Hörspiel, vom 10.01.2021, 18:30 Uhr

Dada-Hörspiel nach Hugo BallBall-Spiele oder Im Herzen der Worte

Zwölf Klangtableaus - Nach dem Roman "Tenderenda der Phantast"
Von Hugo Ball
Hugo Ball beim Vortrag seiner "Verse ohne Worte" in selbstgefertigtem kubistischem Kostüm.  (picture-alliance / akg-images)
Hugo Balls DADA-Roman ist der Entwurf einer magisch-anarchischen Welt. (picture-alliance / akg-images)

"Die Nervensysteme sind äußerst sensibel geworden. Absoluter Tanz, absolute Poesie, absolute Kunst –gemeint ist, daß ein Minimum von Eindrücken genügt, um außergewöhnliche Bildformen hervorzurufen. Alle Welt ist medial geworden: vor Angst, vor Schreck, vor Qual, oder weil es keine Gesetze mehr gibt – wer weiß es?" Der Dada-Begründer Hugo Ball, der dies mitten im Ersten Weltkrieg notierte, hatte sich in einem Romanprojekt seine eigene Reaktionsform für die Zeitläufte geschaffen, für die es keinen gemeinsamen Nenner gab. Bizarr und phantastisch, beängstigend und mit schallendem Gelächter, weihevoll ausschreitend und ins Leere tappend, salbungsvoll und mit mokanter Ironie agieren die Figuren auf diesen spiegelglatten Erzähltableaus, lassen die Worte purzeln und fangen sie auf. Gegen die Autorität des Tatsächlichen haben diese Verbalartisten und verzweifelten Weltverdreher vieles einzuwenden. Der episodenreiche Roman wurde für den publizistisch engagierten Kriegsgegner Hugo Ball nach Kriegsausbruch zum inneren Kaleidoskop der Jahre 1914–1920. Der Text gilt als das "geheime Vermächtnis" Dadas.

Die Produktion wurde im September 2000 als Hörspiel des Monats ausgezeichnet.


Ball-Spiele oder Im Herzen der Worte
Zwölf Klangtableaus
Nach dem Roman "Tenderenda der Phantast"
Von Hugo Ball
Bearbeitung und Regie: Heinz von Cramer
Mit: Rosemarie Gerstenberg, Christine Heiß, Maren Kroymann, Ulla Willick, Hüseyin Cirpici, Hans Diehl, Reinhart Firchow, Philipp Schepmann, Charles Wirths
Ton und Technik: Klaus Höness, Birgit Schilling
Produktion: SWF/DLR Berlin 2000
Länge: 88'55


Hugo Ball (1886–1927), Dichter, Schauspieler und Dramaturg, Mitbegründer des Dadaismus. Er war vor Kriegsausbruch Dramaturg der Münchner Kammerspiele. 1915 emigrierte er nach Zürich, wo er mit Hans Arp, Tristan Tzara und Marcel Janco das Cabaret Voltaire gründete, aus dem die Dada-Bewegung entstand. 1918 erschien sein Roman "Flametti", der 1999 auch fürs Hörspiel adaptiert wurde. Er arbeitete bis 1920 als politischer Publizist in Bern, dann als Schriftsteller im Tessin und in Italien.

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