neue "Königreich Zion", also "Jerusalem", soll dem weltweiten Friedensreich Christi den Weg ebnen. Das Experiment endet nach innen im Terror und wird von außen mit Gewalt vernichtet."

Panzer: "Warum zeigt der Traum vom guten Leben in Frieden und Gerechtigkeit trotzdem immer wieder eine Stadt? Das Himmlische Jerusalem, die Legende vom versunkenen Atlantis, in der Antike Platons Politeia, Thomas Morus’ Utopia im 16. Jahrhundert oder die Sonnenstadt des Tomasso Campanelle im 17. Die Stadt gilt als idealer Lebensraum, in der Menschen glücklich sein können. Wieso eine Stadt und nicht ein ländliches Paradies als Inbegriff des erhofften guten Lebens?"

Steinmann: "Der Blick in die Vergangenheit lässt einen das verstehen. Im Palazzo Publico in Siena gibt es im Sala della Pace ein Gemälde von Ambrogio Lorenzetti auf drei großen Wandflächen. Es zeigt die ideale, gerecht verwaltete Stadt. In ihren starken Mauern blüht der Handel, Waren aller Arten werden umgeschlagen, Schüler werden unterrichtet, Handwerker sorgen für Lebensqualität und junge Frauen machen Musik und tanzen. Erst im Schutz der Stadt kann man Wohlstand erwerben und genießen, sogar die Landwirtschaft vor den Toren blüht und gedeiht."

Panzer: "Ganz anders da, wo die Stadtmauern eingefallen sind: Da sind die Menschen schutzlos und hilflos, da herrschen Leid und Verderben, da gibt es brandschatzende Soldaten, und die Menschen müssen ihre Felder verlassen. Man kann nicht sicher leben, wo es nicht den Schutz der Städte gibt."

Steinmann: "Die Stadt gibt Sicherheit und Geborgenheit. Die Bibel beschreibt für den Anfang der Menschheit, dass sogar Kain, der seinen Bruder Abel erschlagen hat, in einer Stadt Zuflucht findet. Ja, er baut sich selbst eine Stadt. Kain gilt als der erste Städtebauer der biblischen Menschheitsgeschichte."

Panzer: "Und Johannes hofft, dass im Himmlischen Jerusalem die Herrlichkeit Gottes die Stadt erleuchtet. Niemand muss dort in Gefahr und Dunkelheit leben. Nicht einmal die Tore muss man verschließen, das Gesindel der Nacht hat keinen Platz in der künftigen Stadt."

Panzer: "In Jerusalem verdichtet sich die Hoffnung von Juden und Christen auf endgültiges Heil. In dieser Stadt schlägt Gott sein Zelt auf, damit Friede wird ohne Gewalt und Leid. Warum Jerusalem? Warum nicht Rom oder Athen?"

Steinmann: "Ein Grund ist, dass diese Städte – man könnte sagen – symbolisch anders "besetzt" waren. Sie waren Symbole menschlicher Größe. Vergleichbar heute Paris, New York oder Shanghai. Rom steht für seinen Frieden: Die Pax Romana. Die basiert auf Wirtschaft und Kultur, erkämpft von einem gewaltigen Militärapparat und symbolisiert durch die Kaiser: Augustus und Tiberius galten als "Gottes Söhne". Ein Friede aus dem Himmel war für Rom nicht nötig. Athen steht als Symbol für die Größe des menschlichen Geistes. Philosophie, Theater, Wissenschaft. Dazu ein prall gefüllter Götterhimmel, sichtbar in vielen Tempeln."

Panzer: "Im Vergleich zu Rom und Athen ist Jerusalem arm dran. Vor allem ab 70 n. Christus: Im jüdischen Krieg hat Rom den jüdischen Widerstand endgültig gebrochen. Den Zweiten Tempel völlig zerstört. Nur die Klagemauer blieb. Juden durften die Stadt nur noch an einem Tag im Jahr betreten: Am Tag der Zerstörung des Tempels. Für Juden und die judenchristlichen Gemeinden in Israel eine Katastrophe. Gott schien aus dieser Stadt ausgezogen."

