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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.05.2020

Coronakrise in BrasilienWerner Herzog fürchtet um die indigenen Völker

Moderation: Vladimir Balzer

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Eine Indigena in Brasilien mit einem Mundschutz und mit dem Kopfschmuck des Sateré-Mawé Volkes (imago images / Agencia EFE / Raphael Alves)
In Brasilien wird Corona zur Existenzkrise für die Völker im Amazonas. (imago images / Agencia EFE / Raphael Alves)

Corona bedroht viele Menschen in den Urwäldern Brasiliens, die kaum kaum Abwehrkräfte gegen das Virus haben. Der Filmemacher Werner Herzog appelliert deshalb an Präsident Jair Bolsonaro, den Indigenen zu helfen.

Das Coronavirus gefährdet die indigenen Völker im Amazonasbecken. Da die meisten von ihnen schlecht gegen das Eindringen von Infektionen gewappnet sind, wird Covid-19 für sie zur existenziellen Bedrohung. Der Filmregisseur Werner Herzog ("Fitzcarraldo") engagiert sich seit Jahren für die brasilianischen Gemeinschaften. Er hat eine Petition des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado unterzeichnet, in der an Präsident Jair Bolsonaro, den Kongress und die Gerichte appelliert wird, alles zu tun, um die Indigenen zu retten.

Vielfältige Bedrohung 

Die Coronakrise sei gefährlich, sagt Herzog, aber eigentlich nur Teil eines anderen Missstandes: "Das primäre Problem ist, dass Brasilien es erlaubt, dass Holzfäller, Ölsucher und Goldgräber diese ganzen Urwaldgebiete überrennen." So seien schon in den 1980er-Jahren in manchen Gebieten bis zu 75 Prozent der Bevölkerung durch eingeschleppte Krankheiten wie Windpocken oder Schnupfen gestorben.

Zum Glück gebe es auch Unterstützung für die Gemeinschaften, sowohl von staatlicher, wie von privater Seite. Die staatliche Hilfe habe allerdings schon länger nachgelassen, kritisiert Herzog. Unter Präsident Balsonaro werde das noch sehr viel sichtbarer.

Nicht von Europäern belehren lassen

Das Problem sei, dass ein Millionenheer von Armen in den Urwald dränge, um dort ein Stück Land zu bearbeiten, sagt Herzog. Von Europäern wollten sich die meisten Leute nicht belehren lassen. "Viele Brasilianer sagen, ihr könnt nicht uns vorschreiben, was wir zu tun haben, wo ihr diese Sünde schon längst hinter euch habt."  

In der Tat sei Europa an dieser Situation nicht unschuldig, betont Herzog. "Es ist ein Problem, das die westliche Welt verursacht. Durch einen unersättlichen Hunger nach Holz zum Beispiel und nach Rindfleisch." Und er fährt fort: "Wir müssen sehr genau hinschauen, wie wir leben, was wir machen, wie wir Konsum betreiben." Damit sei man mitverantwortlich für die Abholzung des Amazonas. 

(beb)

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