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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.10.2016

Dani Levy Re-Animateur der deutsch-jüdischen Filmkomödie

Moderation: Katrin Heise

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Dani Levy im Studio von Deutschlandradio Kultur am 10. Oktober 2016. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)
Dani Levy im Studio von Deutschlandradio Kultur am 10. Oktober 2016. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

Dani Levy hat uns schon so manche Komödie beschert. Eine alleinerziehende Mutter steht im Mittelpunkt seines neuesten Films "Die Welt der Wunderlichs", der am Donnerstag in die Kinos kommt. Wie er zu seinen Filmstoffen kommt, darüber sprechen wir mit dem Regisseur.

Geboren in der Schweiz, träumte der Sohn deutsch-jüdischer Eltern zunächst vom Zirkus. Schon als Kind schaffte er es, der Weißclown bei einem Kinder-und Jugend-Zirkus zu werden.

Danach standen andere Künste im Vordergrund: Dani Levy wurde Stück für Stück zum Allrounder im Filmbusiness. Der 58-Jährige tritt als Schauspieler auf Bühnen und im Film auf, er schreibt Drehbücher und führt Regie in zahlreichen deutschen Filmkomödien, und seit über 20 Jahren ist er Miteigentümer einer Film-Produktionsfirma in Berlin.

Wiederbelebung des jüdischen Humors

Den Durchbruch schaffte er 2005, als er für die Filmkomödie "Alles auf Zucker" sechs Kategorien des Deutschen Filmpreises gewann und ihm der renommierte Ernst-Lubitsch-Preis verliehen wurde. Die Wiederbelebung des jüdischen Humors im deutschen Film gilt als sein großer Verdienst.

Seiner Ansicht nach  sollten  Komödien auch vor tragischen Themen nicht Halt machen:

"Letztendlich hat die Komödie das Recht, überall einzudringen. Die Komödie hat auch etwas Kathartisches. Aber ich bin da doch relativ streng und moralisch, wenn es darum geht, dass ich überhaupt nicht mag, wenn eine Komödie sich in irgendeiner Form lustig macht, oder wenn eine Komödie über Opfer ist. Aber die Wunderlichs sind keine Opfer, im Gegenteil, das ist eine sehr selbstbewusste, sehr starke, anstrengende und mühselige Familie."

Das Thema Familie zieht sich wie ein roter Faden durch die Filme von Dani Levy: "Familie ist eine Lebensaufgabe."

Eine zweite Familie fand Levy bei der Theatergruppe "Rote Grütze" in Berlin, wo er als junger Mann nicht nur in die Theaterarbeit einstieg sondern auch gleich in die WG einzog.

"Das war auf jeden Fall eine ganz prägende, super verunsichernde und sehr anstrengende Zeit. Ich kam ja aus der Schweiz aus einer sehr schweigsamen Familie, die sehr wenig über Persönliches gesprochen hat (…) und bin dann in dieses gruppendynamische Pulverfass gefallen."

"Du mich auch" wird ein Riesen-Erfolg

Den anfänglichen Schwierigkeiten zum Trotz gibt die neue Umgebung genug Kraft, sich den ersten eigenen Film zu erkämpfen: "Du mich auch" wird ein Riesen-Erfolg und zum Kultfilm. Es folgen zahlreiche weitere Filme, die, zumindest, was die Finanzierung betrifft, immer wieder neu erkämpft werden müssen.

Trotz aller positiven Erfahrungen und Erfolge, beschleicht ihn vor jeder Premiere immer noch die Angst, dass keiner kommt:

"Das träume ich auch immer wieder (…). Ich habe ja dann Theater gespielt, und da gab es viele Dinge, die immer ausverkauft waren, aber das ist etwas, dass mich seit den Zirkus-Tagen verfolgt."

Aber als "alter Hippie", der er sei, stehe er all diese Zweifel im Kollektiv durch, und scheue darum auch vor Experimenten nicht zurück: E wird alles ausprobiert und dabei gelernt - "Wird schon gut gehen!"

 

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