Steinmann: "So ähnlich war es 700 Jahre früher schon einmal, als Jerusalem das erste Mal zerstört wurde von den Babyloniern. Im Jesajabuch stehen Verse, in denen zum ersten Mal der Wiederaufbau Jerusalems verheißen wird, die Rückkehr Gottes und die Heimkehr der Juden aus der Diaspora:"

"So spricht der HERR, dein Erlöser, zu Jerusalem: Werde bewohnt! Und zu den Städten Judas: Werdet wieder aufgebaut und zum Tempel: Werde gegründet!" (Jes 44,24.26.28)
"Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich, dass ihre Knechtschaft zu Ende ist... Jerusalem, Du Freudenbotin, sage den Städten Judas: Siehe da kommt euer Gott. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte." (Jes 40,1.2.9.11)

"In Jerusalem suchten Menschen das Heil. Für die Juden ist Jerusalem der Ort, an dem Gott Adam erschaffen hat, an dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte... Für die Christen... ist die Stadt der Ort, an dem Jesus Christus litt, starb, wiederauferstanden und in den Himmel aufgefahren ist. Für die Muslime ist es der Ort, von wo aus Mohammed in den Himmel aufstieg, um mit den Propheten zu reden."" (1)

Steinmann: ""Simon Sebag Montefiore, britischer Historiker, macht deutlich, wie bedeutsam Jerusalem für Juden, Christen und auch für Muslime ist."

Panzer: "Entsprechend prägen Stätten das Gesicht der Altstadt, die drei Weltreligionen heilig sind: Die Klagemauer den Juden, die Grabeskirche den Christen, Felsendom und Al-Aqsa Moschee den Muslimen."

Steinmann: "Zwar erinnert Jeru-Salem schon sprachlich an "Schalom"- Frieden. Umso tragischer ist, dass die Stadt selten eine Heimstatt des Friedens war. Das erzählt Montefiore in seiner großen Biografie Jerusalems. Alle Weltreiche der Geschichte, die etwas auf sich hielten, haben versucht, Jerusalem zu erobern. Von den Ägyptern bis zu den Briten. Oft wurde besonders brutal um sie gekämpft. Und wer dann zur "falschen" Seite gehörte, hatte schwer zu leiden."

Panzer: "Obwohl Symbol des Friedens und Heils war die Stadt immer auch Zankapfel. Oder vielleicht gerade deshalb. Und die Unfriedensgeschichte Jerusalems ist nicht zu Ende. Vielleicht muss man schon froh sein über das heutige Nebeneinander der Religionen: Der Zugang zu den Heiligen Stätten wird keiner Religion verwehrt. Insofern ist Jerusalem wirklich ein Symbol des Friedens: Als Prüfstein, wie Montefiore sagt."

"Am Ende ist es so, dass die Araber anerkennen müssen, dass die Stadt das jüdische Jeruschalajim ist. Und die Juden müssen akzeptieren, dass die Stadt auch die muslimische al-Quds ist, die Heilige. Beide müssen das Narrativ der anderen Seite anerkennen und respektieren." (2)

Steinmann: "Beide? Alle drei. Auch für uns Christen bleibt Jerusalem fundamental wichtig. Hier haben die Menschen gelebt und Erfahrungen mit Gott gemacht, auf die sich Christen immer wieder beziehen: Jesus, Maria, Petrus, Paulus. Und Johannes, der Visionär des himmlischen Jerusalem."

Panzer: "Jerusalem erinnert an unsere jüdischen Wurzeln und was passiert, wenn wir sie verraten. Es erinnert an unsere Gewaltgeschichte mit Muslimen."

Steinmann: "Erinnerung und Mahnmal zugleich: Jerusalem steht dafür, wozu Christen da sind: Auf Frieden und Gerechtigkeit zu hoffen und sie – wo immer möglich – jetzt schon zu leben."

