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Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.08.2017

Crusell Musikfestival Ein Meer des Friedens

Aufzeichnung aus dem finnischen Uusikaupunki

Das Trio ZPR mit Cecilia Zilliacus, Violine, Johanna Persson, Viola, und Kati Raitinen, Violoncello (Jan-Olav Wedin/Website ZPR Trio)
Das ZPR Trio gastierte ebenfalls in Uusikaupunki (Jan-Olav Wedin/Website ZPR Trio)

Exquisite Kammermusik, zumeist für Bläser, steht alljährlich beim Crusell-Musikfestival in Uusikaupunki in Finnland auf dem Programm. An diesem Abend gibt es klassische und neue Werke aus Skandinavien und das Trio pathétique von Michail Glinka.

Auf nichts Geringeres als den "Pakt von Uusikaupunki" kann sich Festivalleiter und Klarinettist Harri Mäki berufen. Denn die südwest-finnische Stadt war Ort eines historischen Friedensschlusses zwischen Schweden und Russland. Der bedeutete für Finnland damals nur den Wechsel vom Stockholmer König zum Petersburger Zaren. Warum so viel Geschichte bei einem Musikfestival? Es sind einhundert Jahre her, dass Finnland endgültig unabhängig wurde von Russland - die Jahrhunderte zuvor waren von Kriegen und Kämpfen gekennzeichnet, die die beiden Reiche Schweden und Russland auf finnischem Boden austrugen. Es ging um die Vorherrschaft in diesem Land, das wir heute als Wunderland der Musik kennen.

Dass dieses Wunder nicht erst mit Jean Sibelius begonnen hat, möchten Harri Mäki und seine Mitmusiker im mittelfinnischen Uusikaupunki beweisen. Dieses Festival trägt in seinem Titel den Namen des Komponisten Bernhard Henrik Crusell. Der wurde in Uusikaupunki geboren und gilt als einer der wichtigsten Klarinettisten der Romantik. Seine Kompositionen zeigen ihn auf der Höhe seiner Zeit und lassen ihn als Wegbereiter der finnischen Musikkultur erscheinen. Crusell begann als Militärmusiker, studierte dann in Berlin und Paris und wurde ein einflussreicher Musiker und Komponist am schwedischen Königshof. Seit 1982 ist ihm ein Festival in seiner Geburtsstadt gewidmet. Das beinhaltet einen Wettbewerb für Flöte und bietet in seinen Konzerten einen frischen Blick auf das Repertoire für Holzbläser.

Ein schwedisch-russisches Programm gab es am 28. Juli in der Alten Kirche von Uusikaupunki. Zwischen diesen beiden Reichen spielte sich ja lange Zeit das Schicksal Finnlands ab und damit auch die musikalische Prägung. Natürlich eröffnete ein Werk Crusells den Abend. Dann gab es das Trio pathétique von Michail Glinka (der wiederum gilt ja durch seine Opern als Gründer der russischen Musikkultur). Den Abend beschloß das Septett des schwedischen Klassikers Franz Berwald. Dazwischen standen zwei moderne Werke, ein Duo für Klarinette und Violoncello des schwedischen Allroundmusikers und Komponisten Svante Henryson und ein neues Quartett mit dem vielsagenden Titel "The Sea of peace" (Das Meer des Friedens). Der finnische Altmeister Aulis Sallinen hat es gerade fertiggestellt. Festivalleiter Harri Mäki führte es mit dem schwedischen Trio ZPR wenige Wochen nach dessen Premiere auf einem anderen finnischen Sommerfestival nun auch in Crusells Heimatstadt auf.

Aus Dispositionsgründen mussten wir das Programm ändern, die Sendung von den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker muss leider entfallen.  

Crusell Musikfestival
Alte Kirche, Uusikaupunki
Aufzeichnung vom 28. Juli 2017

Bernhard Henrik Crusell
Klarinettenquartett Nr. 2 C-Moll op. 4

Tuulia Ylönen, Klarinette
Trio ZPR:
Cecilia Zilliacus, Violine
Johanna Persson, Viola
Kati Raitinen, Violoncello

Michail Glinka
"Trio pathétique"

Tuulia Ylönen, Klarinette
Georg Klütsch, Fagott
Matilda Kärkkäinen, Klavier

Svante Henryson
"Off Pist" für Klarinette und Violoncello (1996)

Andreas Sunden, Klarinette
Kati Raitinen, Violoncello

Aulis Sallinen
Klarinettenquartett "The Sea of Peace" (2017)

Harri Mäki, Klarinette
Trio ZPR

Franz Berwald
Septett B-Dur

Andreas Sunden, Klarinette
Georg Klütsch, Fagott
Annu Salminen, Horn
Trio ZPR
Eero Ignatius, Kontrabass

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