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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.06.2017

Cyberkrieg Neue Einheit von Nerds bei der Bundeswehr

Marcel Dickow im Gespräch mit Ute Welty

Auf einem Laptopbildschirm wird das Wort "Virus" angezeigt. (dpa /  Monika Skolimowska)
Cyberattacken als MIttel der Kriegsführung stellen die Bundeswehr vor neue Herausforderungen (dpa / Monika Skolimowska)

Die Cyberarmee der Bundeswehr nimmt ab heute Gestalt an. Der Experte für Sicherheitspolitik, Marcel Dickow, hält das Militär für gut aufgestellt, aber es sei in der Konkurrenz zu Start-ups nicht leicht, innovative IT-Spezialisten anzulocken.

Mehr als 13.000 Soldaten werden ab 1. Juli offiziell einer neuen IT-Truppe der Bundeswehr unterstellt. Heute feiern sie den Startschuss in Bonn mit einem großen Appell. Die IT-Experten sollen Cyberangriffe abwehren und eigene Angriffe starten können, sagte Marcel Dickow, Experte für Sicherheitspolitik der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) im Deutschlandfunk Kultur. "In der Tat wissen wir nicht so genau, wie sich die Bundesregierung und die Bundeswehr  den Cyberkrieg vorstellen", sagte Dickow. Im Weißbuch der Bundeswehr 2016 sei dazu alles aufgeschrieben, aber es bleibe relativ vage.

Cyberattacken im konventionellen Krieg

"Klar ist, dass die Bundeswehr sich einen alleinigen Cyberkrieg, der nur im Cyberraum ausgetragen wird, nicht vorstellen kann." Die neue Teilstreitkraft sei für den Einsatz in einer konventionellen Kriegsführung gedacht, der aber auch im Informationsraum ausgetragen werde. Für einen solchen Fall seien Angriffe auf die Infrastruktur der Bundeswehr zu erwarten, aber auch auf die zivile Infrastruktur, sagte Dickow. Dann müsse die Bundeswehr sich verteidigen, aber unter Umständen auch zurückschlagen.  

Dilemma der Sicherheitslücken

"Wir haben hier natürlich einen strategischen Zielkonflikt" sagte der SWP-Experte. Um selbst angreifen zu können, müsse man die Sicherheitslücken des Gegners kennen und gezielt ausnützen. Das Dilemma liege aber darin, dass diese gleichen Sicherheitslücken auch andere beträfen und eigentlich geschlossen werden müssten. "Wie die Bundeswehr und die Bundesregierung damit umgehen will, ist nicht ausbuchstabiert." Deshalb sei die Konzeption für den Cyberkrieg noch sehr vage.

Schwierige Konkurrenz

Die Bundeswehr sei bei Cyberthemen relativ gut aufgestellt, sagte Dickow. "Es ist eben ein sehr großes Unternehmen mit einer sehr komplexen IT." Wer seine eigenen Netze verteidigen wolle, müsse ständig auf dem Laufenden sein, das Personal weiterbilden und junge, innovative Leute anlocken. "Das ist keine leichte Aufgabe und da tut sich die Bundeswehr schwerer, also so manches andere Unternehmen." Die Bezahlung im öffentlichen Dienst könne mit der freien Wirtschaft nicht mithalten. Außerdem habe es  eine Behörde in Konkurrenz zu Start-ups schwer, die einen anderen Geist vermittelten.  

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