Panzer: "Mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts verkamen die Städte in großen Teilen zu Slums. Niemand konnte dort wohnen ohne Schaden zu nehmen. Ebenezer Howard entwickelt daraufhin das Konzept der Gartenstädte. Die älteste ist Dresden Hellerau: In Amerika entstand in weitaus größerem Maßstab Frank Lloyd Wrights Broadacre City, die weite Stadt, in der die Menschen dezentral, durch Highways verbunden und durch Automobile mobil in der Landschaft leben sollten."

Steinmann: "Geblieben ist von diesen Konzepten die Vereinzelung in den ausgedehnten Vorstädten und Einfamilienhaussiedlungen mit ihren ökologischen und sozialen Problemen."

Panzer: "In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfaltete der Schweizer Stararchitekt Le Corbusier die Prinzipien einer funktionalen Stadt. Er wollte die mit der Industrialisierung entstandenen hochverdichteten Arbeiterquartiere durch neue, zweckmäßige, gut beleuchtete und durchlüftete Wohngebiete am Stadtrand ersetzen."

Steinmann: "Heute allerdings sehen wir die Großsiedlungen der Vorstädte mit ihren sozialen Problemen, die Zunahme des Verkehrs und einen erhöhten Flächenverbrauch durch die aufgelockerte Bauweise."

Panzer: "In der Gegenwart entwickeln Städteplaner zum Beispiel in Hongkong, in Malaysia und in den Ölstaaten am Golf Konzepte für Ökostädte, fußgängertauglich und dicht bebaut mit begrünten Hochhäusern mit geringem Energieverbrauch."

Steinmann: "Es wird in die Höhe gebaut - aber ob die Lebensqualität in diesen Städten für die Bewohner attraktiv ist, das ist noch nicht klar. Die erhoffte neue Stadt, die ideale Stadt – es gibt sie noch nicht. Aber die Hoffnung bleibt."

Panzer: "Die Versuche, auf Erden die neue. Ideale Stadt zu bauen gelingen immer nur partiell. Oft sind die Folgen und Wirkungen das Gegenteil von dem, was man erhofft hatte. Und manchmal führen sie sogar in die Katastrophe."

Steinmann: "Trotzdem können und wollen Menschen sich nicht mit der Hoffnung allein zufrieden geben, auf ein Ende der Zeiten, das erst irgendwann alles anders und alles besser werden lässt."

Panzer: "Deshalb ist es ein guter Weg, wenigstens Zeichen zu setzen. Sie halten die Hoffnung wach: In Berlin wurde im September ein Architekturwettbewerb entschieden für ein interreligiöses Bethaus am Petriplatz. Da, wo vermutlich der Kern und Mittelpunkt des alten Berlin gewesen ist, soll es gebaut werden."

Steinmann: "Der Entwurf sieht ein glattes Backsteingebäude vor, das an der Frontseite ohne Fenster auskommt und kantig abgestuft in einen 40 Meter hohen Turm mündet. Erst innen werden die drei Religionen sichtbar: Unter dem horizontalen Dach wölbt sich eine Moscheekuppel, die christliche Kirche läuft zu einem Spitzdach zu. Die Synagoge ist nach Jerusalem ausgerichtet, die Moschee nach Mekka. In die Gebetshäuser gelangt man über einen Gemeinschaftsraum, der den Kern des Gebäudes darstellt. Hier sollen Anhänger der drei Religionen sich begegnen und austauschen."

Panzer: "Vielleicht kann man das ja als einen Versuch verstehen, mitten in der Stadt an die zukünftige, die himmlische Stadt zu erinnern, in der Gott selbst wohnen wird. Der Theologe Fulbert Steffensky meint, dass dies die Funktion der Kirchengebäude in den Städten unserer Zeit sei."

