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Lesart / Archiv | Beitrag vom 15.04.2019

Das Buch meines LebensAbaelard: "Der Briefwechsel mit Heloisa"

Von Anna Gien

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Anna Gien schaut in die Kamera. Im Hintergrund sind aufgeschlagene Buchseiten in der Nahaufnahme. (Julien Menand)
Anna Gien (Julien Menand)

Für die Autorin Anna Gien ("M") ist der mittelalterliche Briefwechsel zwischen dem Mönch Abaelard und seiner Schülerin Heloisa mehr als eine tragische Liebesgeschichte. Er erklärte ihr in jungen Jahren die Unsterblichkeit der Liebe.

Ich habe zusammen mit Marlene Stark den Roman "M" geschrieben. Den Briefwechsel zwischen Abaelard und Heloisa habe ich zum ersten Mal gelesen, als ich noch sehr jung war. Ich habe es in einer Zeit gelesen, in der ich noch dachte, man müsse zweiwöchige Peeling-Marathons machen, um seinen Schwarm auf sich aufmerksam zu machen. Alles, was ich über Liebe wusste, war aus Mädchenzeitschriften oder Teenie-Fiktion.

Unsterblichkeit in Literatur und Liebe

Das Buch hat mich – ich würde sagen – ziemlich krass umgehauen, weil darin ein Szenario geschildert wird, was so etwas ist wie eine post-katastrophische Liebe. Eine Liebe, die im Vollzug gescheitert ist.

Nachdem die heimliche Affäre zwischen Abaelard und Heloisa herauskam, mussten sie sich trennen. Heloisa‘ Onkel Flaubert hat aus Rache Abaelard kastriert, woraufhin beide in Klöster gezogen sind. In dieser Zeit begann dann der Briefwechsel.

Der ist eigentlich so etwas wie eine unbedingte Fiktion, in der man nachvollziehen kann, dass Liebe nur dann, wenn sie in dieser Art und Weise nicht vollzogen wird, gescheitert oder Kunst geworden ist. Das ist es, was man von Literatur und Liebe gleichermaßen erwartet, und zwar: Unsterblichkeit.

Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa
Reclam Verlag, Taschenbuch, 2001

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