Hörspiel, vom 14.01.2000, 00:00 Uhr

Das FeatureMütterchen Wolga - ein russischer Mythos

Karla Hielscher

1907 schreibt der Schriftsteller Wassilij Rosanow: "Mütterchen Wolga... So empfand das Volk die Wolga wegen ihres kollektiven, vielfältigen, sich aufopfernden und gebärenden Wesens. Wir sind ihre Kinder; wir nähren uns von ihr."

Die Wolga ist zu einem Mythos geworden, in dem Russlands Identität aufgehoben scheint. Dieses Bild der Wolga als Verkörperung des russischen Wesens wird jedoch von charakteristischen Gegensätzen bestimmt.

Mit dem Wolga-Mythos in Folklore und Literatur ist nämlich nicht nur die Vorstellung des Mütterlich-Nährenden, des Fruchtbaren verbunden, sondern immer auch die von der wilden Weite und Freiheit der Landschaft, vom unermesslichen, schrankenlosen Raum. Und im Bild der unbeherrschbaren, gewaltigen Überschwemmungen werden Ungebundenheit und elementare Zügellosigkeit der Wolga beschworen. Dies sind Züge, die immer wieder auch mit dem russischen Nationalcharakter verbunden werden.

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