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Breitband | Beitrag vom 07.03.2020

Das Coronavirus in den sozialen MedienWenn Informationen anstecken

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Eine Frau mit Atemmaske benutzt ihr Smartphone. (Getty Images /  Emanuele Cremaschi)
Norditalien wird gesperrt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern (Getty Images / Emanuele Cremaschi)

Das Coronavirus breitet sich weiter aus – sowohl biologisch, aber auch digital in den Medien und sozialen Netzwerken. Man könnte auch sagen: Das Virus geht viral. Was haben biologische und digitale Infektionen gemeinsam?

Täglich werden wir mit neuen Meldungen über das Coronavirus bombardiert. Vieles hört sich so abstrus an, dass wir selber kaum mehr wissen, was stimmt: Denn auch Halbwissen und Desinformation verbreiten sich viral.

Auch ein Sprachbild könne eine Art Krankheitseffekt haben. Zumindest gebe es eine starke Analogie, sagt der Medienwissenschaftler Rolf Nohr. Denn Sprache ist nicht nur Immaterielles, sondern etwas, was die Wirklichkeit verändern kann.

Ein Ohrwurm funktioniert wie ein Virus

Der Professor für Medienästhetik an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig erklärt: "Sprache kann in meinen Körper eindringen, mich verändern, mich umschreiben und Sprache kann vor allem mehr sein, als das Subjekt. Die Sprache löst sich von mir als Sprechendem und wird dadurch größer als ich. Und das ist die Brücke in die Medien hinein."

Wie Ansteckung auch auf sprachlicher Ebene funktionieren kann, verdeutlicht Nohr mit dem Beispiel eines Ohrwurms und nennt dafür das eingängige Lied der Muppet Show "Mahna Mahna".

Das Coronavirus führe uns zur Zeit vor die Augen, wie der Staat sich das Gewaltmonopol zurücknehme, zum Beispiel Quarantäne verordne, und auch sagen könne: "Ich wende symbolische oder reale Gewalt an, um die Gesellschaft und die Gemeinschaft zu schützen, im Zweifelsfall zu Lasten des Individuums."

In Bezug auf den Vergleich zwischen Virus und viraler Desinformationen bedeute das: Im übertragenen Sinn könne man die Reaktion des Staats auf das Virus mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Desinformation in den sozialen Medien gleichsetzen.

Rolf Nohr im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen (JACOBY Fotodesign © Holger Jacoby)Rolf Nohr, Professor für Medienästhetik an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (JACOBY Fotodesign © Holger Jacoby)

"Das fordert uns natürlich in dem Moment heraus, wenn wir merken, dass Meinungen, Informationen, Nachrichten, Aussagen und Positionen auch ungerichtet durcheinander gehen und sich viral vermehren. Dann wird uns klar, dass diese Freiheit vielleicht auch ihren Preis hat."

Doch der Medienwissenschaftler betont in diesem Fall das aktive und positive Potential der Gesellschaft: "Das ist genau der Punkt, der dann spannend wird, weil wir uns da vergewissern müssen: Was sind unsere Normen? Da müssen Regeln neu erfunden werden, das ist alles richtig, aber im großen Ganzen ist das etwas, was wir als Gesellschaft schaffen können."

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