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Freitag, 07.08.2020
 
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Im Gespräch | Beitrag vom 04.07.2020

CoronavirusAngst vor einer zweiten Welle

Moderation: Gisela Steinhauer

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Eine Person trägt eine Schweine-Maske und steht während einer Demonstration gegen Tierquälerei vor dem Betriebsgelände der Fleischfabrik Tönnies. (dpa / Friso Gentsch)
Demonstration vor Tönnies: Zahlreiche Corona-Ausbrüche bei dem Fleischverarbeiter ließen die Sorge vor einer zweiten Coronawelle wachsen. (dpa / Friso Gentsch)

Die aktuellen Corona-Ausbrüche in der Fleischindustrie und in einzelnen Regionen haben es gezeigt: Das Virus ist nach wie vor aktiv. Viele fürchten eine zweite Infektionswelle. Ist die Sorge berechtigt? Wie können wir vorbeugen?

Wir leben längst in der "neuen Normalität" mit dem Coronavirus. Wir haben uns an die täglichen Infektionszahlen gewöhnt, die Maske gehört für viele zur Grundausstattung. Sie ist auch nötig, denn zumindest in den Städten ist es merklich voller geworden, in den Fußgängerzonen, dem ÖPNV, auf Wiesen und am Badesee. Distanz ist da nicht immer möglich – vielen ist sie auch zunehmend egal. Gäbe es da nicht die Meldungen von neuen regionalen Ausbrüchen. Dann werden die Maßnahmen schnell wieder verschärft. Viele scheuen sich auch, ihren Urlaub außerhalb Deutschlands zu verbringen. Was, wenn es einen dort erwischt? Wenn eine Region wieder dichtgemacht wird?

Die "stille Pandemie"

"Das Virus ist noch da, es zirkuliert", sagt Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Er spricht von einer "stillen Pandemie": "Das Gefährliche ist, dass viele Infizierte gar nicht erkranken, es aber trotzdem gut übertragen können oder es übertragen können, bevor sie mit einer leichten Symptomatik erkranken." Daher seien die bekannten Vorsichtsmaßnahmen auch auf lange Sicht weiterhin nötig: Distanz, Hygiene, Maske, das Verbot von Massenveranstaltungen. Und: "Testen ist ein entscheidender Punkt. Vor allem schnell testen und reagieren, Kontakte nachvollziehen."

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Die von vielen befürchtete zweite Infektionswelle sieht Jonas Schmidt-Chanasit, der auch Viruserkrankungen wie Ebola oder Zika erforscht, aktuell nicht: "Es ist eine Möglichkeit; wahrscheinlich muss man aber eher mit regionalen Ausbrüchen rechnen." Insofern seien auch regionale Reaktionen sinnvoll, wie die Verschärfungen im Kreis Gütersloh nach dem Ausbruch im Fleischbetrieb Tönnies. Letztlich müssten wir lernen, mit dem Virus zu leben. Je nachdem, wann ein Impfstoff verfügbar sei, noch Jahre. "Es ist eine Pandemie, wir stehen nicht alleine da. Selbst, wenn das Virus aus Deutschland verdrängt würde, es wird immer wieder eingebracht werden."

Tests gezielt und anlassbezogen

"Wir haben ein sehr ruhiges Infektionsgeschehen, aber wir haben auch Ausbrüche, und zum Teil sehr massive Ausbrüche", sagt Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. "Darauf muss individuell, sehr gezielt und lokal reagiert werden." Ihr Bundesland hat für Schlagzeilen gesorgt, mit gehäuften Corona-Todesfällen in Pflegeheimen oder jüngst mit einem Ausbruch in einem Göttinger Hochhaus.

Die Gesundheitsministerin setzt auf vermehrte Tests, allerdings nicht flächendeckend wie in Bayern. "Testungen müssen weiterhin immer gezielt und anlassbezogen eingesetzt werden." Und sie verteidigt das Beherbergungsverbot für Reisende aus betroffene Regionen, wie aktuell aus dem Raum Gütersloh, falls diese keinen negativen Test vorlegen können: "Es geht darum zu verhindern, dass sich das Virus weiterverbreitet."

(sus)

Corona: Sorge vor einer zweiten Welle?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Gesundheitspolitikerin Carola Reimann und dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter.

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