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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.03.2012

"Das Buch der hängenden Gärten"

Arnold Schönberg: Alle Lieder (Teil 1/4)

Arnold Schönberg im Jahr 1944 (AP Archiv)
Arnold Schönberg im Jahr 1944 (AP Archiv)

Zwölftonmusik – dieses Schlagwort wird Arnold Schönberg nicht mehr los. Zahlreiche Werke des Pioniers der Moderne werden damit ignoriert, etwa seine Kompositionen für Stimme und Klavier. In einer vierteiligen Reihe stellen wir die erste vollständige Einspielung aller Schönberg-Lieder vor – eine Produktion von Deutschlandradio Kultur.

Es war ein langer Weg zur Zwölftonmusik. Und im Werk von Arnold Schönberg wird er gesäumt von Klassizismus, Spätromantik und Expressionismus – Stilrichtungen, auf die Schönberg auch als angeblicher Ultra-Modernist noch gelegentlich zurückgriff. Lieder für Stimme und Klavier sind die bislang am wenigsten bekannte Werkgruppe des Komponisten – dabei dokumentiert gerade sie die künstlerische Entwicklung Schönbergs besonders eindringlich. Gemeinsam mit dem Pianisten Urs Liska sowie renommierten Liedersängern hat Deutschlandradio Kultur in mehrjähriger Arbeit nun die erste vollständige Aufnahme aller Schönberg-Lieder realisiert. Diese Produktion wird demnächst auch in einer 4-CD-Box von Capriccio erhältlich sein – inbegriffen sind rund 90 Minuten Ersteinspielungen und mancher Fund, der Schönberg nicht als kühl kalkulierenden Klischee-Modernisten zeigt. Vielmehr erweist er sich hier als begnadeter musikalischer Lyriker, der – wie er selbst sagte – "berauscht vom Anfangsklang der ersten Textworte" ans Werk ging.

In dieser ersten von vier Sendungen hören wir Urs Liska, wie er mit dem Bariton Konrad Jarnot durch nachgelassene frühe Lieder über die ersten Werkgruppen mit Opuszahlen bis zu Schönbergs Meisterwerk in diesem Genre vorstößt, dem Zyklus "Das Buch der hängenden Gärten" op. 15 nach Stefan George. Dieses Werk aus den Jahren 1908/09 stellt einen Höhe- und Wendepunkt in Schönbergs Schaffen dar; es etablierte die frei schwebende Atonalität im Gewand von Georges formvollendetem Ästhetizismus und bereicherte das Repertoire um einen Zyklus von dem Gewicht der großen Vorgängerwerke Schuberts, Schumanns und Wolfs. Noch im spätromantischen Tonfall gehalten sind dagegen die Liedsammlungen mit den Opuszahlen 2 und 3, in denen Schönberg alle Register der musikalischen Charakterzeichnung zog – vom angriffslustigen Sarkasmus bis zu inniger Emphase.
http://www.schoenberg-lieder.de/


Die besondere Aufnahme
Arnold Schönberg: Sämtliche Lieder (Teil 1/4)

Nachgelassene Lieder

Vier Lieder op. 2
Sechs Lieder op. 3
"Das Buch der hängenden Gärten" op. 15

Konrad Jarnot, Bariton
Urs Liska, Klavier

Produktion: Deutschlandradio Kultur 2010-2011

Studiogast: Urs Liska
Moderation: Olaf Wilhelmer

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