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Interview | Beitrag vom 24.11.2020

Coronabeschränkungen zu WeihnachtenMorgen, Kinder, könnte es vielleicht was geben ...

Patrick Larscheid im Gespräch mit Axel Rahmlow

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23.11.2020, Symbolbild, Am Weihnachstbaum im Wohnzimmer hängt ein Mund-Nasen-Schutz.  (Imago Images / MiS)
Oh, du Fröhliche? Am 25. November soll entschieden werden, wie weit die Beschränkungen für die Feiertage gehen werden. (Imago Images / MiS)

Dürfen wir Weihnachten wie gewohnt feiern? Amtsarzt Patrick Larscheid hält nichts davon, Coronabeschränkungen zu lockern. Es sei wie bei der Kindererziehung: Begründete Entscheidungen dürften nicht verworfen werden, weil es dem Nachwuchs nicht passt.

Das Coronavirus kennt kein Weihnachtsfest. Deshalb auch würde Bundeskanzlerin Angela Merkel am liebsten keine Ausnahme von der Beschränkungsregel für die Feiertage machen. Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder aber schon. Deren Überlegung: Könnte es nicht mit vorangehender Selbstquarantäne in der Adventszeit funktionieren? Am 25. November fällt die Entscheidung.

Doch während bundesweit Bürgerinnen und Bürger um ein Weihnachtsfest im Familien- oder Freundeskreis zittern und nun auf vorübergehende Ausnahmen hoffen, hält Amtsarzt Patrick Larscheid solche Ideen für reines Wunschdenken – ein Bonbon, das man der zunehmend wütender werdenden Bevölkerung hinhalte.

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Larscheid arbeitet für das Gesundheitsamt des Berliner Bezirks Reinickendorf und ist für eine klare, wenn auch harte Linie mit konsequenten Kontaktbeschränkungen. Er sagt: "Mir ist Klarheit lieber. Mir ist es auch lieber, wenn man sagt: Okay, es ist Pech, es wird jetzt über Weihnachten und Silvester so gehen. Das wird uns allen weh tun, dann sind Ausnahmen auch nicht möglich."

Die Menschen nicht "für dumm verkaufen"

Derzeit ist Larscheids Erfahrung im Gesundheitsamt: "Wir merken, dass der Ton rauer wird. Weil man die Überbringer schlechter Nachrichten gerne beschimpft."

Er zieht eine Parallele zur Kindererziehung: "Nur weil Dinge unbequem sind, kann man sie nicht einfach außer Kraft setzen. Stellen Sie sich mal vor, man würde Kindererziehung daran festmachen, dass die Kinder eventuell mit klugen elterlichen Entscheidungen nicht einverstanden sind. Das würde keine guten Ergebnisse bringen."

Larscheid ist sich sicher: Man könne die Menschen mit klugen und schlüssigen Argumenten von harten Maßnahmen durchaus überzeugen. Dagegen könnten sie sich "für dumm verkauft" fühlen, wenn man ihnen ein Weihnachtsfest unter gelockerten Bedingungen anbiete, wenn sie "vorher schön zu Hause bleiben".

Homeoffice vor Weihnachten nicht für alle machbar

Speziell für Eltern von kleinen Kindern, die während der Kitaschließungen im Frühjahr und auch aktuell wegen Coronafällen an Schulen und Kitas oft oder fast immer zu Hause sein mussten und müssen, sei dies kein wirkliches Angebot – sie könnten dies als "zynisch empfinden".

Auch von Appellen an Arbeitgeber, in der Vorweihnachtszeit komplett Homeoffice oder Sonderurlaub zu ermöglichen, hält der Amtsarzt wenig. Zum einen seien die Möglichkeiten vielerorts ausgeschöpft. Zum anderen sei dies für viele Berufe schlicht nicht praktikabel: Krankenschwestern könnten ihre Feiertagsdienste nicht einfach vorher ableisten. Und Rundfunkmitarbeitende könnten das Programm für Heiligabend  "nicht schon am 10. Dezember machen".

(mkn)

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