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Lesart / Archiv | Beitrag vom 21.02.2017

Daniel Schreiber: "Zuhause"Der Ort, an dem wir bleiben wollen

Daniel Schreiber im Gespräch mit Frank Meyer

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Autor und Journalist Daniel Schreiber (Olaf Becker)
Autor und Journalist Daniel Schreiber (Olaf Becker)

Das dominante Gefühl vieler Menschen derzeit sei Entwurzelung, meint der Autor und Kunstkritiker Daniel Schreiber. In seinem Essay "Zuhause" lotet er die Möglichkeiten aus, wie unter diesen Bedingungen ein "Zuhause-Gefühl" entstehen kann.

Daniel Schreiber wuchs zu DDR-Zeiten in Mecklenburg-Vorpommern auf. Bereits als Kind wusste er, dass er schwul ist. "Und in einem sehr kleinen Dorf war das ein großes Problem, um es positiv auszudrücken", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Heimatgefühl oder auch nur das Gefühl, zuhause zu sein, kommt unter solchen Bedingungen kaum auf. Was es bedeutet, "zuhause" zu sein und wie dieses Gefühl entstehen kann, thematisiert Schreiber in seinem Essay "Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen".

Problematischer Heimatbegriff

"Das Buch ist so eine Mischung aus intellektuellen Überlegungen und persönlichen Erzählungen", so Schreiber. Auch mit dem romantischen Heimatbegriff setzt er sich darin auseinander. Dieser sei von Anfang an problematisch gewesen, weil er seit seinem Aufkommen Ende des 18. Jahrhunderts etwas beschrieben habe, was bereits damals nicht mehr existiert habe.

"Das war eine Reaktion auf Landflucht, auf Industrialisierung, auf ein Kleinstaaten-Deutschland, das immer wieder verschiedene Identitäten übergestülpt bekommen hat in verschiedenen Kriegen. Und diese Nostalgie, die damals schon eingesetzt hat, beschrieb schon etwas, das nie existiert hat, diese mystische Heimat. Und das schwingt in dem Begriff bis heute mit."

Dominierendes Zeitgefühl: Entwurzelung

Auch heute müsse man sich wegen der verstärkten Entwurzelung wieder mehr damit auseinandersetzen, wohin man gehöre, betont Schreiber. Ihm persönlich fällt eine klare Antwort auf die Frage schwer, was für ihn "Zuhause" sei: "Wenn Sie mich drauf festnageln wollen würden, dann würde ich sagen, dass Zuhause eine innere Bindung an einen Ort und an die Menschen, die an diesem Ort leben, ist." (uko)

Daniel Schreiber: "Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen"
Verlag Hanser Berlin 2017
144 Seiten, 18 Euro

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