Seit 10:05 Uhr Lesart
Freitag, 27.11.2020
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 16.05.2020

CoronakriseBremse oder Chance für den Klimaschutz?

Moderation: Vladimir Balzer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Vor dem Reichstag in Berlin legt eine Frau mit Warnweste und Mundschutz Protestplakate auf die Wiese. (imago images / Christian Mang)
Klimaprotest in Coronazeiten: Kunstaktion von "Fridays for Future" vor dem Bundestag. (imago images / Christian Mang)

2019 war das Jahr der "Fridays for Future"-Bewegung, der Kampf gegen den Klimawandel bestimmte die Schlagzeilen. Doch jetzt stellt die Coronapandemie mit ihren wirtschaftlichen Folgen alles in den Schatten. Was heißt das für den Klimaschutz?

Die Coronapandemie verdrängt viele andere Probleme – auch die Klimakrise. Aus der Industrie und der Politik mehren sich die Stimmen, die Umweltschutzmaßnahmen zugunsten der schwächelnden Wirtschaft hintanzustellen. Klimaexperten fordern, Finanzhilfen an nachhaltige Kriterien zu knüpfen, um die vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen. Ist Corona eher Bremse oder Chance für den Klimaschutz?

Wer soll gerettet werden?

"Im Moment ist beides möglich. Es ist die Frage, wie wir die Antwort auf die Krise gestalten", sagt Lili Fuhr, Referentin für Internationale Umweltpolitik der Heinrich-Böll-Stiftung. Rettungsmaßnahmen für betroffene Firmen sieht die Umweltexpertin skeptisch. Man müsse genau schauen auf "die Kräfte, die uns vor Corona an die Wand gefahren haben". Es sei "absolut unvereinbar mit dem Klimaschutz, nicht zukunftsfähige Industriezweige hochzupäppeln".

Ihre Forderung: "Es bleiben die Punkte, die schon vorher auf der Hausaufgabenliste standen, zum Beispiel der zügige Ausstieg aus der Förderung und Verbreitung fossiler Stoffe wie Kohle, Erdöl oder Erdgas."

Coronavirus-NewsletterIhre Mahnung: "Der Klimawandel wartet nicht. Die Menschen nehmen schon jetzt wahr, dass wir wieder in ein extremes Dürrejahr hineingehen. Diese Verletzlichkeit durch Krisen rückt den Menschen immer mehr ins Bewusstsein."

Der europäische "Green Deal" – nicht mehr finanzierbar?

"Schon für die Wirtschaft in Bestform, also vor der Coronakrise, war der 'Green Deal' eine gigantische Herausforderung", sagt der CDU-Politiker und Europaabgeordnete Markus Pieper. "Und jetzt nach dem Aderlass ist das schlicht nicht mehr finanzierbar." Der "Green Deal" ist das Programm von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, mit dem Europa bis 2050 klimaneutral werden soll. Es müsse überdacht werden, so der Politiker. "Der Maßstab unseres klimapolitischen Handelns sind die Pariser Klimavorgaben, aber die Überlegungen zum coronaangepassten Arbeitsprogramm der Kommission schießen über das Ziel hinaus." Nach der Krise müssten Branchen wie Stahl, Aluminium oder die Chemie erst wieder auf die Beine kommen, bevor man über ökologische Auflagen nachdenken könne.

(sus)

Corona: Bremse oder Chance für den Klimaschutz?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Umweltexpertin Lili Fuhr und dem Europaparlamentarier Markus Pieper. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.
Besuchen Sie uns auch auf Instagram, Facebook und Twitter!

Mehr zum Thema

Green Deal und Corona - Was die grüne Wirtschaft von den Coronahilfen hat
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 23.04.2020)

Bundesumweltministerin über Nachhaltigkeit nach Corona - Mehr Umweltschutz gegen eine weitere Pandemie
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 27.04.2020)

Nachhaltig Wirtschaften - Das Klima retten trotz Corona
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 26.04.2020)

Im Gespräch

Maler David SchnellIm Sog von Bewegung und Farbe
Der Maler David Schnell (Stefan Fischer)

Die Bilder des Leipziger Malers David Schnell haben einen eigenen Sog: Sie spielen mit Nähe und Distanz, mit der Wirkung von Farbe und Bewegung. Das habe auch etwas mit seiner Begeisterung für den BMX-Radsport zu tun, erzählt der Maler.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur