Das Feature, vom 12.12.2008, 00:00 Uhr

Das Gespenst Freiheit

Wenn der Knast zum Zuhause wird
Von Paula Schneider

Am ersten Tag hockt der inhaftierte Mensch gelähmt im Bauch des mächtigen Feindes JVA. Am 50. Tag haut er gegen die Wand, nach dem 500. Tag hat er sich irgendwie eingerichtet in der eisernen Sorglosigkeit. An der Wand die Karikatur: "Papa will lieber rein, aber Mama bräuchte ihn eigentlich draußen."

Die Hände eines Gefangenen ragen in der Jugendstrafanstalt Berlin aus dem Zellenfenster. (AP)
Die Hände eines Gefangenen ragen in der Jugendstrafanstalt Berlin aus dem Zellenfenster. (AP)

Es gibt Obdachlose, die jeden Winter ins Gefängnis ziehen. Oder Einzelgänger mit düsterer Vita, die ihre Arbeit in Tegel mehr lieben als ein mögliches Haftende. Es gibt sogar den nicht Kriminellen, nur Unglücklichen, der einen Anwalt fragt, wie man am schnellsten mal für ein oder zwei Jahre ins Gefängnis ziehen kann: als wär es ein Sanatorium. Und unvermittelt ist ein junges Mädchen in der engen Zelle bei sich selbst zu Hause.

Auch Liebe bindet manchmal an den Knast. Mit Raum für Ramadan, fürs Geldverdienen. Für Hoffnung, Kleinkinder, Romantik. Die angeknackste Seele baumeln lassen im Justizkorsett? Plötzliche Entlassungen kommen jedenfalls selten gut an.

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Das Gespenst Freiheit. Wenn der Knast zum Zuhause wird (PDF)
Das Gespenst Freiheit. Wenn der Knast zum Zuhause wird (Text)

 

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