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Tonart | Beitrag vom 28.04.2021

Danger Dans Album "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt"Rabiat am Klavier

Danger Dan im Gespräch mit Vivian Perkovic

Porträt von Danger Dan am Keyboard. (Jaro Suffner)
Der Rapper Danger Dan hat etwas fast Unmögliches versucht: Ein unkitschiges Klavieralbum auf Deutsch zu produzieren. (Jaro Suffner)

Mit der Single "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" hat Danger Dan es geschafft, dass sogar Igor Levit seinen Song spielt. Jetzt erscheint das gleichnamige Album. Glückt dem Skandalrapper der Sprung zum politischen Liedermacher?

Politische Liedermacher in Deutschland haben es schwer. Während in den USA Namen wie Bob Dylan und Stevie Wonder mit Stolz genannt werden, bewegt sich hierzulande maximal Rio Reiser auf diesem Level.

Der Kindheitstraum vom Klavieralbum

Es ist also ein schwieriges Gefilde, in das sich Danger Dan, den man sonst als Rapper der Antilopen Gang kennt, mit seinem Klavieralbum "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" wagt. Mit dem Album erfüllte er sich einen Kindheitstraum:

"Ich spiele Klavier, seit ich sechs Jahre alt bin. Mit sechs habe ich auch schon angefangen, kleine Liedchen zu schreiben. Und ich hatte immer vor, mal ein Klavieralbum zu machen, um ein Repertoire zu haben, aus dem ich abends etwas vorspielen kann. Aber ich fand es super anstrengend, immer zu üben und Sachen zu erfinden. Deswegen hat das 30 Jahre länger gedauert. Aber immerhin: Nach 30 Jahren habe ich es jetzt geschafft."

Die Single, dem das Album seinen Titel verdankt, hat im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Danger Dan teilt darin mit harten Worten gegen Alexander Gauland, Götz Kubitschek und Ken Jebsen aus – und ruft am Ende sogar zur Militanz auf.

Gegen Faktenresistenz nicht anreden

Der Sänger will damit allerdings explizit nicht den Austausch von Meinungen infrage stellen. Er glaubt allerdings, dass die falschen Ansichten häufig am meisten Gehör finden. Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass man lieber Betroffenen von Rassismus zuhören hätte sollen als den Dresdner Montagsdemos, sagt er.

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Er habe klarmachen wollen, dass manche Menschen durchaus so faktenresistent seien, dass man nicht mehr mit ihnen reden könne. Von diesen wolle er sich mit dem Song abgrenzen.

Den Kitschpegel genau im Blick

Doch nicht nur in "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" zeigt sich die Platte eher rau. So heißt ein anderer Song "Ich verprügelte die Sextouristen in Bangkok". Voller Liebe ist das Album also nicht. Kein Zufall, sagt Danger Dan:

"Ich finde schon das ganze Konzept 'Mann sitzt am Klavier und singt ein Lied' – im besten Fall auch noch Balladen – erst mal kritisch. Das wird ganz schnell so schmierig, dass ich das nicht mehr aushalte, und so jemand nicht sein will. Gerade wenn man dann in Phrasendreschereien abdriften würde, wäre es problematisch."

Deshalb habe er sich beim Schreiben auch sehr limitiert gefühlt und bewusst aufgepasst, wie viel Kitsch er zulässt. Und dennoch:

"Ich glaube, das ist für meine Verhältnisse sogar sehr viel. Aber ich finde, das passt eigentlich ganz gut. Wenn man schon Klavier spielt und singt, dann finde ich das auch völlig in Ordnung, ein bisschen rabiater zu werden."

(hte)

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