"Je säkularer, ungedeuteter, unbestimmter eine Stadt ist, umso deutlicher sollen die Kirchen sein". [...] Sie "sollen zur Verfügung stehen mit ihren Gebäuden, mit ihrer Sprache, mit ihren alten Gesten für die Zeiten, in denen die Menschen sie brauchen... Damit aber die Kirche zur Verfügung stehen kann, muss sie deutlich und sichtbar sein, deutlich innen und deutlich nach außen." (3)

Steinmann: "Ein bisschen poetischer drückt Reiner Kunze das aus in seinem Gedicht "Die Silhouette von Lübeck":"

"damit die erde hafte am himmel,
schlugen die menschen
kirchtürme in ihn
sieben kupferne nägel,
nicht aufzuwiegen
mit gold
" (4)

Panzer: "Es stimmt wohl: Kirchenbauten und Kirchtürme, Moscheen und Synagogen machen die Welt nicht zu einem himmlischen Ort. Aber die Gotteshäuser halten die Erinnerung fest an die Nähe Gottes. Sie bewahren die Vergangenheit und weisen in die Zukunft. Als sichtbare Hoffnung für uns Menschen."


Musik dieser Sendung:
(1) Gloria sei Dir gesungen, Ton & Amsterdam Baroque Orchestra Koopman, Dialogue Cantatas I
(2) Conditor alme siderum, Rastatter Hofkapelle, Freiburger Chorbuch 2
(3) Shana Haba'ah B'yrushalayim Habnuyah, Paul Zim, Seder nights
(4) Para O Teu Bumbum, Rabih Abou-Khalil, Songs for Sad Women
(5) Let The River Run, OST Working Girl, St. Thomas Choir of Men and Boys
(6) "Wachet auf, ruft uns die Stimme", Jacques Loussier, Best of Jacques Loussier Vol 1
(7) "Wachet auf, ruft uns die Stimme", Ludwig Güttler, Klassische Weihnachtskonzerte der Großen Meister

Literaturangaben:
(1), (2) Alan Posener, Jerusalems Geschichte ist die Geschichte der Welt – Interview mit Simon Sebag Montefiore, Die Welt (Zeitung), 02.10.2012, http://www.welt.de/print/wams/kultur/article13637732/Jerusalems-Geschichte-ist-die-Geschichte-der-Welt.html
(3) Fulbert Steffensky, Schwarzbrotspiritualität, Radius Verlag, Stuttgart 2005
(4) Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Fischer Tb., 9., Auflage 2005


"Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrer Frank-Michael Theuer, Senderbeauftragter für Deutschlandradio, Rundfunkarbeit im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), für den Medienbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland."

Feiertag

ÜbersichtKirchensendungen im Deutschlandfunk Kultur
Ein Paar Kopfhöhrer liegt auf einer Bibel (imago / fotoimedia)

Beiträge aus den katholischen und evangelischen Kirchensendungen finden Sie in unserer Mediathek zum Nachhören. Zusätzliche Informationen gibt es im Internet auf den Seiten des Medienbeauftragten der evangelischen Kirche in Deutschland sowie den Seiten der Hörfunkbeauftragten der Katholischen Kirche.Mehr

Organspende, eine Herzenssache?Wenn der Tod Leben rettet
Portemonnaie mit Organspendeausweis (imago/Steinach)

Organspenden gehen zurück, gleichzeitig steigt der Bedarf. Das Thema wird nicht nur aufgrund des Skandals manipulierter Wartelisten schärfer diskutiert. Stefan Förner spricht im Feiertag über die Erfahrung mit einer Organspende im Freundeskreis.Mehr

weitere Beiträge

Religionen

Kirchen fehlen die KüsterGotteshäuser ohne Hüter
Küster Lutz Pesler putzt das Tausbecken in der Dresdener Frauenkirche. (picture alliance / dpa / Matthias Hiekel)

Sie stauben Engel ab, legen Gesangbücher aus und stellen frische Blumen auf den Altar. Küster oder Mesnerinnen sorgen dafür, dass Gläubige sich in ihrer Kirche wohlfühlen. Trotzdem gibt es immer weniger Geld für ihre Arbeit.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur