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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 06.04.2008

Daniel Düsentriebs Traum

Die Internationale Erfindermesse in Genf

Von Thomas Wagner

Die Fußmaus - eine sinnvolle Erfindung? (www.iena.de)
Die Fußmaus - eine sinnvolle Erfindung? (www.iena.de)

Ein einzigartiger Käsebohrer, eine Pfeife ohne Rauch und ein Wagen, der von Pferden geschoben statt gezogen wird - auf der Erfindermesse in Genf sind Ideen, Konzepte, vor allem aber Kuriositäten zu entdecken, die von Genies und Erfindern im stillen Kämmerlein ausgetüftelt wurden.

Das Ding sieht auf den ersten Blick aus wie eine Art Schraubstock. Doch wenn André Lehmann den kleinen Elektromotor betätigt, bohrt sich von oben eine kleine Metallsonde in das hinein, was den Schweizern hoch und heilig ist: In ein Stück Schweizer Käse nämlich.

"Über diesem Weichkäse gibt es eine Sonde. Und dann wird die durch einen Motor nach unten gefahren. Das heißt: Diese Sonde wird durch die Oberfläche des Weichkäses penetriert. Und dann geht es durch die innere Struktur des Käses. Damit kann man zeigen, wie die Struktur des Käses ist."

André Lehmann vom Westschweizer Ingenieurbüro "Solutech" hat mit seiner 'Käse-Prüfmaschine’ das 'Ei des Columbus’ gefunden. Seit Jahr und Tag quälte ihn und seine Kollegen die Frage: Wie kann man sicher sein, dass ein Käse auch wirklich ein guter Käse ist? Das Ergebnis ist jener Versuchaufbau, den der Schweizer auf der Erfindermesse in Genf vorstellte. Nicht nur, dass sich die Sonde von oben ganz langsam in den Käse hineinbohrt - ein empfindlicher Sensor unterhalb des Käses misst genau den Gegendruck, den der Käse zur Sonde aufbaut. Und dabei gilt die Faustregel: Je älter der Käse, desto stärker der Gegendruck. Anhand von Vergleichswerten lässt sich damit genau das Alter des Käses bestimmen. Das Prinzip funktioniert nicht nur beim Käse, weiß André Lehmann:

"Es geht auch zum Beispiel für Marmelade, Joghurt, Früchte, Äpfel, also für eine relativ große Breite von Lebensmittelprodukten."

Die Mitarbeiter von "Solutech" können sich ihre Erfindung vor allem in der Lebensmittelüberwachung vorstellen. Ein paar Stände weiter zeigen Erfinder aus dem russischen Magnetagorsk Tabakpfeifen in verschiedensten Größenordnungen - Pfeifen, die aber ohne Tabak funktionieren. Valerie Knischan, Sprecher der russischen Erfindergruppe:

"Was wir hier tun, ist: Rauchen - ohne Rauch. In diesen Pfeifen hier befinden sich kleine Nikotinkapseln im Inneren. Die werden vom winzigen Heizchip erwärmt; der Strom dazu kommt von Batterien. Und wenn Sie jetzt die Pfeife einschalten, können sie das Nikotin inhalieren. Und sie spüren das gleiche, wie wenn Sie ganz normal Pfeife rauchen würden."

Mit ihrer Erfindung wollen die Russen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Starken Rauchern verbleibt nach wie vor der Nikotingenuss. Und dennoch inhalieren sie beim Rauchen keine Schadstoffe mehr. Nicht nur in Pfeifen, sondern auch in Zigaretten, Zigarillos und Zigarren könnte sich Valerie Knischan die beheizten Nikotin-Chips vorstellen.

"Ich hoffe, dass wir in Zukunft etwa zehn Prozent aller Raucher für unser System begeistern können. Das ist unser ehrgeiziges Ziel."

Ob der Erfinder Hadi Mirhejazi aus Dubai hingegen zehn Prozent aller Autos mit seinem "Fleethorse" ersetzen wird, erscheint allerdings eher fraglich. "Fleethorse" ist, wie in der guten alten Potschkutschen-Zeit, ein Fahrzeug, das mit einem leibhaftigen Pferd betrieben wird.

"Aber das Pferd habe ich nicht vor das Fahrzeug gespannt. Das Pferd steht hinten, im Fahrzeug selbst. Und es läuft nicht über die Straße, sondern über ein eine Art Förderband im Fahrzeuginneren. Dadurch, dass das Pferd ständig über dieses Band läuft, treibt dieses Band die Räder des Fahrzeuges an."

Wer die Abbildungen des Prototyps sieht, glaubt zunächst an einen schlechten Scherz: "Fleet Horse" sieht aus wie ein gläserner Kleinbus. Vorne sitzt der Fahrer, hinten steht das Pferd und treibt wie ein Motor das Förderband an. Gegenüber der herkömmlichen Kutsche sieht Erfinder Hadi Mirhejazi eine Fülle von Vorteilen:

"Schauen Sie, mit diesem Fahrzeug können sie viel schneller fahren als die Höchstgeschwindigkeit des Pferdes an sich. Denn die Kraft des Pferdes wird über das Antriebsband auf ein Getriebe übertragen. Und damit können wir die Leistung des Pferdes immer an die Geschwindigkeit des Fahrzeuges anpassen."

Dass zukünftig riesige Fleethorse-Kolonnen über Straßen und Autobahnen rollen, hält selbst der Erfinder für wenig realistisch. Dennoch sieht er einen Markt für seine Entwicklung:

"Das Fahrzeug ist doch ideal als Werbteträger. Stellen Sie sich vor: Sie sehen dieses Fahrzeug mit dem galoppierenden Pferd hinten drin auf der Straße. Dann haben wir noch ein paar Werbebanner drauf. Und jetzt mal ehrlich: So einen Anblick können Sie doch eine halbe Ewigkeit nicht mehr vergessen!"

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