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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.03.2020

Coronavirus in ItalienÜber das Leben in der Schutzzone

Veit Heinichen im Gespräch mit Julius Stucke

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Ein Gottedienst in Triest findet vor leeren Bänken statt. (Imago / Luca Tedeschi)
Gottesdienst vor leeren Bänken: Der Vatikan lässt die Gläubigen nicht mehr in die Kirche - und überträgt die Gottesdienste ins Internet. (Imago / Luca Tedeschi)

Wie lebt es sich in Zeiten des Coronavirus in Italien? Trotz der landesweiten Schutzzone geht der in Triest lebende Krimiautor Veit Heinichen weiterhin in Bars. Respekt vor den Gefahren hat er dennoch - aber wenig Verständnis für deutsche Medien.

Am Montag Abend ist ganz Italien von Premierminister Giuseppe Conte zur "Schutzzone" erklärt worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Bis zum 3. April bleiben alle Schulen und Universitäten geschlossen, es gelten Reisebeschränkungen.

Auch die Spiele der ersten Fußballliga, der Serie A, wurden abgesagt. Selbst die Kirche ist betroffen: Die Messen werden zwar gehalten - aber ohne Gläubige. "Beides mal sind die Götter allein", kommentiert der Krimiautor Veit Heinichen, der seit 1997 in Triest lebt, die Lage in seiner Wahlheimat.

Gemeinsames Mittagessen und früher Aperitif

Besorgt sei er nicht, unterstreicht der Schriftsteller. Trotzdem die Region Friaul-Julisch Venetien derzeit wenig betroffen sei, habe er "Respekt vor der Gefahr, dass es passieren könnte. Wir geben Acht – das schulden wir auch den Anderen."

Doch das Leben gehe weiter. So träfen sich die Menschen nun zum Mittagessen oder zum Aperitif am Nachmittag, die Läden und Bars seien zwar geöffnet, müssten aber bereits um 18 Uhr schließen. An jedem Lokal hänge zudem ein Hinweisschild, auf dem dazu aufgefordert werde, einen Meter Abstand zu den Mitmenschen zu halten. Für die Einhaltung der Vorschrift seien die Inhaber zuständig.

Alte Vorurteile gegenüber Italien

Kein Verständnis hat der Schriftsteller für das von deutschen Medien gezeichnete Bild, dass in Italien derzeit die große Krise herrscht. Vor allem im Bezug auf das italienische Gesundheitssystem seien "alte Vorurteile ausgepackt" worden, die einfach nicht zuträfen, unterstreicht Heinichen. "Das Gesundheitssystem funktioniert blendend", so der Krimiautor.

(rzr)

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