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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 29.10.2007

Das "grüne" Silicon Valley

Die Computerindustrie gibt sich umweltfreundlich

Google-Firmensitz (AP)
Google-Firmensitz (AP)

Das Silicon Valley steht ebenso für den rasanten Aufstieg ab den 70er Jahren wie für den tiefen Fall der Computerindustrie im Jahr 2001. Mittlerweile wächst das Valley wieder im alten Tempo – angetrieben von einer neuen Verbindung zwischen Computer- und Umweltindustrie.

Willkommen am Hauptsitz von Google, dem weltweit erfolgreichsten Internet-Unternehmen. Wer hier, 50 Kilometer südlich von San Francisco im Herzen des Silicon Valley, sein Auto abstellt, befindet sich direkt unter Kaliforniens größter Photovoltaik-Anlage. 9212 Solarpanel hat die Suchmaschinenfirma installiert – auf den Dächern von acht Bürogebäuden und als Schattenspender über den Besucherparkplätzen.

"Google bezieht einen ordentlichen Teil des Strombedarfs der Zentrale hier in Mountain View von der Sonne. Das System leistet 1,5-Megawatt, und das ist in der Solarwelt ziemlich viel."

Dan Reicher leitet die Klimaschutzabteilung der Google-Stiftung. Stolz zeigt der Professor mit dem rotblonden Schnauzbart die Kabel, die zwischen den parkenden Autos vom Solardach herunterhängen. Wer ein Elektroauto hat, kann es hier kostenlos aufladen. Seit bekannt wurde, dass schon 80 Suchanfragen bei Google auf dem Weg durch die globalen Datennetze und Serverparks rund eine Kilowattstunde Energie verbrauchen, ist das Internetunternehmen bemüht, dem Stromverschwender-Image entgegen zu arbeiten.

Den Preis der Solaranlage behandelt Google als Geschäftsgeheimnis, sagt Bill Weihl, im Vorstand für Umweltthemen zuständig, doch staatliche Zuschüsse sorgen dafür, dass sie sich in siebeneinhalb Jahren amortisieren wird. Unter dem Solardach parken vier bunte Firmenwagen der Modemarke Toyota Prius, auch sie hängen an einem der Stromkabel. Mit Zusatzbatterien und einem Laptop im Kofferraum hat Google die Benzin-Elektro-Autos nämlich zu sogenannten Plugin-Hybrids aufgerüstet. Sie speichern nicht nur beim Bremsen und Bergabfahren Strom, sondern können auch beim Parken aufgeladen werden. Mit vollen Akkus haben sie dann ganz ohne Benzinverbrauch eine Reichweite von 50 Kilometern – genug für die meisten Berufspendler. Der Clou dabei: Der Stromfluss funktioniert in beide Richtungen. Auf Knopfdruck lassen sich die Plugin-Hybridautos zu Kleinkraftwerken umfunktionieren und speisen dann Strom aus ihrer Batterie zurück ins Netz.

"Was ist daran interessant? Wenn man ein Stromversorger ist, dann gibt es bestimmte Zeiten – zum Beispiel mittags an einem heißen Sommertag – wenn man verzweifelt nach Elektrizität sucht und bereit ist, teuer dafür zu zahlen. Wenn also tausende, zehntausende oder sogar hunderttausende voll geladene Autos angeschlossen sind und der Stromversorger ihnen per Computer einen Deal für die Elektrizität in ihren Akkus anbieten kann, dann ist das eine sehr aufregende Möglichkeit."

Bis zu 3000 Dollar im Jahr könnte ein Autobesitzer mit dem Stromrückverkauf verdienen. 50.000 zusammen geschaltete Plugin-Hybridautos wären in der Lage, eine Stunde lang ein ganzes Atomkraftwerk zu ersetzen. Bisher gibt es die Technik nur als Selbstbauanleitung, doch Toyota, General Motors und Ford haben bereits Serienfahrzeuge angekündigt. Und die Suchmaschinenfirma wittert ein neues Geschäftsfeld.

"Das ist ganz offensichtlich ein Daten-Management-Problem und wir glauben, dass wir einiges anzubieten hätten, um es zu lösen. Diese Woche haben wir zehn Millionen Dollar für Investitionsvorschläge ausgeschrieben. Wir wollen damit testen, wer in der Privatwirtschaft über Plugin-Hybridautos nachdenkt und welche Ideen dabei entstehen, in die wir unser Geld stecken könnten."

Seit 50 Jahren ist die Halbinsel im Süden San Franciscos der Nabel der Computerwelt, jetzt wollen die Silizium verarbeitenden Unternehmen auch die Umwelttechnologie erobern. Die Voraussetzungen sind gut, denn die Maschinen für die Computerchip-Herstellung können auch Photovoltaik-Zellen produzieren. Bryan Hannegan leitet die Umweltabteilung des Forschungsinstituts der amerikanischen Stromwirtschaft in Palo Alto.

"Im Silicon Valley geht sehr viel Energie – und das meine ich nicht als Wortspiel – in das Thema. Von Photovoltaikzellen, die sich unauffällig in Fassaden integrieren lassen, bis hin zu großen Solarkraftwerken zieht die Umwelttechnik gerade sehr viel Kapital an."

40 Prozent der amerikanischen Risikokapitalgesellschaften sind rund um San Francisco konzentriert. Und ein Unternehmen wie Google kann es sich mit seinen zehn Milliarden Dollar Jahresumsatz ohne weiteres leisten, den gesamten Stromverbrauch auf erneuerbare Energie umzustellen.

"2006 haben wir zum ersten Mal unseren gesamten CO2-Ausstoß ermittelt. Für die Emissionen, die wir durch bessere Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energie noch nicht los werden können, investieren wir jetzt zum Ausgleich in glaubwürdige Einsparprogramme. Damit reduzieren wir unseren Treibhauseffekt auf Null."

Doch Google wäre nicht Google, wenn es diese Berechnung einfach veröffentlichen würde. Wie viele Serverparks die Suchmaschinenfirma weltweit betreibt, will Bill Weihl ebenso wenig mitteilen wie die Höhe des gesamten Stromverbrauchs.

"Das ist eine Zahl, die wir nicht offenlegen wollen. Aber wir haben unseren CO2-Ausstoß vom Environmental Trust testieren lassen. Sie haben bestätigt, dass unsere Berechnungen stimmen. Wenn ich Ihnen nun sagen würde: Wir verbrauchen 10 Watt, dann könnten Sie’s ja auch nicht überprüfen, oder?"

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