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Interview | Beitrag vom 15.09.2020

DAK-Report zu psychischen ErkrankungenMehr Krankschreibungen, wenn die Seele schmerzt

Andreas Meyer-Lindenberg im Gespräch mit Julius Stucke

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Illustrationsfoto zum Thema Depressionen: Eine Frau kauert auf einer Treppe. Das Foto zeigt sie von oben. Sie hat die Arme um ihren Körper geschlungen. Foto: Frank May/picture alliance (model released) | Verwendung weltweit (picture alliance / Frank May)
Psychisch Kranke werden heute nicht mehr automatisch stigmatisiert. (picture alliance / Frank May)

Laut dem aktuellen DAK-"Psychoreport 2019" gibt es so viele Krankschreibungen aufgrund psychischer Störungen wie noch nie. Der Umgang mit seelischen Erkrankungen sei offener und vorurteilsfreier geworden, sagt der Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg.

Die Krankenkasse DAK hat für ihren Psychoreport 2019 Daten von zwei Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Der Bericht stellt fest, dass der Anteil psychischer Erkrankungen als Grund für Krankschreibungen erneut deutlich gestiegen ist. An der Spitze liegen dabei Frauen über 60.  Aber auch Männer dieser Altersgruppe weisen eine deutlich höhere Gefährdung auf und je älter die Menschen sind, umso länger fallen sie wegen psychischer Krankheiten aus. 

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Die meisten der Betroffenen – 80 Prozent – leiden an Depressionen. "Jeder Vierte bis Fünfte in Deuschland leidet an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung", sagt der Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg. Der Grund für den im Report dokumentierten Anstieg der Krankschreibungen liegt für den Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim vor allem in dem sich wandelnden Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Weniger Stigmatisierung für psychisch Kranke

Stigmatisierung und innere Distanz zur Erkrankung hätten in den zurückliegenden Jahrzehnten abgenommen – so, und nicht unbedingt, weil mehr Menschen erkrankten, sei zu erklären, warum es mehr Krankschreibungen gebe, erläutert Meyer-Lindenberg. Was heute offen als "Angststörung" benannt werde, sei früher vielfach mit "Magenbeschwerden" umschrieben worden.

Dennoch gibt es laut dem Psychiater noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Noch immer werde eher von "psychischen Problemen" gesprochen als das Wort "Krankheit" in den Mund genommen.

Was die Auswirkungen der Coronapandemie auf psychisch instabile Menschen anbelange, so seien jene, die etwa schon unter einer posttraumatischen Belastungsstörung oder unter der sozialen Isolation litten, besonders gefährdet.

Gezielt soziale Kontakte pflegen

In solchen Fälle empfiehlt Meyer-Lindenberg, gezielt bestehende soziale Kontakte zu pflegen oder neue zu suchen. Zudem bekämen Hilfesuchende auch über die Fachgesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik nützliche Handreichungen, um die Krise zu überstehen.

Harte Zahlen über die psychologischen Folgen der Pandemie liegen aber noch nicht vor.

(mkn)

Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen, Suizidgefährdete und ihre Angehörigen: Wenn Sie sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen. Hilfe bietet unter anderem die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800-1110111 (kostenfrei) und 0800-1110222 (kostenfrei) oder online unter https://www.telefonseelsorge.de. Eine Liste mit bundesweiten Beratungsstellen gibt es unter https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen.

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